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Wirtschaftliche Entwicklung

Bayerischer Wirtschaft steht harter Winter bevor

Der Wirtschaft im Freistaat steht nach Einschätzung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ein "harter" Winter bevor.

Dies ist das Ergebnis des aktuellen vbw-Index der bayerischen Wirtschaft. Er erreicht im Herbst 2009 ein neues Rekordtief von nur noch 51 Punkten – gegenüber 60 Punkten im Frühling und 103 Punkten im Herbst 2008.

Der Vizepräsident der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., Bertram Brossardt, betonte: „Wir können keine konjunkturelle Entwarnung geben. Nach einem massiven Einbruch habe zwar inzwischen die Bodenbildung eingesetzt. "Der Prozess wird aber langsam und holprig verlaufen, Rückschläge können wir nicht ausschließen. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt ist der Tiefpunkt noch nicht erreicht.“

Grund für den erneuten Rückgang des vbw-Index ist im Wesentlichen die spürbar verschlechterte aktuelle Situation bei Wachstum und Beschäftigung. Der Lageindex Wachstum ist von 60 Punkten im Frühjahr auf nur noch 29 Punkte gefallen. Auch der Lageindex Beschäftigung hat sich halbiert, von 118 Punkten im Frühjahr auf 59 Punkte. „Die Krise ist inzwischen am bayerischen Arbeitsmarkt angekommen“, so Brossardt.

Der Prognoseindex Wachstum ist dagegen vom extrem niedrigen Niveau im Frühjahr (21 Punkte) auf 75 Punkte gestiegen. „Das ist ein ordentlicher Schritt, dennoch liegt der Wert damit weiterhin klar unter der 100-Punkte-Marke, die den langfristigen Durchschnitt markiert“, betonte Brossardt. Dies deute auf eine Bodenbildung hin. „Dass dennoch eine dynamische Erholung noch nicht in Sicht ist, liegt auch an den weiterhin nahezu konstant schlechten Aussichten bei der Beschäftigung.“ Der Prognoseindex Beschäftigung ist nahezu gleich geblieben und verharrt bei niedrigen 39 Punkten.

Ein Risiko für die zukünftige Entwicklung ist laut Brossardt, dass die Konjunkturprogramme im In- und Ausland nach und nach auslaufen. Es sei fraglich, ob die Konjunktur dann kräftig genug sei, dies zu kompensieren. Ein weiteres Risiko sei die angespannte Finanzierungssituation der Unternehmen. Brossardt betonte, kein Wirtschaftsbereich könne sich der Krise entziehen, auch wenn die Branchen zeitlich verzögert betroffen seien. Angefangen habe die Krise in der Industrie, sie breite sich derzeit nach und nach über die verschiedenen Dienstleistungsbereiche aus. „Und die konsumnahen Bereiche werden ebenfalls folgen“, so Brossardt.

Von der Politik forderte der vbw-Vizepräsident daher insbesondere Maßnahmen zur Finanzierungs- und Liquiditätssicherung der Unternehmen. So müssten noch bestehende Zugangshürden bei den staatlichen Kredit- und Bürgschaftsprogrammen beseitigt werden. Zudem müssten auch steuerliche Änderungen vorgenommen werden. Konkret forderte er eine mittelstandsgerechte Ausgestaltung des Einkommensteuertarifs, schnelle Korrekturen bei der Erbschaftsteuer und die Rücknahme der Krisen verschärfenden Elemente der Unternehmensteuerreform, wie beispielsweise die Zinsschranke und die gewerbesteuerliche Hinzurechnung. Ebenfalls wichtig für Wachstum und Beschäftigung sei eine dauerhafte Senkung der Lohnzusatzkosten deutlich unter 40 Prozent. Entscheidend sei zudem eine sichere, klimaverträgliche und bezahlbare Energieversorgung.

(vbw)


 


 

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