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Ausstieg der EZB

DIW: „Anfang vom Ende des billigen Geldes kommt zur richtigen Zeit“

Das DIW Berlin hat die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank begrüßt. „Es ist richtig, den Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes jetzt zu beginnen“, sagte DIW-Forschungsdirektor Ansgar Belke.

Nach Einschätzung von DIW-Währungsexperte Belke stellt der von der EZB begonnene Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik einen einmaligen Drahtseilakt dar. „Von Leitzinserhöhungen ist zwar noch nicht die Rede, aber die EZB hat wirkungsvoll damit begonnen, die Zeiten billiger und unbegrenzter Liquidität zu beenden“, sagte Belke, der auch das Europäische Parlament in Währungsfragen berät.

Europa soll billiges Geld notfalls im Alleingang vom Markt nehmen

Belke rief die Europäische Zentralbank dazu auf, den Rückzug aus der Überschussliquidität notfalls auch im Alleingang anzugehen – und zwar auch ohne Unterstützung der amerikanischen oder chinesischen Notenbank. Zwar besteht dabei die Gefahr, dass Investoren in den USA Geld zum Nullzins aufzunehmen und in Euroland zu einem höheren Zins wieder anlegen (Carry trade-Geschäfte). Die zunächst aufgesaugte Liquidität würde so auf Umwegen wieder zurückkehren, solange die Fed nicht denselben Kurs verfolgt.

Dies ist in der Theorie auch das zentrale Motiv für eine weltweite Koordinierung des monetären Ausstiegs. In der Praxis ist aber bis jetzt nicht erkennbar, dass die USA von ihrer überaus expansiven Geldpolitik abrücken wollen – sie vertrauen im Tandem mit China auf die Vorteile des Dollars als Weltreservewährung. Zunehmende Zweifel der Anleger am Dollar lassen aber aus Sicht der EZB eine stabilitätsorientierte Strategie optimal erscheinen. Denn möglicherweise folgt die Fed dieses Mal anders als sonst der EZB, ganz einfach, um den Status des Dollars als Weltreservewährung nicht zu gefährden.

Die USA und China haben allerdings signalisiert, dass sie an einer koordinierten Exitstrategie bislang kein Interesse haben. „Deshalb sollte die EZB eben allein weiter vorangehen – vielleicht mit einigen Zentralbanken aus Fernost“, sagte Belke. „Die resultierenden Carry Trades in Verbindung mit Kapitalverkehrskontrollen wären eindeutig das kleinere Übel, verglichen mit der Entstehung einer neuen Monsterblase.“

Eurozone offiziell aus der Rezession – aber Risiken bleiben

DIW-Forschungsdirektor Belke hält den jetzt begonnnen schrittweisen Ausstieg aus den unkonventionellen Maßnahmen auch wegen der aufwärtszeigenden Konjunktur für angemessen: „Die Eurozone hat nun auch offiziell die Rezession verlassen und auch die jüngsten EZB-Prognosen zeigen einen Aufwärtstrend.“

Im Hintergrund jedoch bleiben Risiken bestehen: Die Kreditvergabe ist weiterhin sehr schwach. Auch ein Japan-ähnliches Szenario mit einer Dekade geringen Wachstums und geringer Inflation ist noch nicht vollständig von der Bildfläche. Darüber hinaus machen die schwachen Daten zum Geldmengenwachstum deutlich, dass sich die stark gestiegene Geldbasis noch nicht in inflationswirksames Geldmengenwachstum umgesetzt hat. Dies lässt eine baldige Erhöhung des Leitzinses innerhalb des nächsten halben Jahres unangemessen erscheinen.

EZB muss Rohstoffpreise im Blick behalten“

Die EZB muss nach Einschätzung von DIW-Experte Belke vor allem eine Inflation von Rohstoff- und Vermögenspreisen im Blick behalten: Gerade anziehende Öl- und Gaspreise können schnell auf die algemeine Teuerung durchschlagen. „Daher sollte die EZB auch die Entwicklung an diesen Märkten im Auge behalten.“ Denn die hohe und billige Liquidität werde sonst dann bei steigendem Wirtschaftswachstum und zunehmender Geldumlaufgeschwindigkeit ihr Ventil in der Vermögenspreisinflation suchen und es bestünde die Gefahr einer neuen Blase.

Hintergrundinformationen:
Die EZB hatte entschieden, dass es nach dem Refinanzierungsgeschäft am 16. Dezember keines mehr mit einer Laufzeit von zwölf Monaten geben wird. Der Zinssatz wird nicht mehr fix beim Leitzins liegen, sondern sich nach Sätzen bei kurzfristigeren Refinanzierungsoperationen richten. Das letzte Geschäft mit einer Laufzeit von sechs Monaten soll im März 2010 erfolgen.

(DIW)


 


 

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