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Mandat zur Erneuerung

Stärkere Regulierung der Wirtschaftsprüfer

Die Wirtschaftsprüfer stehen in der Finanzkrise nicht an vorderster Stelle am Pranger. Skandale à la Enron sind der Zunft erspart geblieben. Doch mit Ruhm hat sich der Berufsstand auch nicht bekleckert.

Aus Sicht der Öffentlichkeit haben die Prüfer ihre Rolle als Frühwarnsystem für Risiken nicht ausgefüllt, obwohl kaum ein anderer Akteur im Finanzmarkt so tiefe Einblicke in Banken und Unternehmen hat. Das Testat für die Branche fällt vernichtend aus: Die weitgehend im Verborgenen ausgeübte Tätigkeit an sich mag fachlich hochwertig sein, doch wer hat etwas davon?

Dass dieses Fazit die Diskussion über Sinn und Zweck der Abschlussprüfung neu aufflammen lässt, ist zu begrüßen. Die im Grünbuch der EU-Kommission angestoßenen Ideen setzen an den richtigen Stellen an. Eine Chance für alle Beteiligten ist es, dass Brüssel grundsätzliche Fragen in den Raum stellt, indem die gesellschaftliche Funktion des Wirtschaftsprüfers, die Grenzen seiner Arbeit und die Erwartungen der Öffentlichkeit an ihn in die Debatte eingebracht werden. Das Mandat zur Erneuerung ist erteilt. Viele der jetzt auch in Brüssel wieder auf den Tisch gelegten Regulierungsgedanken sind altbekannt und verheißen wenig Fortschritt. Die Rotation der Prüfer, eine stärkere Trennung von Prüfung und Beratung, gemeinsame Mandate (Joint Audits) sind in einigen Ländern bewährte Praxis. Dass damit die Qualität des Testats erhöht würde, ist nicht zu erkennen.

Auch der Extremvorschlag, dass ein staatlicher Regulierer die Mandate verteilen und die Vergütung festlegen könnte, ist nicht zielführend und würde die Prüfer wieder in die Richtung der "Hakelmacher" treiben - ein Image, das der Berufsstand mit gutem Grund seit langem abzulegen versucht.

Mit Schönheitskorrekturen allein ist das Vertrauen in die Prüfer allerdings auch nicht zurückzugewinnen. Die Brüsseler Bedenken hinsichtlich der Marktmacht der vier Platzhirsche und der daraus erwachsenden systemischen Risiken sollten ernst genommen werden. Hier müssen Modelle diskutiert werden, wie mehr Wettbewerb geschaffen werden könnte.

Entscheidend für den Aspekt der Risikovorsorge wird jedoch sein, dass die Zusammenarbeit der Prüfer mit den Aufsichtsgremien der Unternehmen intensiviert und gestärkt wird. Denn nur an diesen Stellen kann das Ruder rechtzeitig herumgerissen werden.

(Sabine Wadewitz / Börsen Zeitung)


 


 

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