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Arbeitslosikeit ein Fremdwort

Warum hat der Landkreis Eichstätt die niedrigste Arbeitslosenquote Deutschlands?

Andreas Steppberger hat gut Lachen. Seit 1. Mai ist der 35-Jährige Oberbürgermeister der Stadt Eichstätt in Oberbayern und kann sich in dieser Funktion mit Aufgaben befassen, um die ihn so manch anderes Stadtoberhaupt beneiden dürfte: "Ich will die Einkaufsmöglichkeiten verbessern und ein großes Hotel bauen".

Beides soll nicht etwa dazu dienen, neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern die Lebensqualität in der schmucken Kleinstadt im Altmühltal noch weiter zu verbessern. Denn in Eichstätt herrscht fast Vollbeschäftigung. Seit Jahren weist der Landkreis inklusive der Stadt die niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Deutschland auf. Im August betrug sie 1,3 Prozent.

"Wir haben nur Problemchen, keine Probleme", stellt Rechtsanwalt Steppberger zufrieden fest und gibt zu, "sehr, sehr glücklich" damit zu sein. Das Geheimnis der niedrigen Arbeitslosigkeit sei schnell erklärt, sagt er: "Wir sind eine Kirchen-, Behörden- und Schulstadt".

Will heißen: Mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, einem Krankenhaus, diversen Einrichtungen der Diözese, Zweigstellen des Finanzamtes München, verschiedenen Schulformen bis hin zum humanistischen Gymnasium, Bauämtern und einer Fachakademie für Sozialpädagogik sowie einer Altenpflegeschule gibt es nicht nur eine Menge sicherer Arbeitsplätze, sondern wird auch gleich noch für den Nachwuchs gesorgt.

"Wer hier ausgebildet wird oder studiert hat, will auch häufig hier bleiben", erzählt Steppberger, den es als gebürtigen Münchner selbst erst vor einem Jahr von Regensburg in den Landkreis gezogen hat. "Mich hat das italienische Flair der Stadt gereizt", schwärmt er. Die Lebensqualität in Eichstätt sei sehr hoch.

Viele Betriebe in der Region

Zur landschaftlich schönen Lage der Stadt mit ihren etwa 14.000 Einwohnern kommen noch die gute Versorgung mit Krippen- und Kindergartenplätzen und die dichte Besiedlung mit attraktiven Arbeitgebern im Umkreis: So hat der Autobauer Audi seinen Firmensitz im nicht mal 30 Kilometer entfernten Ingolstadt, und der Lampenhersteller Osram unterhält seit 50 Jahren ein Werk in Eichstätt, das zum Kompetenzzentrum für Halogenlampen geworden ist und rund 700 Menschen einen Arbeitsplatz bietet.

Weitere Jobs gibt es durch viele kleine und mittelständische Betriebe: 6.909 Unternehmen sich laut Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern im Landkreis angemeldet.

"Wir können eigentlich in jede Himmelsrichtung schauen, überall gibt es Arbeitsplätze", sagt der stellvertretende Teamleiter der Arbeitsagentur für Stadt und Landkreis Eichstätt, Rudolf Petersen. Wer in Eichstätt, das geografisch fast in der Mitte Bayerns liegt, keinen geeigneten Job finde, könne über die nahe Autobahn A9 oder mit der Bahn problemlos pendeln: München und Nürnberg sind jeweils nur gut 100 Kilometer entfernt.
Ausbildungsinitiative gegen drohenden Fachkräftemangel

Eines der Unternehmen, dass von der guten Anbindung profitiert ist auch die Kessel AG in Lenting. Der inhabergeführte, auf Entwässerungssysteme spezialisierte Betrieb feiert im kommenden Jahr beschäftigt rund 400 Mitarbeiter - vom Hilfsarbeiter in der Montage bis hin zum IT-Fachmann.

"Etwa 20 Prozent unserer Belegschaft kommen aus dem Landkreis Eichstätt, der überwiegende Rest aus einem Umkreis von bis zu 50 Kilometern", erzählt Vorstand Alexander Kessel. Einzelne Mitarbeiter pendelten aber auch aus München, Nürnberg oder dem Kreis Ansbach.

Schwierigkeiten damit, geeignetes Personal zu finden, hat die Kessel AG noch nicht - auch, weil sie seit Jahren konsequent ausbildet. In den Ingenieursberufen werde es allerdings schwieriger, Mitarbeiter zu finden, räumt Kessel ein. Hier zeige sich die Kehrseite der niedrigen Arbeitslosigkeit.

"Initiativkreis Veranwortungspartner für die Region"

Deshalb hat die Kessel AG mit zehn anderen Mittelständlern den "Initiativkreis Verantwortungspartner für die Region" gegründet, der im September seine Arbeit aufnehmen soll. Er sieht unter anderem vor, dass Schulabbrecher in Sommercamps ihren Schulabschluss nachholen und eine Ausbildung beginnen können.

"Unternehmen müssen etwas unternehmen, sie müssen Verantwortung zeigen", erläutert Kessel. Aber nicht nur, um wohltätig zu sein, sondern auch, um eigenen Nutzen daraus zu ziehen. "Denn wir müssen dem drohenden Fachkräftemangel ins Auge blicken", betont er.

(dapd-bay)


 


 

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