12.08.2009  08:30 Uhr

Kommentar
Zur echten Fahrradstadt ist es noch ein weiter Weg

Mittelfranken. Die Meldung liest sich gut: Nürnberg wird mit Bundesmitteln zur Fahrradstadt. Für 12,7 Millionen Euro wird ein städteweites Radl-Leihsystem aufgebaut, um den Anteil der Zweiräder am allgemeinen Verkehr zu steigern. Dabei wäre das Geld besser für den Ausbau von weiteren und vor allem sicheren Radwegen in der Frankenmetropole angelegt.

Dass jetzt der Bund Geldmittel für den Ausbau von 65 Leihstationen am Mittleren Ring freigibt, ist ein schöner Erfolg für die städtischen Projektplaner. Regelmäßige Radfahrer fragen sich jedoch, ob bei dieser Gelegenheit der Amtsschimmel nicht mal wieder zu laut gewiehert hat. Schließlich sind gebrauchte Räder mit einiger Cleverness schon für schmales Geld zu bekommen, obendrein werden sie von nicht wenigen Enthusiasten auch noch verkehrssicher gemacht und regelmäßig gewartet.

Die Stadt scheint hingegen auf die Variante Luxus zu setzen. Insgesamt sollen 750 Räder angeschafft werden, das ergibt umgerechnet knapp 16.000 Euro pro Rad. Damit ließe sich - gutes Training und etwas Talent vorausgesetzt - auch der Tourmalet bei der Tour der France bewältigen, aber Gott sei Dank werden von der horrenden Summe noch Bau-, Projekt- und Verwaltungskosten abfließen und der private Betreiber bezahlt.  

Die Stadt hofft nun, durch das neue Angebot Pendler zum Umstieg aufs Rad zu bewegen. Viele werden es womöglich bei einem einmaligen Versuch belassen und stattdessen ein beherztes "Nie wieder!" im Freundes- und Kollegenkreis verbreiten. Warum? Die Radwege in Nürnberg sind trotz vieler löblicher Anstrengungen noch immer nicht in dem Zustand, dass sie das Prädikat "Fahrradstadt" erlauben. Oft haben Radfahrer im Verkehr keine eigene Spur oder die Wege hören im Niemandsland auf, von der verwirrenden Beschilderung einmal ganz abgesehen.


 

(Redaktion)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Pixelio.de Siegfried Fries



 


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1 Kommentar »

08.06.11 18:09 Uhr
dida
unglaublich fahrradunfreundlich
Und auch jetzt ist es geradezu gefährlich mit dem Rad durch Nürnberg zu fahren. Nur an einzelnen stinkigen Hauptstraßen gibt es Fahrradwege.
Autofahrer in Nürnberg rechnen selten mit Radlern, da es wenige gibt. Das macht die Tour noch gefährlicher.

Ich bin verärgert! Kaum Fahrradwege, kaum Fahrradstellplätze - ständig muss man sich ein Schild o.ä. suchen um sein Rad vor dem häufigen Diebstahl zu schützen.

Und letztens an Wördher See sah ich einen Zivilpolizisten mit einem Blitzer in der Fahrradtasche! Worum gehts hier eigentlich??? Das macht doch das radfahren nicht attraktiver?!?!

Diese Aktion mit den Rädern ist Geld-macherei. Das hat doch nichts damit zu tun, dass man eine Stadt fahrradfreundlicher macht. Fast jeder hat sein eigenes Rad...nur die Sicherheit vor Unfällen und Diebstählen fehlt!

Bitter bitter...vor allem in Zeiten wie heute, wo wir alle nicht mehr soviel für Sprit zahlen können und wollen und jeder Bürgermeister nach mehr Feinstaubbeseitigung schreit!
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