22.04.2010  13:08 Uhr

Interview der Woche
"Unser Kernthema ist das Schaffen von Arbeitsplätzen" - Interview mit Tobias Limbrunner, Leiter des wabe Industrieservice Erlangen

Mittelfranken. Der Verein wabe e.V. hat es sich mit der Gründung im Jahr 1987 zur Aufgabe gemacht für Menschen mit psychischen Erkrankungen Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten in Erlangen zu schaffen. Mit der Elektronik- und Montageservice GmbH und dem wabe Industrieservice Erlangen bietet der Verein Maßnahmen für die Wiedereingliederung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in den Arbeitsmarkt an. Business on Mittelfranken sprach mit Tobias Limbrunner, Leiter wabe Industrieservice Erlangen, über die Grundlagen des Vereins, das Bild von Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Öffentlichkeit und seine Wünsche für die Zukunft.

mittelfranken.business-on.de: wabe e.V. wurde im Jahr 1987 gegründet. Was war der Anstoß?

Tobias Limbrunner: Es gab damals bundesweit eine Ausgrenzung von Menschen mit psychischen Erkrankungen aus dem Berufsleben und einfach zu wenig adäquate Unterstützung und Angebote. Daher haben sich Psychologen, Sozialpädagogen und Ärzte  zusammengetan und den Verein gegründet.

mittelfranken.business-on.de: Funktioniert Ihr Betrieb wie jeder andere? Welche Voraussetzungen müssen Ihre Mitarbeiter mitbringen?

Tobias Limbrunner: Wir haben zwei Arbeitsangebote. Zum Einen ist das die Elektronik- und Montageservice GmbH, als so genannte Integrationsfirma. Wir bieten unseren Mitarbeitern unbefristete Arbeitsverhältnisse zu vergleichbaren tariflichen Bedingungen wie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Zum anderen gibt es den wabe Industrieservice, als anerkannte Werkstatt für psychisch kranke Menschen. Dabei kümmern wir uns um berufliche Rehabilitation und den Wiedereinstieg der psychisch Erkrankten in die Arbeitswelt. Unsere Schwerpunkte liegen in der Leiterplattenbestückung, Kabelkonfektion, Gerätemontagen, Verpackung und Digitaldruck. Alle Bereiche sind seit 1999 nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert.  

mittelfranken.business-on.de: Mit welchen Problemen haben Sie, nach außen und intern, zu kämpfen?

Tobias Limbrunner: Interessanterweise spielt die psychische Erkrankung unserer Mitarbeiter für unsere Kunden überhaupt keine Rolle. Das ist wie bei jedem anderen Unternehmen wichtig, Qualität und Service zu bieten. Betrieblich haben wir aber natürlich immer wieder Ausfälle an Arbeitsplätzen – das kompensieren wir durch gute Koordination und Umschichtungen.

mittelfranken.business-on.de: Wie bewerten Sie das Bild, das von psychisch Erkrankten in der Öffentlichkeit herrscht?

Tobias Limbrunner: Da gibt es zwei verschiedene Bilder. Einerseits sind immer mehr Menschen selbst von psychischen Krisen betroffen oder kennen Menschen, die eine solche Krise haben oder schon hinter sich haben. Auf der anderen Seite wird zum Beispiel bei Gewaltdelikten sehr stigmatisierend mit Menschen mit psychischen Erkrankungen umgegangen. 

mittelfranken.business-on.de: Leisten Sie diesbezüglich auch Aufklärungsarbeit?

Tobias Limbrunner: Unser Kernthema ist das Schaffen von Arbeitsplätzen – wir machen aber natürlich öffentliche Veranstaltungen mit Kunst und Kultur oder Führungen durch unsere Produktionsbereiche. Das konzentriert sich aber mehr auf den Verein wabe, weniger auf psychische Erkrankungen im Allgemeinen.

mittelfranken.business-on.de: Erwirtschaftet Ihr Unternehmen Gewinn?

Tobias Limbrunner: Ja, aber alle Gewinne, die wir erwirtschaften, fließen wieder in den Verein oder die GmbH zurück  und dienen ausschließlich dem Unternehmenszweck wie zum Beispiel dem Schaffen neuer Arbeitsplätze oder der Investition in technische Ausstattung.

mittelfranken.business-on.de: Haben auch Sie die Auswirkungen der Wirtschaftskrise gespürt?

Tobias Limbrunner: Ja, wir mussten in zwei Teilbereichen Kurzarbeit anmelden, konnten das aber durch andere Bereiche ausgleichen. Im Industrieservice haben wir die Zeit für Qualifikationsmaßnahmen und Schulungen genutzt – so sind wir schon in den Monaten November und Dezember eigentlich gestärkt aus der Krise hervorgegangen und haben jetzt beinahe doppelt so viel zu tun wie zuvor.

mittelfranken.business-on.de: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Tobias Limbrunner: Ich wünsche mir vor allem, dass wir intern eine große Bandbreite an verschiedenen Arbeitsplätzen schaffen können und dass wir zukünftig externe Arbeitsplätze auch immer mehr an Kunden oder Fremdfirmen auslagern können. Wir wollen uns nicht alles ins eigene Haus holen, sondern verstärkt mit unseren Kompetenzen nach außen treten.

mittelfranken.business-on.de: Herr Limbrunner, ich bedanke mich für das Gespräch.


 

(Redaktion)

  • Tags:
  • Tobias Limbrunner
  • Wabe
  • Menschen
  • Erkrankungen
  • psychische Erkrankungen
  • Arbeitsplätze
  • Verein
  • Industrieservice
  • Bereiche
  • Krise
  • Mitarbeiter

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Tobias Limbrunner



 


Mehr zum Thema Interview der Woche:

 

Kommentar abgeben »


Kommentar abgeben:
Bei einer Antwort möchte ich per Email benachrichtigt werden an meine Emailadresse: (wird nicht veröffentlicht)
 
Nach obenNach oben
business-on.de Mittelfranken - Wirtschaft und Business der Region Mittelfranken / Nürnberg.
Infos zu Unternehmen, Gewerbeparks, Existenzgründung, Wirtschaft, Steuern, Recht, Messen, Seminare, Finanzen, Incentives, Restaurants, Business, 2009, Weihnachtsfeier uvm. aus der Region Mittelfranken

© 2012 Staudacher und Sauer GbR.  Alle Rechte vorbehalten.


CONTENT für Ihre Webseite RSS Feeds