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Kolumne

Stichwort: Business Ethics

Mittelfranken.business-on.de hat mit Prof. Dr. Dirk Ulrich Gilbert, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der FAU Erlangen-Nürnberg einen weltweit renommierten Wissenschaftler für seine Marketing-Kolumne gewonnen. Ab sofort können Sie alle 14 Tage die neueste Kolumne von Prof. Gilbert über Unternehmensethik, Organisationstheorie oder Changemanagement lesen.

Der Begriff der Business Ethics, zu Deutsch Unternehmensethik, ist en vogue. Berichte in den Medien über Korruptionsskandale bei Siemens und IKEA, Diskriminierungspraktiken bei Walmart oder die Verletzung von Sozialstandards in Entwicklungsländern durch Nike machen Menschen zunehmend betroffen. Unternehmen scheinen Gefahr zu laufen, ihre Legitimationsgrundlage, die sog. „Licence-to-operate“, zu verlieren, wenn sie moralische Wertvorstellungen nicht berücksichtigen und keine Business Ethics betreiben. Aber was ist Business Ethics eigentlich und können Unternehmen überhaupt moralische Verantwortung übernehmen?

Sowohl im anglo-amerikanischen als auch im deutschen Sprachraum hat sich in den letzten 20 Jahren eine heftige Diskussion zum Thema Business Ethics entwickelt. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze, die das Verhältnis zwischen Ethik und Ökonomie versuchen zu beantworten. Vertreter einer neoliberalen Position glauben dabei, dass moralisch einwandfreies Verhalten lediglich Kosten verursacht und negative ökonomische Konsequenzen für Unternehmen hat. Sie verweisen ethische Reflexion in das Gebiet der Philosophie und betonen das Gewinnprinzip als einzige Leitidee unternehmerischen Handelns. Nach einem solchen Verständnis ergibt sich aus dem Gebot der Gewinnmaximierung letztendlich sogar die vollständige Entlastung von ethischer Verantwortung für die Unternehmen.

Aus meiner Sicht ist diese Position nicht haltbar und ich denke, dass die Beschäftigung mit Unternehmensethik zwingend notwendig ist, denn jedes unternehmerische Handeln enthält neben der ökonomischen immer auch eine ethische Dimension. Letztlich fließen in jede Entscheidung individuell geprägte Wert- und Normvorstellungen als „moralische Vorprägungen“ der Entscheidungsträger ein. Diese bieten Ansatzpunkte für eine gezielte ethische Reflexion. Beim Entscheidungsprozess nehmen sie Einfluss auf die Informationssuche, -verarbeitung und -bewertung, die der konkreten Entscheidung vorausgehen. Einen „moralfreien Raum“ gibt es demnach für unternehmerische Entscheidungen nicht. Nach diesem Verständnis ist Gewinn als Ziel unternehmerischen Handelns nach wie vor eine notwendige Voraussetzung, um den Unternehmensfortbestand zu sichern. An die Stelle der klassischen Gewinnmaximierung tritt jedoch eine multidimensionale Zielfunktion, die neben dem Gewinn auch moralische Orientierungsgrößen aufweist. Ich bin überzeigt davon, dass sich eine Grundkonzeption wirtschaftlicher Vernunft letztlich an ihrer Lebensdienlichkeit für sämtliche Anspruchsgruppen eines Unternehmens messen lassen muss.

Vor diesem Hintergrund lässt sich Business Ethics definieren als ein permanenter Prozess kritischer Reflexion der normativen Bedingungen unternehmerischen Handelns, der die Verantwortung des Unternehmers zur Initiierung dialogischer Verständigung mit Betroffenen akzentuiert, um gut begründete Normen in Kraft zu setzen. Die Business Ethics muss insofern eine Orientierung bieten hinsichtlich der moralischen Prinzipien, an denen Entscheidungsträger in Unternehmen ihre Handlungen ausrichten sollen, um mit ethischen Konflikten umzugehen. Gleichzeitig sensibilisiert die Unternehmensethik für die Notwendigkeit, strukturelle Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich ethische Reflexion in Unternehmen entfalten kann, z.B. in Form von Ethik Kodices oder Compliance Programmen.

Unternehmen müssen sich der Problematik bewusst sein, dass ohne die Berücksichtigung der vielfältigen (ethischen, ökologischen und sozialen) Ansprüche, Bedürfnisse und Interessen betroffener Anspruchsgruppen auf lange Sicht auch keine ökonomischen Erfolgspotentiale realisierbar sind. Widerstände, Goodwill- und Legitimitätsverluste sowie deren unabschätzbare Folgekosten erscheinen dann steuer - oder zumindest beherrschbar. Die Beschäftigung mit Unternehmensethik verfolgt deshalb keine rein idealistischen Motive, sondern resultiert gleichermaßen aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen.

Das Videointerview mit Prof. Gilbert über Business Ethics finden Sie hier

(Prof. Dr. Dirk Ulrich Gilbert)


 


 

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