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Umgangsformen

Von Türen, Treppen und kurzen Röcken

Regeln für Umgangsformen sind nicht neu, passen sich aber auch unseren gesellschaftlichen Veränderungen an. Lesen Sie heute Empfehlungen zum Türenöffnen und Treppensteigen, die das wertschätzende Miteinander in den Vordergrund stellen.

Jemandem die Tür vor der Nase zufallen zulassen ist grob unhöflich – ich glaube da sind wir uns alle einig. Aber ist das Türaufhalten überhaupt noch zeitgemäß? Ich meine unbedingt! Es ist ein Zeichen von Achtsamkeit, wenn ich dafür sorge, dass der Mensch, der mich begleitet, entspannt seinen Weg fortsetzen kann. Das gilt natürlich besonders im beruflichen Bereich und insbesondere, wenn wir mit Kunden unterwegs sind. Hier gilt: Die rangniedrigere Person (Mitarbeiter, Dienstleister, männlicher Kollege) hält die Tür auf.

Das bedeutet für die Damenwelt, Sie öffnen Ihrem Chef die Tür. Allerdings steht auch heute noch bei vielen Vorgesetzten die Gentleman-Regel im Vordergrund; die besagt: Ein Herr hält einer Dame die Tür auf. Und das dürfen wir dann auch genießen.

Im privaten Bereich ist es nach meiner Erfahrung nicht mehr selbstverständlich, dass die Herren tätig werden. Das liegt sicher zum einen an uns emanzipierten Frauen, die diese Arbeit auch selbst erledigen können und wollen, zum anderen aber leider auch an fehlender Aufmerksamkeit. Hier gilt also wieder einmal für beide Seiten: Fahren Sie die Antennen aus und erspüren Sie, welche Vorgehensweise angebracht ist. Jemand der zügigen Schrittes auf eine Tür zu eilt, wird sie auch eigenhändig öffnen wollen und wird eher irritiert als erfreut sein, wenn sie ihn oder sie im Spurt überholen und sich vorbei drängeln.

Tür aufhalten bedeutet im Normalfall die Tür zu öffnen und die Begleitung hindurch gehen zu lassen. Eine häufig gestellte Frage in diesem Zusammenhang betrifft eine schwere Tür die nach innen geöffnet wird. Übernehmen Sie die „Schiebearbeit“, gehen Sie hindurch halten die Tür auf und fädeln Sie sich dann wieder ein.

Es kommt auch in der heutigen Zeit (meistens) gut an, wenn „Er“ „Ihr“ die Autotür öffnet – trotz Zentralverriegelung und nicht nur bei neuen Autos oder Frauen.

Ein „Tür-Sonderfall“ ist das Restaurant. Hier stehen viele Herren vor dem Dilemma, die Tür öffnen zu wollen und gleichzeitig das Restaurant zuerst betreten zu müssen. Das geht nur mit Hilfe einer kundigen Begleitung. Der Herr öffnet die Tür, die Dame tritt ein und geht einen Schritt zur Seite, damit der Herr das Restaurant zuerst betritt und sie so vor den neugierigen Blicken der anderen Gäste schützen kann. Eine Regel, die übrigens nur im deutschsprachigen Raum gilt.

Nun fehlt uns noch die Treppe. Auch hier gibt es immer wieder Verwirrung und das hat tatsächlich mit kurzen Röcken zu tun. Viele Frauen sind der Ansicht, dass der Mann doch bitte vor Ihnen auf der Treppe nach oben gehen soll, damit er ihnen nicht unter den Rock oder auf den Po gucken kann. Diese Regel galt früher und nannte sich „Schicklichkeitsregel“. Allerdings ging es damals nicht um die Rocklänge. Ein Herr durfte weder Füße noch Fesseln einer Dame sehen.

Heute geht es mehr um die Sicherheit und das bedeutet für den Herrn (oder die rangniedrigere Person), etwa eine bis zwei Stufen hinter der/dem Ranghöheren zu gehen. Die Chancen auf „tiefere“ Einblicke sind also gering. Bei breiteren Treppen kann man aber durchaus leichtversetzt nebeneinander gehen. Treppab gilt das Ganze logischerweise umgekehrt: Erst der Herr, dann die Dame (Pufferfunktion!).

Wie für jede andere Situation gilt auch diesem Bereich: Achten Sie auf die Signale, die Ihre Begleitung sendet. Es geht in erster Linie um den „Wohlfühlfaktor“. Wer alle Regeln gnadenlos anwendet, ohne auf sein Gegenüber zu achten, sammelt sicher keine Pluspunkte.

Umgangsformenregeln sind heute Empfehlungen, die das wertschätzende Miteinander in den Vordergrund stellen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen unfallfreie Treppengänge und geräuschlose Türen.

Ihre Marlies Smits

(Marlies Smits)


 


 

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Business-Knigge

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