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Ermittlungen

Solar Millennium im Visier der Staatsanwaltschaft

Für 74 Tage im Amt zahlten die Kraftwerksbauer ihrem Chef satte neun Millionen Euro. Das ist bekannt und empörte die Öffentlichkeit. Nun drohen den Aufsichtsräten rechtlich Konsequenzen.

Eigentlich lief es in letzter Zeit wieder richtig gut für die Erlanger Kraftwerksbauer. Sie hatten sich etwas erholt von der nicht gerade friedlichen Trennung von ihrem Kurzzeit-Chef Utz Claassen im vergangenen Jahr. Die Aktien-Kurse stiegen wieder. Sie planen gerade den sechs Milliarden teuren Bau des größten Solarkraftwerks der Welt, östlich von Los Angeles. Auch China und Indien haben Interesse angemeldet für ein Solarkraftwerk der Erlanger. Doch die werden gerade wieder von der Vergangenheit eingeholt.

Am Freitag berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, dass die Nürnberger Staatsanwaltschaft gegen drei Mitglieder des Kontrollgremiums ermittele. Auf Nachfrage der dapd bestätigte die Behörde lediglich Vorermittlungen. Gegenstand der Nachforschungen sind die Vorgänge rund um die Person Utz Claassen. Ein bisher unveröffentlichter Untersuchungsbericht, der der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegt, erzählt von einem „gravierenden aktienrechtlichen Verstoß“. Dieser sei womöglich als Untreue „in einem besonders schweren Fall“ zu werten. Es geht um die Zusatzvereinbarungen mit Claassen. Sein Gehalt und damit verbundene Rückzahlungsregelungen bei vorzeitigem Ausscheiden werden in dem Untersuchungsbericht „grenzwertig“ genannt.

In einer Stellungsnahme teilte Solar Millennium daraufhin mit, die Firma habe „keinerlei Hinweise darauf, dass das Unternehmen bei der Bestellung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Prof. Utz Claassen und in den 74 Tagen seiner Amtszeit rechtliche Verstöße begangen hat“. Der genannte Untersuchungsbericht sei ein „Zwischenbericht einer lokalen Rechtsanwaltskanzlei (... ), der bereits 2010 beauftragt wurde und nicht weitergeführt wurde. Er unterstellt dem Aufsichtsrat Verstöße gegen das Aktienrecht im Rahmen der Bestellung von Claassen.“ Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Dr. Christoph Wolff merkte dazu an: „Es handelt sich dabei um einen Zwischenstand einer Beauftragung von 2010, die sich ausschließlich auf die Bewertung des Vertragswerks zwischen Aufsichtsrat und dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden bezieht. Diese Bewertungsbasis ist jedoch laut Auskunft unserer Rechtsberater nicht aussagefähig. Wir wollen vielmehr wissen, was damals wirklich passiert ist. Schließlich waren Person und Begleitumstände ungewöhnlich, und abseits des akuellen Rechtsstreits ist es unsere Pflicht, uns ein eigenes Bild von den damaligen Geschehnissen zu machen".

(Redaktion)


 


 

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