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Wer beim Schneeball-Unfall haften muss

Der Schnee fällt, der Schneeball fliegt, der Schlitten fährt: Was aber ist, wenn dabei jemand verletzt wird? ARAG-Experten erklären, wann aus dem Spaß Ernst wird.

  • Unfall bei Schneeballschlacht - Vorsatz oder Fahrlässigkeit?

Wer bei einer Schneeballschlacht den "Gegner" verletzt, muss für den Schaden aufkommen, wenn ihm Vorsatz oder Fahrlässigkeit zur Last gelegt werden kann. Von vorsätzlichem Handeln ist auszugehen, wenn der "Täter" sein "Opfer" verletzen will, er also z.B. mit einem gefrorenen Schneeball bewusst auf die Augen des anderen zielt.

Fahrlässigkeit ist nach dem Zivilrecht dagegen das "Außerachtlassen der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt" (siehe § 276 II Bürgerliches Gesetzbuch - BGB). Von Fahrlässigkeit dürfte bei einer Schnee- ballschlacht also auszugehen sein, wenn dem "Täter" bewusst ist, dass sein gefrorener Schneeball verletzen kann, er aber dennoch wirft und das Risiko einer Verletzung in Kauf nimmt.

  • Wann muss ein Kind haften - und wann die Eltern?

War ein Kind der "Übeltäter", kommt es für die Frage der Haftung auf dessen Alter an: Kinder unter sieben Jahren können grundsätzlich nicht haftbar gemacht werden. Unter Umständen müssen dann aber die Eltern für den Schaden einstehen. Die haben nach dem Gesetz nämlich eine Aufsichts- pflicht gegenüber ihren minderjährigen Sprösslingen. Haben sie diese Pflicht nachweislich verletzt, müssen sie dem Verletzten seinen Schaden ersetzen. Ob das der Fall ist, hängt immer von der konkreten Situation, vom Alter des Kindes und von dessen Charakter ab - und wird von den Gerichten auch dementsprechend unterschiedlich bewertet.

So genügt es z.B. laut einem Grundsatzurteil des BGH, ein 5 1/2 jähriges, normal entwickeltes Kind in regelmäßigen Abständen von höchsten 30 Minuten zu kontrollieren (VI ZR 51/08). Auf jeden Fall werden Eltern aber nicht umhin kommen, ihr Kind eindringlich auf die Gefahren einer winterlichen Schneeballschlacht hinzuweisen. Ab dem siebten Lebensjahr sind Kinder nach dem Gesetz grundsätzlich deliktfähig, wenn sie die notwendige Einsichtsfähigkeit haben. Sie haften dann selbst für von ihnen verursachte Schäden.

  • Schneeballschlacht in der Schule

Eine Besonderheit gilt für Schneeballschlachten auf dem Schulhof: Hier kommt die gesetzliche Unfallversicherung für Verletzungen auf, die im Eifer des Gefechts entstehen. Sie gelten solange als "schulbezogen", als der Verursacher sie nicht vorsätzlich herbeigeführt hat. Sogar die Schnee- ballschlacht an der Bushaltestelle außerhalb des Schulgeländes fällt noch unter den Schutz der Unfallversicherung, wie der BGH in einem Urteil entschied.

  • Dürfen Kinder unbeaufsichtigt Schlittenfahren?

Was für die Schneeballschlacht gilt, ist auch zu beachten, wenn der Nach- wuchs auf den Schlitten oder die Skier steigt: Je älter, erfahrener und ein- sichtsfähiger die Kinder sind, desto eher können sich auch mal alleine auf den Skihang oder die Rodelpiste gelassen werden. Ein zwölfjähriges Kind darf also durchaus unbeaufsichtigt Skifahren, wenn es darin Übung hat, so das Landgericht Ravensburg in einem Urteil (2 O 392/06).

In einem konkreten Fall führte das dazu, dass das Kind selbst für die Verletzungen einer anderen Skifahrerin haften musste, weil es sich nicht an die FIS-Regeln gehalten hatte. Kleinkinder sollten dagegen auf dem Schlitten oder den ersten Skier dauerhaft beaufsichtigt werden, damit es nicht zu folgenschweren Unfällen kommt.

(Redaktion)


 


 

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