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"Wir wollen uns durch Innovationen von unseren Wettbewerbern differenzieren" - Interview mit Axel Marx

STAEDTLER ist der Inbegriff eines Traditionsunternehmens. Seit dem Jahr 1835 stellt das Unternehmen in Nürnberg Stifte her. Business On Mittelfranken sprach mit Geschäftsführer Axel Marx über aktuelle Innovationen der Schreibkultur, Kinder als Zielgruppe und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise.

Business On Mittelfranken: Herr Marx, mit welchen Stiften haben Sie als Kind gemalt?

Axel Marx: Auch mit STAEDTLER. Aber es gibt natürlich auch andere Marken, an die ich mich erinnere. Gerade auch aus der Region.

Business On Mittelfranken: Wann wurden die entscheidenden Weichen für den Erfolg des Unternehmens gestellt?

Axel Marx: Wahrscheinlich 1662, als Friedrich Staedtler, ein Vorfahre des Firmengründers als erster Bleiweißsteftmacher in den Büchern der Stadt Nürnberg erwähnt wurde (lacht). Die Frage ist schwierig zu beantworten. STAEDTLER war von Anfang an einer der Vorreiter bei Schreibgeräten. Die älteste Marke, die wir heute noch führen, “Mars“, wurde bereits im Jahr 1900 beim kaiserlichen Patentamt eingetragen. Zudem waren wir bereits früh stark exportorientiert. Wir bekennen uns zum Standort Deutschland, wo wir mehr als zwei Drittel unserer Produkte produzieren. Rund 85 Prozent unseres Geschäfts findet im Ausland statt. Ein  wichtiger Meilenstein für unsere gesamte Branche waren die 1960er Jahre. In dieser Zeit kamen Kunststoffprodukte und damit die Faserschreiberindustrie sehr stark auf.

Business On Mittelfranken: Was hat sich nach Ihrem Amtsantritt als Geschäftsführer im Jahr 2003 im Unternehmen verändert?

Axel Marx: Wir haben einen komplett neuen und emotionaleren Markenauftritt gestaltet. Gerade in den 70er und 80er Jahren hatten wir eine Phase, die sich sehr stark am technischen Zeichnen orientiert hat. In dieser Zeit haben wir möglicherweise andere Zielgruppen vernachlässigt. Heute wird STAEDTLER wieder mehr mit kreativen Produkten jeder Art assoziiert und Sechs- bis Zwölfjährige Kinder befinden sich als Zielgruppe viel stärker in unserem Fokus.

Business On Mittelfranken: Wie differenzieren Sie sich von den Wettbewerbern?

Axel Marx: Unser Bestreben ist es, uns über innovative Produkte mit direktem Anwendernutzen vom Wettbewerb abzuheben. STAEDTLER zeichnet sich seit jeher durch solche Innovationen aus. So geht zum Beispiel der erste urkundlich erwähnte Bleistift auf STAEDTLER zurück. Heute ist es neben der Dry Safe Tintentechnologie, die es erlaubt den Stift tagelang offenliegen zu lassen, ohne dass er eintrocknet, zum Beispiel der erste Farbstift mit A·B·S (Anti-Bruch-System), Hierbei handelt es sich um ein patentiertes Verfahren, dass die Farbmine bruchfester und stabiler macht. Durch den weißen Minenschutzmantel, der sich um die Mine schmiegt wie eine zweite Haut, muss der Stift weniger oft gespitzt werden und garantiert somit ungebremste Kreativität beim Malen.

Business On Mittelfranken: Eine Ihrer neuesten Innovationen ist WOPEX. Was hat es damit auf sich?

Axel Marx: Der WOPEX Bleistift ist der erste koextrudierte Holzstift der Welt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Holzstiften, wird der Stift dabei nicht aus zwei Holzbrettchen zusammengepresst und verleimt. Stattdessen wird Holzmehl mit einem Verbindungsstoff in eine Form eingespritzt. Wir verwenden dabei nur zertifiziertes deutsches Holz. Ganz im Sinne unserer Umweltphilosophie „efficient for ecology“, ist WOPEX ökologisch und effizient zugleich. Während bei herkömmlicher Produktion holzgefasster Stifte nur 20 Prozent des Holzes pro Baum verwendet werden können, sind es beim WOPEX Bleistift 80 Prozent. Damit sind das Produktionsverfahren und der innovative Holzfaserverbundwerkstoff der für den WOPEX Bleistift verwendet wird, umweltfreundlich und eine nachhaltige Nutzung des Rohstoffes Holz wird garantiert. Und der Verbraucher profitiert auch davon, denn mit WOPEX kann er doppelt so lange schreiben, wie mit herkömmlichen holzgefassten Stifen.

Business On Mittelfranken: Wie ermitteln Sie Trends in der Schreibkultur?

Axel Marx: Schwierige Frage. Wir haben eine Vertriebsorganisation, die im Grunde weltweit unterwegs ist. Auf Messen kann man dabei auch sehr viel aufsaugen. Außerdem haben wir eine große Forschungs- und Entwicklungsabteilung und natürlich haben unsere Mitarbeiter auch viele Kinder, die uns Anregungen vermitteln. Was wir nicht haben, ist so etwas wie ein Trendforscher. STAEDTLER ist keine Modemarke, das ist etwas, das nicht zu uns passt. Unsere Produkte gehen trotzdem mit der Zeit, weil sie umweltschonend sind und wir uns bei der Produktion modernster Technologien bedienen.

Business On Mittelfranken: Spüren Sie die Wirtschaftskrise?

Axel Marx: Selbstverständlich spüren auch wir die Wirtschaftskrise. Was unsere Branche von anderen unterscheidet ist, dass wir in den vergangenen Jahren nicht so große Wachstumseuphorien hatten, also schlägt das Pendel nun auch nicht so sehr in die andere Richtung aus. Zudem spüren wir die Wirtschaftskrise regional sehr unterschiedlich. In bestimmten Regionen wie Deutschland und den BeNeLux-Ländern ist sie beispielsweise überhaupt nicht zu spüren, in Spanien jedoch dafür umso mehr. In der Summe werden wir voraussichtlich bis zum Jahresende im hohen einstelligen Pozent-Bereich Umsatz verlieren – so dass wir positiv in die Zukunft blicken und keine drastischen Einbrüche, wie beispielsweise im Maschinenbau erwarten.

Business On Mittelfranken: Wie lauten Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

Axel Marx: Man wird vorsichtig, in der Krise Ziele zu nennen. Wir wollen weitere Marktanteile im Kinderbereich gewinnen, da sehen wir in der Produktkompetenz definitiv unsere Stärken.

Business On Mittelfranken: Wie sprechen Sie Ihre wichtigste Zielgruppe, Kinder, an?

Axel Marx: Mit unserer neuen Dachmarkenkampagne gehen wir emotionaler und - wo es erforderlich ist - auch kindgerechter an Zielgruppen heran. Unser ganzes Verpackungsdesign ist jetzt viel mehr auf Kinder zugeschnitten. Außerdem haben wir den Weltkindermaltag ins Leben gerufen, der jedes Jahr am 6. Mai stattfindet.

Business On Mittelfranken: Sie engagieren sich häufig bei lokalen Projekten. Welche Bedeutung hat für Sie der Standort Mittelfranken, bzw. die Metropolregion?

Axel Marx: In Nürnberg sind die Wurzeln unseres Unternehmens, sowohl die Unternehmenszentrale als auch unser größter Produktionsstandort befindet sich hier. Wir sind Stolz auf unsere jahrhundertelange Tradition und bekennen uns eindeutig zum Standort Deutschland. Vor zwei oder drei Jahren haben wir damit begonnen, unserem Heimatmarkt noch mehr Aufmerksamkeit zu widmen.  Bei einem Projekt wie WOPEX hat Deutschland zum Beispiel vor dem Weltmarkt Priorität. Mit der Größe unseres Unternehmens wächst aber auch die Verantwortung für heutige und zukünftige Generationen. Deswegen fördern und initiieren wir Projekte, die eine gerechtere und lebenswertere Zukunft versprechen. Nicht nur in Mittelfranken, sondern überall auf der Welt.

Business On Mittelfranken: Wie gut sind Sie im Penspinning?

Axel Marx: Katastrophe (lacht). Ich habe gerade erst gelernt, was das ist.


(Redaktion)


 


 

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