Kommentar
Eine Taube und die Tücken der fahrerlosen U-Bahn
Mittelfranken. Nachdem die Nürnberger und Fürther Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs aufgrund der immer häufiger auftretenden Pannen bei den fahrerlosen U-Bahnen immer ungehaltener werden, soll sich nun also auch Siemens um das Problem kümmern. Doch auch Siemens wird in Zukunft nicht verhindern können, dass sich Tauben in die U-Bahn-Schächte verirren.
Denn nicht mehr als eine Taube war es, die am Montag den ersten Störfall am Nürnberger U-Bahnhof Wöhrder Wiese verursachte. Wie die VAG bekannt gab, löste das Tier exakt um 9.41 Uhr des Sicherungssystem am stadteinwärtigen Gleis aus. Das war so beabsichtigt – wenn sich etwas auf den Gleisen befindet, muss ein Zug anhalten. Streng genommen handelte es sich bei dieser Initialzündung der Pannenserie am Wochenanfang also nicht einmal um einen Störfall. Alles lief streng nach Protokoll.
Problematisch wurde die Situation erst, als darauffolgende Züge begannen, sich hinter der gestoppten U-Bahn zu stauen. Und obwohl die VAG nur die vermeintlich geringe Zeit von fünf Minuten brauchte, um das Problem vor Ort zu beheben, führte dies zu einer weiteren Kettenreaktion. Alle gebremsten Züge mussten von menschlichen Mitarbeitern besetzt werden. Das Chaos war perfekt, als ein Fahrgast an der Rothenburger Straße offenbar grundlos die Notbremse betätigte.
Natürlich wird so etwas auch in Zukunft nicht zu verhindern sein. Andererseits sind die Gründe für Verspätungen den Fahrgästen zu Recht auch herzlich egal. Sie wollen schnell zur Arbeit, nach der Arbeit in den wohlverdienten Feierabend und zwischendurch vielleicht noch möglichst zeitsparend etwas einkaufen. Wenn es für eine Nürnberger Stadttaube so einfach ist, diesen Alltagsvorhaben einen Strich durch die Rechnung zu machen, ist es wiederum an der VAG, genug Personal einzusetzen, um solche Störfälle in Zukunft noch schneller beheben zu können. Die durch den Einsatz der fahrerlosen U-Bahn erhofften Einsparungen am Personal dürften so natürlich zunächst Geschichte sein. Und obwohl die technische Errungenschaft eines die meiste Zeit gelingenden Mischbetriebs zwischen fahrerlosen und besetzten U-Bahn-Zügen im Nürnberg-Fürther Stadtbereich davon unangetastet bleibt, stellt sich nun abermals die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der automatischen U-Bahn-Linien…
(Redaktion)
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