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  • 24.11.2016, 09:05 Uhr
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Modewelt

Roboter und Puppen: Das Mannequin der Zukunft steht still

Dünn, dick, groß, klein – Akzeptanz und die Offenheit für Andersartigkeit wurde in der Modewelt in den letzten Jahren großgeschrieben. Außergewöhnliche Models wie der Albino Shaun Ross oder die an der Hautkrankheit Vitiligo leidende Winnie Harlow, die alles andere als der Norm entsprechen, sind heiß begehrt und auf großem Erfolgskurs. Jetzt wagten auf den diesjährigen Pariser Modenschauen einige Designer einen neuen, innovativen Blick in die Zukunft, die dennoch weiterhin weit entfernt scheint: die Inszenierung von Models als nichtlebende Objekte. Wohin führt die Mode der Zukunft für Designer, Konsumenten und Mannequins?


Bildrechte: Flickr Mannequin and reflections x1klima CC BY-ND 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Chanel ist eine Modemarke, die für Klassik und Eleganz steht. Im Zuge der Pariser Modewochen im Oktober 2016 offenbarte das wohl bekannteste aller Modehäuser den Zuschauern nun einen kleinen Vorgeschmack auf das, was die Zukunft der Mode sein könnte. Zwei Models eröffneten die Ready-to-wear-Kollektion in Roboterkostümen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte Moschino. Hier liefen die Mannequins in surrealer Kleidung über den Laufsteg, die erst auf den zweiten Blick erkennen ließ, dass es sich lediglich um 2D-Aufdrucke handelte. Die weißen Laschen an Hüften, Armen und Beinen waren zudem eine Anspielung auf die seit dem 18. Jahrhundert bekannten Papier-Anziehpuppen. In Zeiten, in denen mehr Kleidung online als offline eingekauft wird, in denen mittlerweile fast jede Art und Form von Schönheit Akzeptanz findet, ist die Modeindustrie auf der Suche nach einer neuen Form der Präsentation.

Mode aus dem Drucker

Bereits Anfang des Jahres zeigte der Berliner Designer Michael Michalsky seine Modekollektion nicht an Models, sondern an Mini-Puppen. Schließlich ging er noch einen Schritt weiter und wagte in einem Interview mit der Bild-Zeitung zu behaupten, dass Mode in Zukunft aus dem Drucker kommen werde. Die entsprechenden Entwürfe, die in einem aufwendigen Verfahren mit dem 3D-Drucker angefertigt wurden, stellte Michalsky nur einige Monate später in einer Galerie vor. Der Preis eines Anzugs: knapp 4000 Euro.

Als Reaktion auf die in den letzten Jahren aufkommende Vielfalt und Toleranz in Sachen Mode musste auch die klassische Schaufensterpuppe mit Wespentaille und XXL-Beinen Platz für reale Formen machen. Innovativ ist zum hier zum Beispiel das erste 3D-Mannequin einer realen Kundin der Marke Long Tall Sally. Die Marke für große Größen hat sich im Zuge der Kampagne #MadeTall ausgemalt, wie die Schaufensterpuppe der Zukunft aussehen wird. Mittels eines 3D-Körperscans wurde die 1,83 Meter große Harriet Winters von oben bis unten abgescannt und schließlich ein getreues Modell von ihr entworfen.

Das unheimliche Tal

Roboter oder – wie bei Michalsky – Models aus dem Drucker, erscheinen zwar innovativ, können jedoch auch schnell in ein unheimliches Tal abdriften. Masahiro Mori verwendete den Begriff in den 1970er Jahren, als er untersuchte, wie Menschen auf Roboter reagieren. Er kam zu dem Schluss, dass die Vertrautheit des Menschen mit Robotern steigt, je menschenähnlicher diese sind – dies jedoch nur bis zu einem gewissen Grad. Ist ein Roboter oder eine Puppe tatsächlich zu menschenähnlich, sinkt die Vertrautheit rapide in ein "unheimliches Tal" ab. Die Modewelt zeigt sich zwar offen gegenüber Neuartigem; dass Roboter Models ersetzen werden, liegt jedoch weit in der Zukunft. Besonders für Designer ist dies jedoch ein Anreiz, innovativ zu denken und sich auf Neues auf dem Markt einzulassen.

(Redaktion)


 


 

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