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"Ohne Rohstoffe geht nichts mehr"

Bayerns Wirtschaft sieht Versorgung mit Rohstoffen gefährdet

Angesichts extrem steigender Rohstoffpreise sorgt sich die bayerische Wirtschaft um die langfristige Versorgung und fordert Hilfe von der Politik.

"Wir müssen in vielen Branchen Sorgen haben, dass ohne die entsprechenden Rohstoffe nichts mehr geht", warnte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt, am Mittwoch in München beim sogenannten Bayerischen Rohstoffgipfel. Extreme Preissteigerungen beispielsweise bei Kupfer, Eisenerz, Zinn und Seltenen Erden würden die Wettbewerbsfähigkeit schwer belasten.

Bei einer Umfrage unter mehr als 3.500 bayerischen Firmen hätten 57 Prozent die steigenden Energie- und Rohstoffpreise als größten Risikofaktor genannt, sagte der Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, Erich Greipl. Unter den Industrieunternehmen seien es sogar 80 Prozent. Davon habe fast ein Drittel bereits Schwierigkeiten, seinen Bedarf zu decken. Die Engpässe umfassten die gesamte Bandbreite an Rohstoffen.

Rohstoffpreise haben sich zum Teil verzehnfacht

So hätten sich die Preise für Eisenerz seit Anfang 2009 und die für Zinn in den vergangenen zweieinhalb Jahren mehr als verdoppelt. Der Preis für Neodym habe sich innerhalb eines Jahres sogar verzehnfacht. Das Seltene-Erden-Metall wird zur Herstellung starker Magnete benötigt, die beispielsweise in Festplatten, Windkraftanlagen sowie beim Antrieb von Elektro- und Hybridfahrzeugen zum Einsatz kommen. Zudem hätten viele Exportländer wie beispielsweise China für einige Rohstoffe mittlerweile fast eine Monopolstellung erreicht.

Wenn Bayerns Wirtschaft wettbewerbsfähig bleiben solle, sei weitere politische Hilfe unerlässlich, erläuterten Brossardt und Greipl. Die bisherigen Initiativen der Politik hätten noch zu wenig Konkretes hervorgebracht. So müssten der Zugang zu Rohstoffen im Ausland gesichert, Forschung und Entwicklung stärker gefördert und eine bessere Nutzung der heimischen Rohstofflagervorkommen gewährleistet werden.

Zeil will Kontakte mit Kasachstan ausbauen

Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) kündigte bei dem Treffen an, für die bayerische Wirtschaft ein eigenes Rohstoffnetzwerk im Ausland aufbauen zu wollen. "Als erste Maßnahme haben wir eine Kasachstan-Gruppe gegründet, die mit Vertretern der bayerischen Rohstoffwirtschaft, dem Konsulat und der Industrie die entsprechenden Kontakte ausbauen wird", sagte er mit Blick auf das rohstoffreiche Land. Zudem soll die Rohstoffgewinnung durch Recycling und die Entwicklung von Ersatzwerkstoffen gefördert werden.

Auch Umweltminister Markus Söder (CSU) wies auf die steigende Bedeutung von Recycling hin. "Wir werden eine Rohstoffwende ähnlich wie eine Energiewende brauchen", sagte er und verwies auf wertvolle Edelmetalle wie Gold und Silber, die beispielsweise in einem alten Handy enthalten seien. Es müsse ein Bewusstsein geschaffen werden, um diese Rohstoffe wieder für den Wirtschaftskreislauf nutzbar zu machen.

Diese wichtigen Rohstoffe könnten für Bayern knapp werden

  • Yttrium - Reaktortechnik, Magnete, Metallurgie
  • Neodym - Magnete, Lasertechnik, Glasfärbung
  • Wolfram - Leuchtmittel
  • Kobalt - Batterien, Katalysatoren
  • Platin - Katalysatoren, Elektronik, Zahntechnik
  • Magnesium - Chemieindustrie, Fahrzeug- und Flugzeugbau
  • Lithium - Akkus, Batterien, Glas
  • Zinn - Elektronik, Weißblech
  • Indium - Displays
  • Molybdän - Edelstahl, Elektronik, Flugzeug- und Raketenbau

(dapd-bay)


 


 

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