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Westerwelle und das späte Rom

Eins kann man FDP-Chef Guido Westerwelle wahrlich nicht vorwerfen: Inkonsequenz. In der Debatte um seine umstrittenen und inzwischen berüchtigten Äußerungen zur „spätrömischen Dekadenz“ zu der der Staat angeblich Arbeitslose einlädt, bleibt er sich bislang treu. Um jeden Preis.

„Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. An einem solchen Denken kann Deutschland nur scheitern“, so die Worte des deutschen Außenministers, der in dieser Funktion bislang allerdings weitaus seltener hervorgetreten ist als als Chef-Agitator der von ihrem Wahlergebnis nach wie vor glücksgeschwängerten FDP. Nicht nur, dass dieser Vergleich historisch schlichtweg falsch ist, denn es war im späten römischen Reich die politische Klasse, die an ihrer eigenen Dekadenz scheiterte, nein – Westerwelle verkennt die grundsätzliche Lebensrealität eines Hartz IV-Empfängers. „Anstrengungsloser Wohlstand“ dürfte für die meisten Betroffenen jedenfalls das Letzte sein, das ihnen durch den Kopf geht, wenn sie bei der Tafel für jene Lebensmittel anstehen, die bei Lidl und Aldi nicht mehr verkauft werden konnten.

Doch Westerwelles rhetorischer Kanone ging auch nach dem Abschuss der „spätrömischen Dekadenz“ nicht die Munition aus, hatte er doch die Taschen noch voller spannender Wortkonstrukte wie „Steuersozialismus“ und „sozialistischer Diskussion“ (was auch immer das sein mag). Im gleichen Atemzug gelang es dem FDP-Vorsitzenden auch noch, sich zum Opfer hochzustilisieren, dem die anderen Parteien (die „Sozialisten“ vermutlich) verbieten wollen, zu sagen, dass wer in Deutschland arbeitet immer mehr Geld haben muss, als der, der nicht arbeitet. „Geistiger Sozialismus“ sei das. Noch so eine Wortneuschöpfung der Marke Westerwelle. Vermutlich wäre der Außenminister jetzt aber froh, wenn er wirklich nur das gesagt hätte. Hat er aber nicht.

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Westerwelle hat schlichtweg Spaß daran gefunden, verbal um sich zu schießen. Sein Vorteil: Als Vorsitzender einer Klientelpartei wie der FDP kann er sich darauf verlassen, dass seine Partei und auch ein gewisser stabiler Anteil seiner Wählerschaft immer zu ihm halten wird. (Dass die Wahlprognosen für die FDP dennoch drastisch zusammenschrumpfen, lässt sich dabei zunächst ignorieren – bis zu den nächsten Bundestagswahlen dauert es vermutlich noch eine Weile.) Vor der restlichen Bevölkerung hat Westerwelle jedoch eindringlich unter Beweis gestellt, dass er die Lebenssituation eines Arbeitslosen nur in der grauen Theorie kennt, womöglich hauptsächlich aus dem eigenen Parteiprogramm. Inzwischen sieht er sich deshalb sogar den Attacken des eigenen Koalitionspartners ausgesetzt. Egal – sind vermutlich Sozialisten.

(Markus Grundmann)

(Redaktion)


 


 

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1 Kommentar

von robby
17.02.10 20:00 Uhr
meinung

ich denke nun hat der westerwelle das maß wohl voll gemacht in der hoffnung da die kanzlerin entlich aufwacht und merkt das mit den gelben kein stich zu holen ist
und der westerwelle sollte sich ehe er so menschenverachtende komentare abläst lieber sich mal gedanken machen wie er sich und seine familie mit den bisschen geld über die runden bringt wie es ein ehrlicher ALGII empfänger tagtaglichen muss
solche angeblichen tollen aussenminister sollten das tun wozu sie gewählt worden sind und zwar in diesen fall als aussenminister "in der hoffnung das klappt besser" nur das wäre eine sinnvolle tat der jenigen die sich nun auf einmal dazu berufen fühlen wirreszeug über die Hartz IV angeleneheiten zu sappeln.

 

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