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Steuersünder

Was man bei der Selbstanzeige beachten muss

Für Steuersünder, die unversteuertes Geld auf ausländischen Konten deponiert haben, wird es immer enger. Nach den schweizerischen Banken verlangen nun auch luxemburgische Geldhäuser Nachweise, die belegen, dass das angelegte Geld in Deutschland versteuert wurde. Fehlen diese Nachweis, drohen strafrechtliche Konsequenzen. Selbstanzeige kann vor Strafe schützen – wenn sie gut vorbereitet ist. Worauf man achten muss, erklärt Fachanwalt Heinz Joachim Maier im buiness-on.de-Interview.

Kritisch wird es für die Betroffenen auch, weil immer mehr ausländische Bankinstitute dazu übergehen, Auszahlungswünschen nur noch per Scheck nachzukommen. Wer mit einem Scheck, der höher als 15.000 Euro ist, zu einer deutschen Bank geht und diesen einlösen will, muss er detailliert darlegen, woher das Geld stammt.

Laut dem deutschen Geldwäschegesetz betrifft dies nicht nur Bargeld und Schecks, sondern beispielsweise auch Edelmetalle oder Wertpapiere mit einem Wert über 15.000 Euro. Wer nicht nachweisen kann, woher Geld oder Wertgegenstände stammen, bekommt spätestens bei seiner Bank Probleme.

Für Betroffene, die einer Entdeckung zuvorkommen wollen, kann eine Selbstanzeige strafmildernd oder gar strafbefreiend wirken. Doch dieses Vorgehen sollte unbedingt gründlich überlegt und vorbereitet werden, warnt die Saarbrücker Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Förderer, Keil & Partner.

Für wen eine Selbstanzeige sinnvoll ist, was dabei beachtet werden sollte und wo Fallstricke lauern, erklärt Heinz Joachim Maier, Fachanwalt für Steuerrecht in der Kanzlei, im Interview.

Voraussetzungen für eine Strafbefreiung

business-on.de: In welchen Fällen wirkt sich eine Selbstanzeige strafbefreiend aus?

Heinz Joachim Maier, Kanzlei Förderer, Keil & Partner: Damit eine Selbstanzeige strafbefreiend wirkt, muss sie eine Nacherklärung beinhalten, die alle unvollständigen Angaben aus den letzten zehn Jahren komplett ergänzt und falsche Angaben berichtigt.

Voraussetzung ist zudem, dass die hinterzogenen Steuern innerhalb der vom Fiskus (zur Fiskus Definition) vorgegebenen Frist nachgezahlt werden. Diese beträgt in der Regel nur einen Monat nach Zahlungsaufforderung.

Auch Selbstanzeigen, die zunächst nicht alle Kriterien für eine Strafbefreiung erfüllen, etwa weil Unterlagen und detaillierte Zahlen fehlen, wirken in der Regel strafbefreiend.

Deshalb kann es zur Vermeidung einer Tatentdeckung auch sinnvoll sein, sich schon selbst anzuzeigen, wenn noch nicht alle Angaben gemacht werden können, weil beispielsweise Nachweisdokumente fehlen und erst beschafft werden müssen.

Die Tatbestände als solche müssen aber auf jeden Fall genannt werden, auch wenn die Nachweise erst sukzessive nachgereicht werden können.

Alle Tatbestände offenlegen

business-on.de: Welche Fehler sollten reuige Steuersünder vermeiden, damit ihre Selbstanzeige nicht zu größerem Schaden führt?

Heinz Joachim Maier, Kanzlei Förderer, Keil & Partner: Der häufigste Fehler ist die Abgabe bewusst oder unbewusst unvollständiger Selbstanzeigen.

Viele Steuersünder haben Angst, alle Details offenzulegen, und verschweigen auch in der Selbstanzeige noch einige Fakten oder vergessen tatsächlich lange zurück liegende Sachverhalte.

Grundsätzlich sind sämtliche bislang nicht versteuerten Einkünfte für alle strafrechtlich noch nicht verjährten Besteuerungszeiträume nachzuerklären.

Wer dabei Tatbestände, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, bewusst verschweigt, kann nicht mehr mit einer Strafbefreiung rechnen.

business-on.de: In welchen Fällen ist besondere Vorsicht geboten?

Heinz Joachim Maier, Kanzlei Förderer, Keil & Partner: Vor allem wenn Auslandskonten und -depots in der Nacherklärung angegeben werden, interessiert sich der Fiskus sehr genau für die Herkunft des Geldes. Stammt es aus einer nicht versteuerten Erbschaft oder Schenkung, sollte die Selbstanzeige um diese Hinterziehung von Erbschaft- und Schenkungsteuer erweitert werden.

Doch gerade Erbfälle sind höchst brisant, weil es sich in der Regel um eine Mehrheit von Erben, also eine Erbengemeinschaft, handelt. In diesen Fällen sollten sich alle Erben untereinander abstimmen und ihre Selbstanzeigen zeitgleich einreichen. Prescht ein Mitglied der Erbengemeinschaft vor, sind alle anderen Mitglieder unwiderruflich strafbar, weil durch die vorzeitige Selbstanzeige des einen die Tat der anderen entdeckt ist.

business-on.de: Wie gehen Steuersünder am besten vor, wenn sie sich zu einer Selbstanzeige entschließen?

Heinz Joachim Maier, Kanzlei Förderer, Keil & Partner: Steuersünder, die sich selbst beim Fiskus anzeigen wollen, sollten ihr Vorgehen genau abwägen. Sobald die Entscheidung gefallen ist, sollte unverzüglich ein mit der Erstattung von Selbstanzeigen erfahrener Berater aufgesucht werden.

Häufig wird der eigene Steuerberater nicht in Betracht kommen, weil er wegen der langjährigen Mitwirkung an falschen Steuererklärungen befangen ist und unter Umständen ein eigenes strafrechtliches Risiko eingeht.

Auch Erben, die den Verdacht haben, dass der Erblasser „unversteuerte Einkommensquellen“ hatte, sollten schnell handeln.

Sie sollten den Sachverhalt unbedingt klären oder klären lassen. Bei der ersten Abgabe von einer eigenen steuerlich relevanten Erklärung begeht der Erbe nämlich eine eigene Steuerhinterziehung, wenn er die ihm verdächtig erscheinenden Einkommensquellen nicht belegen kann.


 


 

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