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Demographie-Dokumentation

Wenn die Bevölkerungspyramide Kopf steht...

Bisher spielt die Alterung der Bevölkerung und ihre Auswirkungen auf die Rente im Bundestagswahlkampf keine Rolle. Das Thema bleibt aber brandaktuell. Denn seit 2003 schrumpft die Anzahl der Deutschen jährlich um etwa 100.000 - während die Weltbevölkerung bis 2050 auf rund neun Milliarden Menschen ansteigt. Höhere Sterbe- als Geburten- und Zuwanderungszahlen sowie eine verlängerte Lebenserwartung dürften die Anzahl der Menschen mit 80 Jahren oder älter in den kommenden 40 Jahren in Deutschland um das Zweieinhalbfache steigern. Dann werden nahezu 15 Prozent der Bevölkerung älter als 80 sein.

Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen

Dadurch wird sich die deutsche Gesellschaft tiefgreifend ändern. Konsummuster wandeln sich. Die Politik muss zukunftsweisende Antworten dafür finden, wie Deutschland das Bildungssystem und die Altersvorsorge, die Arbeitswelt und den Gesundheitssektor gestalten soll. Nicht minder wichtig sind die Entwicklungen auf dem Kapitalmarkt. "Die Auswirkungen der gesellschaftlichen Alterung werden in den nächsten Jahrzehnten noch viel spürbarer werden als bisher. Und sie werden jeden persönlich treffen", sagt Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE.

So weisen auch anerkannte Experten explizit auf die Situation hin: "Unsere neuesten Berechnungen zeigen, dass sich der weltweite Alterungsprozess in den kommenden Jahrzehnten sogar noch beschleunigen wird. Hier sind von Politik und Wirtschaft langfristige Strategien gefordert, sonst werden wir von der Entwicklung unvorbereitet überrollt", erklärt Professor Wolfgang Lutz, einer der weltweit führenden Demografen und Leiter des World Population Program am International Institute for Applied System Analysis in Wien.

120 Jahre altes und bewährtes Rentensystem gerät an seine Grenzen

Deutschland war 1889 der Pionier bei der Einführung einer gesetzlichen Rentenversicherung. Das "Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung", vor 120 Jahren vom Reichstag beschlossen, war ein sozialstaatliches Muster für viele weitere Länder. Das Renteneintrittsalter war damals auf 70 Jahren festgesetzt, der Bevölkerungsaufbau war klar erkennbar eine stabile Pyramide, die Finanzierung erfolgte über einen Festbeitrag. Das alles funktionierte ausgesprochen gut, solange sich der Altersaufbau nicht änderte.

Heute hat sich seine Gestalt umgekehrt. Damit gerät die gesetzliche Rente an Finanzierungsgrenzen. Die Bürger müssen stärker eigenverantwortlich vorsorgen, um die Finanzierungslücken zu schließen. Modelle und Orientierung, was zu tun ist, finden wir inzwischen in anderen Ländern. So zum Beispiel das australische Rentensystem mit seiner kapitalgedeckten obligatorischen betrieblichen Säule oder zum Beispiel die positive Geburtenrate in Frankreich aufgrund der Vorbildlichkeit beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In Frankreich bringt statistisch gesehen jede Frau rund zwei Kinder zur Welt. In Deutschland hingegen sind es gerade einmal 1,4 Kinder.

Zwar sind erste Zeichen für einen Umschwung in Deutschland zu sehen. Doch der große Schub bei der privaten und betrieblichen Altersvorsorge steht noch aus. Andere Märkte sind Deutschland um Jahre voraus.

Auswirkungen auf Bildung, Kapitalmärkte und Konsum

Auch Bildung und Kapitalmärkte sind durch die gesellschaftliche Alterung beeinflusst. Betagte Menschen konsumieren anders, legen Geld nicht mehr so an wie in jungen Jahren. Auf diese neuen Nachfragemuster müssen Anbieter altersgerechte Antworten finden. Professor Markku Wilenius, in der Allianz zuständig für die wissenschaftliche Erforschung zukünftiger Szenarien, prognostiziert: "Produkte werden mit wachsender Tendenz darauf ausgerichtet sein, die Menschen jederzeit und überall in die Lage zu versetzen, das zu tun, wonach ihnen gerade der Sinn steht."

"Das wird Unternehmen in die Hand spielen, die diese Kundenwünsche tiefgreifend erfassen, sich danach ausrichten und so dazu beitragen, dass Kunden für sie eintreten", so Wilenius. In diesem Anpassungsprozess müssen sich die Unternehmen darauf einstellen, dass zukünftig Senioren sehr aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und es mitbestimmen werden.


 


 

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