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Alternative digitale Währung

Wirtschaftsforscher sieht in Bitcoins großes Potential

Erst kürzlich wurde in den Medien erneut von der alternativen Währung Bitcoins berichtet, als bei einem virtuellen Bankraub 200.000 Euro gestohlen wurden. Aber nicht nur Negativ-Schlagzeilen sind zu vermelden. Wirtschaftsforscher Peter Šurda sieht in der digitalen Währung großes Potential. Sie biete zudem eine Möglichkeit, sich bereits jetzt mit der eventuellen Währungsform der Zukunft vertraut zu machen.

„Bitcoin existiert nicht mal vier Jahre, sorgt aber bereits für jede Menge Schlagzeilen. Da Bitcoins aus vielerlei Hinsicht eine Neuigkeit sind, ist es nicht nur für Laien, sondern auch für viele Ökonomen schwierig, die Vorkommnisse zu beurteilen und zu verstehen. Einen Grund für Panik sehe ich bis jetzt jedoch nicht.

Es stimmt zwar, wie Dr. Himmelreich und davor Hr. Dellingshausen im eingangs erwähnten Artikel behaupten, dass Zentralbanken eine privilegierte Position zwecks Steuerung der Geldmenge haben. Dies aber auf Bitcoin zu richten ist irreführend. Bitcoin kann die Geldmenge von Euro nicht steuern, es ist eine separate Währung.

Aus dieser Hinsicht ist es also ähnlich wie der amerikanische Dollar, britische Pfund oder Schweizer Franken anzusehen. Im vergangenen Jahr hat die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bitcoin tatsächlich als Zahlungsmittel klassifiziert. Ein Verbot der Nutzung fremder Währungen und alternativer Zahlungsmittel gibt es in den meisten Ländern nicht, das scheint ein Spezifikum von geschlossenen Wirtschaften zu sein (z.B. in kommunistischen Länder).

Die überwiegende Mehrheit der Geldmenge wird im zudem nicht von der Zentralbank, sondern von kommerziellen Banken produziert (wenn ich richtig rechne, liegt im Euroraum der Anteil von der Geldbasis im M2 nur etwa bei 20%), wenn auch die Zentralbank auf diese breitere Geldmenge Wirkung ausübt.

Über die Steuerung von Geld

Hinzu kommt, dass, wie Ludwig von Mises vor hundert Jahren bereits erkannt hat, die Steuerung der Geldbasis überhaupt nur bei Fiat- oder Kreditgeld möglich ist. Bei Sachgeld wird diese durch die Interaktion zwischen Angebot und Nachfrage bestimmt.

Ökonomen haben sich bereits vor dem Auftauchen von Bitcoin über die Effekte von einer solchen digitalen Währung beschäftigt.

Aus makroökonomischer Sicht, argumentiert Michael Woodford im "Monetary Policy in a World Without Money", stellen neu auftauchende Währungen und Geldformen grundsätzlich kein Problem für die Ausübung der Geldpolitik dar. Selbst wenn, laut Woodford, die Steuerung der Mindestreserven und des Zinssatzes nicht mehr zur Verfügung stünden (obwohl es selbstverständlich keinen Grund gibt, wieso Bitcoin diese zwei Instrumente beeinflussen sollte), kann die Zentralbank weiterhin die Offenmarktpolitik betreiben.

Dadurch kann z.B. die EZB weiterhin die Euro-Geldmenge und den Wechselkurs zwischen Bitcoin und Euro beeinflussen.

Aus mikroökonomischer Sicht, argumentieren z.B. Dr. Malte Krüger und Dr. Hugo Godschalk in "Herausforderung des bestehenden Geldsystems im Zuge seiner Digitalisierung – Chancen für Innovationen?", "Der technologische Fortschritt und Erneuerungen im Zahlungsverkehr führen zu einer erheblichen Senkung der Transaktions- und Informationskosten". Ähnlich sieht es Dr. Tatsuo Tanaka in "Possible economic consequences of digital cash".

Digitales Geld wie Bitcoin hat also das Potential, der gesamten Gesellschaft einen erheblichen Nutzen beizubringen, da es neue Geschäftsmöglichkeiten öffnen und bestehende profitabler machen kann.

Wenn man die zwei letzten Bitcoin-Konferenzen (November 2011 in Prag und September 2012 in London) vergleicht, zeigt das Bitcoin-Ökosystem ein steigendes Maß an Spezialisierung. Die effektive und sichere Nutzung erfordert aber derzeit immer noch umfangreiche Kenntnisse, daher benötigt Bitcoin Zeit, um zu reifen, bis es für den Massenmarkt geeignet ist, bis Schnittstellen zu bestehenden Systemen gebaut werden und bis die Rechtslage ausreichend geklärt ist.

Bitcoins unterliegen großen Kursschwankungen

Bitcoin ist derzeit noch ein Nischenprodukt. Die im Vergleich zu anderen Währungen niedrige Liquidität verursacht große Schwankungen im Preis, größere Mengen an Bitcoins zu halten ist daher sehr riskant. Ebenfalls macht Bitcoin nicht automatisch gegen Betrug, Diebstahl oder Computerangriffe immun. Einige Bitcoinnutzer und auch Dienstleistungsanbieter sind bereits Opfer geworden, daher ist bei der Benutzung zur Vorsicht zu raten.

Andererseits sind solche Fälle nichts Bitcoin-Spezifisches, sie passieren mit anderen Währungen ebenfalls.

Interessenten können sich aber die verfügbaren Programme installieren und ausprobieren, auf ihren Computern oder am Smartphone. Um Bitcoin-Zahlungen zu akzeptieren, kann man einen Zahlungsdienstleister wie BitPay nutzen. BitPay nimmt das Wechselkursrisiko und Rechtsrisiko auf sich, da es Euro auszahlen kann.

Der Händler selbst muss also überhaupt keine Bitcoins nehmen, um Zahlungen zu akzeptieren. Ähnlich wie er Zahlungen von einer britischen Kreditkarte annehmen kann, ohne den Pfund selbst zu nehmen.

Man kann auch Bitcoins in Münzform kaufen (wie z.B. Casascius Physical Bitcoins), diese braucht man nicht gegen Computerangriffe zu schützen (das Wechselkursrisiko bleibt natürlich bestehen).

Durch die Benutzung von Bitcoin kann man derzeit zwar nicht das volle Potential nutzen und es muss auch nicht unbedingt profitabel sein, man kann sich so aber mit digitalem Geld vertraut machen, und sich auf dessen eventuelle zukünftige Verbreitung vorbereiten. Bis zur Massenverbreitung sollte man es als ein Experiment betrachten.“

Autor: Peter Šurda ([email protected]), Bitcoinwirtschaftsforscher

(FN)


 


 

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