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Hochwasser-Vorhersagen

50 Meter-Turm für genauere Hochwasser-Vorhersagen entsteht bei Memmingen

Niederschlagsradar reicht bis weit ins Allgäu hinein! Mitten im Wald von Niederrieden in der Nähe von Memmingen wächst ein 50 Meter hoher Turm in die Höhe. Es handelt sich dabei um einen Radarturm, der helfen soll, künftig in ganz Bayern einen besseren Hochwasserschutz zu gewährleisten.

Viele Autofahrer zwischen Niederrieden und Holzgünz im Unterallgäu fragen sich, was da für ein riesiges Projekt entsteht. Das Bauwerk ähnelt nach den Worten einer Frau, die interessiert nach oben blickt, dem Münchner Olympiaturm mit halb durchgesägter Plattform.

Die Nachfrage beim Wasserwirtschaftsamt (WWA) Kempten ergibt: Hier wird ein millionenteures Niederschlagsradar gebaut. Bauherr ist der Deutsche Wetterdienst. Wasserwirtschaftsamts-Leiter Karl Schindele sagt: "Mit Hilfe dieses Turmes und der später dort installierten Radar-Technik wird es möglich, dass wir ganz weit hineinschauen können ins Allgäu, bislang können wir radartechnisch gesehen noch nicht bis ins Oberallgäu sehen."

Dabei haben die schlimmen Hochwasser der letzten Jahre gezeigt, wie eine ganze Region in Wassermassen versinken kann. Die Iller zum Beispiel war bei Sonthofen und Immenstadt zu einem reißenden Gebirgsfluss angeschwollen, dann großflächig über die Ufer getreten und hatte zahlreiche Häuser überschwemmt. Zwar wurden nach dem Pfingsthochwasser 1999 nach und nach rund 170 automatische Messpunkte an Iller und Lech eingerichtet, doch diese Niederschlagsmesseinrichtungen reichen nicht aus. Künftig soll eine noch bessere Vorausschau möglich sein.

Helfen soll dabei der bei Memmingen neu entstehende Niederschlags-Radar-Turm, erklärt der Chef des Wasserwirtschaftsamtes. "Über 100 Kilometer weit werden Radarstrahlen geschickt", sagt er. Im günstigsten Fall ist die Reichweite sogar 125 Kilometer. Schindele erklärt, wie es funktioniert: "Vereinfacht ausgedrückt läuft die Messung so ab:
Treffen die Radarstrahlen aus Niederrieden beispielsweise an der Iller bei Sonthofen auf Regentropfen in der Luft, senden sie ein Signal zurück. Damit ist eine Niederschlagsberechnung möglich".

Beim Deutschen Wetterdienst wird der Vorgang so beschrieben: "Jedes Wetterradargerät sendet elektromagnetische Impulse aus, die an den flüssigen und festen Niederschlagsteilchen in der Atmosphäre gestreut werden. Ein Bruchteil des gestreuten Radarimpulses wird auf die Radarantenne zurückreflektiert, woraus auf Richtung, Entfernung und Beschaffenheit der Niederschlagsteilchen geschlossen werden kann."

Diese Messergebnisse werden mit den Wasserständen in den Flüssen,
die das Wasserwirtschaftsamt liefert, und mit den Boden-Niederschlags-messungen des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen. So werden laut Schindele weit bessere Hochwasservorhersagen möglich. Zudem kann abgeglichen werden, was an Niederschlag kommt und was in den Flüssen abfließen kann. Es werden dann sogenannte mathematische Niederschlags-Abflussmodelle erstellt. "Aus diesen Daten können wir dann errechnen, wie hoch die Flusspegel noch ansteigen werden". Dann ist auch eine noch schnellere Warnung an die Feuerwehren und ans Technische Hilfswerk möglich.

Die Gesamtkosten des Messturmes belaufen sich auf rund 2,5 Millionen Euro. Davon entfallen rund 1,5 Millionen auf den Turmbau selbst, eine weitere Million kostet die Radartechnik. Fertig werden soll die Messstation im August 2010.

In ganz Deutschland gibt es 17 solcher Radar-Türme, davon zwei in
Bayern. Der neue Turm bei Memmingen soll im Laufe der nächsten Jahre ganz Südbayern abdecken. Die beiden bislang betriebenen Messtürme stehen in Fürholzen bei München und in Eisberg bei Weiden in der Oberpfalz. Laut Schindele soll zumindest der bisherige Standort Fürholzen auf längere Zeit gesehen durch den neuen Radarturm im Wald von Niederrieden ersetzt werden. Die Radarstrahlen aus der Nähe von Memmingen schwirren dann fast durch ganz Bayern - bis sie auf Regentropfen treffen.

(Redaktion)


 


 

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