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Text Studie „Zur Lage im Nürnberger Handwerk“

Prof. Dr. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken, und Dr. Michael Fraas, Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, haben heute die Ergebnisse der Studie „Zur Lage des Nürnberger Handwerks“ vorgestellt, die das Institut für empirische Soziologie (ifes) an der Universität Erlangen-Nürnberg erstellt hat.

Als wichtigste gemeinsame Handlungsfelder identifizierten Prof. Dr. Forster und Dr. Fraas anhand der Studie die Bereitstellung geeigneter und bezahlbarer Gewerbeflächen für das Nürnberger Handwerk, die Fachkräftesicherung und Bürokratieabbau, verbunden mit schnellen, pragmatischem Verwaltungshandeln gerade für kleine Betriebe.

„Die Studie hat gezeigt, dass schon heute beinahe jeder vierte Handwerksbetrieb seinen Bedarf an Fachkräften nicht decken kann“, sagte Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Forster. „Um in Zukunft junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern, plant das Handwerk gemeinsam mit der Stadt Nürnberg, Schüler mit ihren Eltern und Lehrern in unsere Berufsbildungszentren einzuladen, um sie von einer Ausbildung im Handwerk zu überzeugen.“

Bei den Gewerbeflächen verweist Dr. Fraas auf das Gewerbeflächenentwicklungsprogramm der Stadt. Derzeit wird ein Expertengutachten erstellt, um alle verfügbaren Flächen dahingehend zu prüfen, ob sie als Gewerbeflächen ausgewiesen werden können. In diesem Zusammenhang kritisiert Dr. Fraas das Ansinnen einzelner Stadtratsfraktionen, das sogenannte Hafenindustriegebiet Süd, das als potentielle Gewerbefläche im Flächennutzungsplan dargestellt ist, zum Bannwald zu erklären: „Wir dürfen uns nicht vorzeitig einer potentiellen Gewerbefläche von 30 Hektar berauben. Ein voreiliger Verzicht auf das Hafenindustriegebiet Süd würde den Druck auf Gewerbeflächen an anderer Stelle im Stadtgebiet erhöhen, die wir für kleinere wie mittlere Betriebe und insbesondere das Handwerk dringend brauchen. Anstelle voreiliger, durch den Kommunalwahlkampf motivierter Entscheidungen müssen wir daher erst einmal das Gewerbeflächengutachten abwarten, das im Herbst vorliegt.“

Zur Fachkräftesituation sagt Wirtschaftsreferent Dr. Fraas: „Beim Thema Fachkräfte müssen wir neue Wege gehen. Hierzu gehört die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit dem Projekt ‚FiNKQ‘ von Wirtschaftsreferat und Handwerkskammer werden gerade für kleinere und mittlere Betriebe Kinderbetreuungsmaßnahmen und Qualifizierungsangebote auf den Weg gebracht.“ Die Umfrage ist ein Baustein der gemeinsam von Stadt, Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft im Herbst 2012 vereinbarten Strategie „Zukunft.Handwerk.Nürnberg“, um dem Handwerk auch in Zukunft optimale Rahmenbedingungen zu sichern. Die Umfrage hat den Zweck, die Bedarfe des Handwerks besser einzuschätzen und passgenaue Angebote für die Handwerksbetriebe zu machen.

Einen gemeinsamen Appell richteten Prof. Dr. Forster und Dr. Fraas an die Bundesregierung: „Wir werden gemeinsam nicht müde, daran zu erinnern, dass Nürnberg die beste Verkehrszentralität in Süddeutschland besitzt. An Nürnberg kommt man nicht vorbei. Aber: Diese Verkehrszentralität kann nur durch Erhalt und Ausbau gewahrt werden, deshalb sind Maßnahmen wie die Fertigstellung der Schnellbahntrasse nach Berlin oder der Ausbau der Autobahnen essentiell.“ Auch die innerstädtischen Verkehrsadern müssten leistungsfähiger werden, zum Beispiel durch den schnellen kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellwegs.

Weitere Details aus der Studie „Zur Lage des Nürnberger Handwerks“: Insgesamt beantworteten von allen 5 874 angeschriebenen Nürnberger Handwerksbetrieben 621 Betriebe den Fragebogen. Dies entspricht einem Rücklauf von 10,6 Prozent. Die wichtigsten Ergebnisse lauten:
91,7 Prozent der Betriebe, die an der Befragung teilgenommen haben, sind selbstständige Handwerksbetriebe ohne weitere Nebenbetriebe. Die größte Gewerbegruppe in der Befragung sind mit 28,3 Prozent die Elektro- und Metallhandwerke. Die kleinste Gewerbegruppe stellen die Betriebe der Holzhandwerke (3,3 Prozent).

Fast zwei Drittel der befragten Handwerksbetriebe (62,1 Prozent) haben ein bis vier Beschäftigte. Deutlich geringer ist der Anteil der übrigen Beschäftigtengrößenklassen. In den Jahren 2011 und 2012 konnten 27,9 Prozent der Befragten nicht die gewünschte Anzahl an Fachkräften einstellen. Ebenfalls 27,9 Prozent der Betriebe hatten Erfolg bei der Einstellung von Fachkräften, 38,5 Prozent hatten in diesen beiden Jahren keinen Einstellungsbedarf. Mehr als ein Drittel der Befragten (36,5 Prozent) melden aktuell Personalbedarf für ihren Handwerksbetrieb an. Darunter suchen zum Zeitpunkt der Befragung die meisten Betriebe Handwerksgesellen (63,2 Prozent) und Auszubildende (50 Prozent). Von den befragten Handwerksbetrieben mit aktuellem Personalbedarf werden die größten Probleme bei der Einstellung von Handwerksgesellen (75 Prozent), von Handwerksmeistern (68,3 Prozent) und von Auszubildenden (61,7 Prozent) erwartet. 41,6 Prozent der befragten Nürnberger Handwerksbetriebe sind Ausbildungsbetriebe, den höchsten Anteil an Ausbildungsbetrieben unter den Gewerbegruppen stellen die Nahrungsmittelhandwerke (64,5 Prozent). 41,1 Prozent der Ausbildungsbetriebe geben an, bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze im Jahr 2012 Probleme gehabt zu haben.

In den Jahren 2011 und 2012 suchten 11,7 Prozent der befragten Personen neue Gewerbeflächen für ihren Handwerksbetrieb, davon suchten 72,5 Prozent Gewerbeflächen nur innerhalb Nürnbergs und 27,5 Prozent auch oder ausschließlich außerhalb Nürnbergs. 17,3 Prozent der Handwerker geben an, dass sie voraussichtlich in den nächsten fünf Jahren Gewerbeflächen benötigen werden; darunter suchen 76,2 Prozent Flächen für eine Werkstatt oder die Produktion. Gewerbeflächen innerhalb eines Gewerbehofs speziell für Handwerker würden bei einer eventuellen Gewerbeflächensuche 17,3 Prozent der Handwerker in Erwägung ziehen, 44,4 Prozent lehnen dies ab und 38,3 Prozent können dies gegenwärtig nicht beurteilen.

Die häufigsten betrieblichen Veränderungen für das laufende Jahr 2013, die zum Befragungszeitpunkt in den Handwerksbetrieben diskutiert oder geplant wurden, sind die Vergrößerung des Personalstamms (43,5 Prozent ), die Modernisierung der Werkstatt beziehungsweise der Produktion (36 Prozent) und die Veränderung des Produkt- beziehungsweise des Leistungsangebots (27,3 Prozent). Ein Drittel der befragten Handwerksbetriebe (33,9 Prozent) gibt an, eine Spezialisierung im eigenen Handwerk zu verfolgen. Schutzrechte, wie zum Beispiel Gebrauchsmuster oder Patente, haben hingegen nur die wenigsten Betriebe. Kooperationen mit Handwerkern des gleichen Gewerks unterhalten 47,7 Prozent der befragten Handwerksbetriebe. Mit Handwerkern anderer Gewerke unterhält die Hälfte der Betriebe (49,8 Prozent) eine Geschäftsbeziehung.

(Redaktion)


 


 

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