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Vom Geben und Nehmen

In Bayern gibt es inzwischen zwei Kulturtafeln für Bedürftige

Mit der Vermittlung kostenloser Eintrittskarten für Kino, Konzert, Theater oder Kabarett wollen die Städte München und Bamberg gegen die zunehmende Ausgrenzung Bedürftiger aus dem kulturellen Leben vorgehen. Nachdem München ein entsprechendes Projekt Mitte Oktober gestartet hatte, zog Bamberg als bayernweit zweite Stadt jetzt nach.

Deutschlandweit gibt es bereits mehrere solcher kultureller Projekte nach dem Vorbild der Lebensmittel-Tafeln, unter anderem in Berlin und Hamburg. Den Auftakt dazu machte vor knapp zwei Jahren Marburg.

"Es ist eine Realität, dass es zunehmend mehr Menschen gibt, die sich Eintrittskarten für solche Veranstaltungen nicht mehr leisten können", erklärt Dekan Otfried Sperl vom Evangelischen Dekanat Bamberg, der die "Kulturtafel-Bamberg" gemeinsam mit der Diakonie Bamberg-Forchheim ins Leben gerufen hat. Grund sei neben der noch immer hohen Arbeitslosigkeit die wachsende Zahl unsicherer und schlecht bezahlter Arbeitsverhältnisse, wodurch immer mehr Menschen in die Bedürftigkeit abrutschen, erzählt er.

Nachdem die "Kulturtafel" am 16. November offiziell gestartet wurde, muss zunächst eine Kartei mit Menschen erstellt werden, die in den Genuss der kostenlosen Karten kommen sollen. "Es geht um Hartz-IV-Bezieher und Menschen mit noch weniger", erläutert Sperl. Für Stadt und Landkreis Bamberg rechnet er mit mindestens 500 Berechtigten. Mit der Vermittlung losgehen soll es zum 1. Januar 2012.

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen

"Ich vermute, dass viele erstmal dafür gewonnen werden müssen, sich für Kultur zu interessieren und sie als Bereicherung zu verstehen", sagt Sperl. Wer schon immer gerne ins Konzert oder Theater gegangen sei, aus finanziellen Gründen aber inzwischen darauf verzichten müsse, solle mit der Tafel ebenfalls die Möglichkeit bekommen, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Hierfür setzt das Dekanat auf die Unterstützung von Veranstaltern und Privatpersonen gleichermaßen. So werden zum einen kulturelle Einrichtungen gesucht, die bereit sind, nicht verkaufte Karten unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Zum anderen sollen auch Privatpersonen nicht genutzte Karten an den Mann bringen dürfen. "Hierzu müssen wir erstmal einen Fundus gründen", sagt Sperl.

Mehr als 500 Kulturgäste in München

Im "Kulturraum" München ist das längst geschehen. "Wir haben schon mehr als 500 Interessenten, sogenannte Kulturgäste, in unserer Datei und schon etwa 300 Karten vermittelt", berichtet Kulturraum-Sprecherin Ina Kuegler. Die ehemalige Journalistin ist eine von 20 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die das Projekt seit seiner Gründung im Februar 2011 unterstützen. Am 17. Oktober nahm der "Kulturraum" seine Arbeit auf und setzt bisher ausschließlich auf die Unterstützung von Kulturveranstaltern. Diese lassen die Karten für die Bedürftigen an der Abendkasse hinterlegen, so dass dort niemand in die Verlegenheit gebracht wird, seinen Hartz-IV-Bezug oder seine kleine Rente zur Sprache bringen zu müssen.

"Um einen Missbrauch auszuschließen, müssen sich Interessenten bei unseren Sozialpartnern anmelden, bei der Caritas, der Tafel München oder der Inneren Mission", erklärt Kuegler. Bisher seien in der Datei vor allem Hartz-IV-Bezieher und Rentner erfasst, das Durchschnittsalter sei mehr als 50 Jahre.

Bisher sei das Feedback der Nutzer positiv, freut sich Kuegler. Erst vor kurzem habe sie eine E-Mail von dem Besucher eines Musikkabaretts erhalten, der erklärt habe, sich erstmals nach langer Zeit wieder als Mensch gefühlt zu haben. So etwas berühre, sagt sie.

Doch auch auf Seiten der Geber sei die Bereitschaft zur Kooperation vorhanden. Kuegler nennt hier vor allem viele kleine Theater, die neben so renommierten Einrichtungen wie etwa dem Volkstheater, dem Gärtnerplatztheater oder dem Lustspielhaus mit von der Partie sind.

Um die Ausgaben für Büromiete und Telefon zu begleichen, ist der "Kulturraum" auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. Das Kulturreferat der Stadt habe bereits die Kosten für die Datenbank-Software übernommen, die Stiftung Soziales der Stadtsparkasse einen größeren Geldbetrag zugesagt.

"Wir sind noch am Anfang", sagt Kuegler. Die Nachfrage nach kostenlosen Karten werde zunehmen. "Wir rechnen in München mit bis zu 3.000 Bedürftigen", erzählt sie. Tendenz steigend.

www.kulturtafel-bamberg.de
www.kulturraum-muenchen.de

(dapd-bay/ Brigitte Caspary)


 


 

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