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Spieletest

Far Cry 3 (PC, Xbox 360, PlayStation 3)

Zurück auf die Insel! Nach dem Ausflug in das fiktive afrikanische Land Leboa-Sako in Far Cry 2 geht es im dritten Teil wieder ab in ein tropisches Paradies. Die beiden Eilande der Spielwelt werden jedoch nicht nur von allerhand bedrohten Tierarten, sondern auch von einem Haufen brutaler Piraten bedroht. Protagonist Jason Brody macht sich auf, das zu ändern.

Einige Spieler werden zu Beginn des neuen Inselabenteuers wohl erst einmal Angst um das Identifikationspotenzial der Hauptfigur haben. Brody ist ein jugendlicher Draufgänger, der von seinen Eltern offenbar deutlich zu viel Taschengeld bekommt – denn neben ausgedehnten Partynächten und Stripclub-Besuchen kann er sich mit seinen Freunden auch problemlos einen Fallschirmsprung im tropischen Nirgendwo leisten. Dummerweise hat er sich in seiner jugendlichen Unbekümmertheit allerdings nicht vorher erkundigt, wo er landet. Er gerät deshalb in die Fänge des fiesen Piraten Vaas, der nicht nur ein Psychopath ist, sondern auch eine Armee um sich geschart hat. Mit seinem Bruder Grant flieht Jason aus einem standesgemäßen Holzkäfig und nachdem Grant auf der Flucht ums Leben kommt, ist unser Held auf sich allein gestellt.

Von den Rakyat, einem Stamm Eingeborener, wird Jason nicht nur herzlich aufgenommen, sondern auch gleich mit einem Haufen Waffen und Munition ausgestattet – so gerüstet macht er sich auf die Suche nach seinen Freunden. Glücklicherweise führen diverse Ereignisse im Verlauf des Spiels dazu, dass sich Jasons Charakter merklich ändert. Er verroht zunehmend, akzeptiert brutale Gewalt immer mehr als Mittel seiner Wahl. Das macht ihn zwar nicht unbedingt liebenswerter, erklärt aber dennoch zumindest ausreichend, wie er als Protagonist eines Ego-Shooters funktionieren kann. Dieser Wandel ist es außerdem, der die Geschichte des Spiels erst so richtig interessant macht. Jason Brody ist der Gegenpol zum hassenswerten Oberbösewicht Vaas und seine Metamorphose zum eiskalten Killer stellt den Spieler permanent selbst die Frage: Hättest du genauso gehandelt? Für zartbesaitete Gemüter ist Far Cry 3 daher schon mal nichts. Die Handlung ist mit ihren vielfältigen Charakteren und diversen hübsch in Szene gesetzten Drogentrips zwar gelungen. Vor allem Vaas, für den Entwickler Ubisoft eigens einen Schauspieler verpflichtet hat, glänzt. Sie ist aber eben auch alles andere als harmlos.

Das Gameplay verbindet das typische Design eines Ego-Shooters mit Action-Adventure-Elementen. In der offenen Spielwelt sind dabei vor allem die Einflüsse der ebenfalls von Ubisoft entwickelten Assassin’s-Creed-Reihe unverkennbar. Um Teile der Spielwelt auf der Karte sichtbar zu machen und so einen besseren Überblick zu erhalten, müssen Funktürme erklommen werden. Zudem können diverse Piratenlager erobert werden, die anschließend als Speicherpunkte und Shops dienen, in denen neue Waffen und Munition eingekauft werden können. Die langen Laufpunkte des Vorgängers entfallen dabei durch ein praktisches Schnellreisesystem und auch Speicherpunkte sind fair gesetzt. Aufträge und Nebenmissionen gibt es ebenfalls, sie kommen in Sachen Qualität allerdings nicht unbedingt an den Hauptstrang der Geschichte heran. Zumeist müssen ranghohe Piraten gezielt ausgeschaltet oder besondere Tiere gejagt werden.

Die Jagd ist gleichzeitig einer der skurrilsten Teile der Spielmechanik. Denn während schweres Kriegsgerät, Flammenwerfer, Granaten und Sturmgewehre scheinbar an jeder Ecke erhältlich sind, verhält es sich mit Gebrauchsgegenständen anders. Wer mehr als eine Waffe tragen will, muss sich selbst einen neuen Waffengurt basteln und selbst wer mehr als 2.000 Dollar in der Brieftasche mit sich herumtragen will, kommt nicht umhin, selbst Hand anzulegen. Der einzige Rohstoff, der dafür zur Verfügung steht, ist Leder. Wer also nicht mit der Startausrüstung das komplette Spiel bestreiten will, ist zwangsläufig darauf angewiesen, die Fauna des Inselparadieses zu dezimieren – dabei müssen leider auch ohnehin schon vom Aussterben bedrohte Tiere wie Komodowarane, Leoparden, Tiger und Bären dran glauben. Das ist nicht nur ein bisschen fragwürdig, sondern auch unlogisch, fügt dem Spiel aber dennoch eine motivierende Möglichkeit hinzu, die Fähigkeiten des eigenen Charakters auszubauen. Das funktioniert ansonsten über Erfahrungspunkte. Bei jedem Levelaufstieg stehen dem Spieler drei verschiedene Talentbäume zur Verfügung, aus denen neue Skills gewählt werden können – längeres Tauchen, schnelleres Rennen, eine höhere Gesundheitsanzeige oder lautloseres Schleichen. Letzteres bietet sich vor allem jenen Spielern an, die den Einsatz des Raketenwerfers tunlichst vermeiden wollen. So können viele Missionen auch in bewährter Assassin’s-Creed-Manier durch lautloses Vorgehen gelöst werden. Wer will, kann sich aus den Pflanzen der Inseln außerdem Spritzen herstellen, die ebenfalls bestimmte Fähigkeiten verbessern oder schlichtweg verlorene Gesundheitspunkte wiederherstellen.

Wer sich auf den Weg zu den Far-Cry-Inseln macht, sollte es vor allem vermeiden, das Spiel zu ernst zu nehmen. Die Story wird äußerst eindringlich und ernsthaft erzählt, tiefgründig ist sie dabei jedoch nicht. Far Cry 3 macht Spaß, wie ein Actionfilm Spaß macht – es explodiert an allen Ecken und Enden, ist jedoch nicht besonders realistisch und will das auch gar nicht sein. Das Spiel bleibt dennoch packend, Charakterentwicklung und allerhand Nebenmissionen und Sammelbares sorgen für Langzeitmotivation. Wer mag, kann sich außerdem in einer eigenen Koop-Kampagne oder in klassischen Egoshooter-Spielmodi wie dem Deathmatch mit anderen messen. Der Multiplayer-Modus ist allerdings definitiv nicht die Stärke von Far Cry 3, wobei ein Leveleditor dafür sorgt, dass neue Schauplätze und Maps praktisch unbegrenzt zur Verfügung stehen. Wer also genug von besinnlicher Weihnachtszeit hat und packende Singleplayer-Kampagnen schätzt, darf bei Far Cry 3 bedenkenlos zugreifen.

(Redaktion)


 


 

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