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  • 11.12.2008, 08:10 Uhr
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Kolumne

Stichwort: Wirtschaftsethik

Prof. Dr. Dirk Ulrich Gilbert veröffentlicht alle 14 Tage auf business-on.de Mittelfranken seine Kolumne über die Themen Wirtschaftsethik, Changemanangement und Organisationstheroie. Prof. Gilbert ist Inhaber eines Lehrstuhls für Angewandte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Die globale Finanzkrise hat nicht nur dramatische Auswirkungen auf die ökonomische Situation in Deutschland und den Rest der Welt, sie offenbart auch grundlegende Regelungsdefizite des Finanzmarktes, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. So ist es nicht verwunderlich, dass die Bundeskanzlerin und der Finanzminister schnell Gesetze auf den Weg bringen wollen, welche die Aktivitäten der Banken und ihrer Manager in Zukunft besser regulieren und kontrollieren sollen. Zudem fordert Angela Merkel die G 20 Nationen dazu auf, Regeln für die globale Finanzkontrolle zu erlassen, da nationale Alleingänge nicht zielführend erscheinen. Die Frage nun, wie diese Gesetze und Regeln aussehen und auf welche Bereiche sie sich beziehen sollen, ist Gegenstand der sog. Wirtschaftsethik, die im Mittelpunkt dieses Beitrags steht.

Die Wirtschaftsethik hängt eng zusammen mit der Unternehmensethik, die ich zu einem früheren Zeitpunkt bereits an dieser Stelle thematisiert habe. Unternehmensethik ist dabei eingebettet in die Wirtschaftsethik und die Lösung ethischer Konflikte erscheint nur möglich, wenn alle Betroffenen stets auf beiden Ebenen gleichzeitig denken. Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass Wirtschaftsethik als System- oder Ordnungsethik angelegt ist. Sie beschäftigt sich mit der ethisch-normativen Ausgestaltung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere der Wirtschaftsordnung, der Wirtschafts- und Sozialpolitik oder auch der internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Sie untersucht das wirtschaftliche Handeln aller Akteure und will über eine entsprechende Gestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bzw. Regelungen ein ethisch erwünschtes Verhalten herbeiführen. Beispiele für solche Regulierungsbemühungen lassen sich viele nennen. So gibt es Intentionen auf europäischer Ebene einheitliche Regeln zur Ausgestaltung des Verbraucherschutzes oder der Produkthaftung zu finden. Auf supranationaler Ebene haben sich im Jahr 1998 beispielsweise die OECD Staaten darauf verständigt, die Korruption ausländischer Amtsträger zu bekämpfen. Sämtliche OECD-Mitgliederländer haben sich dann dazu verpflichtet, diese Regelung in Form eines Korruptionsverbotes in ihr jeweiliges nationales Recht umzusetzen.

Wirtschaftethik als Schiedsrichter

Wirtschaftsethik als System- oder Ordnungsethik fällt damit in den Bereich der Institutionenethik. Diese will über eine kritische Reflexion der bestehenden und (Weiter-)Entwicklung neuer Institutionen (Regelungen), die für das wirtschaftliche Handeln aller gelten sollen, ein ethisch erwünschtes (annehmbares oder unbedenkliches) Verhalten erreichen. In diesem Sinn hat die Wirtschaftsethik die Aufgabe, „Spielregeln“ aufzustellen (z. B. Gesetze, Verordnungen), in deren Rahmen sich die individuellen „Spielzüge“ der Unternehmen entfalten können. Die Spielregeln regeln das Verhalten der Akteure aber nicht in einem deterministischen Sinne, so dass nur bestimmte, von vornherein festgelegte Spielzüge daraus resultieren können, sondern sie geben lediglich den Rahmen der Handlungsbedingungen vor. Diese Handlungsbedingungen lassen für die Unternehmen stets Handlungsfreiräume offen, innerhalb derer diese sich kreativ unterschiedliche Spielzüge ausdenken können.

An dieser Stelle kommt die Unternehmensethik ins Spiel. Sie bezieht sich auf die produktive und soziale Dimension, die formellen und informellen Zusammenhänge sowie die Innen- und Außenbeziehungen des Unternehmens. Wirtschafts- und Unternehmensethik unterscheiden sich insofern nicht bezüglich ihres grundsätzlichen Vorgehens sondern lediglich hinsichtlich ihres Betrachtungsgegenstandes. Bei der Wirtschaftsethik steht die Gesamtheit der Wirtschaftsakteure im Zentrum der Analyse, bei der Unternehmensethik das einzelne Unternehmen (z. T. auch einzelne Unternehmer und Manager).


 

 

prof dr dirk ulrich gilbert
business ethic
unternehmensethik
unternehmerische verantwortung
erlangen

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