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Widersprüche

Belastungszeuge macht sich im Infineon-Prozess selbst undurchsichtiger Geschäfte verdächtig

Er ist einer der wichtigsten Zeugen im Schmiergeldprozess gegen den ehemaligen Infineon-Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher. Mitunter aber scheint es, als sitze Ralf Udo Schneider selbst auf der Anklagebank im Münchner Landgericht. Immer wieder verstrickt er sich in Widersprüche, kann sich an Zahlen nicht mehr genau erinnern. Der einstige Chef der Firma BF Consulting, die das Sportsponsoring für den Halbleiterhersteller Infineon organisierte, gestand bereits 2006 in einem Prozess, Schumacher und einige Kollegen mit mehreren 100 000 Dollar bestochen zu haben.

Die Männer hätten regelmäßig Bargeld von ihm angenommen. Darüber hinaus ließen sie sich von dem 57-Jährigen teure Lizenzen für Autorennen besorgen. Auch den Bruder von Schumacher bedachte Schneider mit einer hohen Summe Bargeld.

"Ich wollte mit den großen Hunden mitpinkeln", sagt Schneider. Für
ihn sei außerdem selbstverständlich gewesen, dass er sich mit derartigen Zuwendungen dauerhaft Aufträge von Schumacher sichere. "Aber, erklärt er dem Vorsitzenden Richter, wir hatten auch viel Spaß und viel Freude miteinander. Wir hatten eine gute Zeit." Die gute Zeit endete für Schneider bereits im September 2006 mit einer vierjährigen Haftstrafe.

Vor dem Münchner Landgericht nun kann sich Schneider nun nicht mehr an genaue Summen erinnern. Auch die Umstände der Geldübergaben sind ihm nur mehr teilweise präsent. Einmal habe er Dollar in einer Plastiktüte in Schumachers Münchner Büro gebracht. Ob die Tüte 100 000, 120 000 oder 150 000 Dollar enthielt, wisse er heute jedoch nicht mehr. Auch wisse er nicht mehr, ob weitere Beträge in Restaurants "oder auf der Herrentoilette" übergeben wurden.

Immer wieder weist der Vorsitzende Richter Peter Noll den Zeugen darauf hin, dass er die Wahrheit zu sagen habe: "Sie befinden sich in der Bewährungszeit." Noll konfrontiert den Zeugen außerdem mit Ergebnissen der jüngsten Ermittlungen. Die Fahnder seien auf Abweichungen zwischen den Beträgen, die Schneider von seinem Schweizer Konto abhob und den Beträgen, die letztlich an Schumacher gezahlt wurden, gestoßen. Ein Motiv für die Anschuldigungen gegen Schumacher ist nach Ansicht von Noll möglicherweise, dass Schneider Geld, das er für sich oder seine Firma verwendet habe, nachträglich als Bestechungsgelder deklariert habe.

Der 51-jährige Schumacher hatte seinem ehemals engsten Freund Schneider bereits zum Prozessauftakt vorgeworfen, dieser habe versucht, ihn zu erpressen, indem er Geld für Aussagen zugunsten Schumachers forderte. Die belastenden Aussagen Schneiders sind laut Schumacher durch und durch falsch. Er habe zwar Geld von Schneider erhalten, bei diesem Geld habe es sich allerdings lediglich um die Beteiligung an Oldtimern gehandelt.

Schneider widerspricht dieser Darstellung deutlich: "Nein, definitiv nein. Ich habe mich an diesen Geschäften nie beteiligt." Vielmehr habe Schumacher ihn nach seiner Verhaftung schlecht beraten und letztlich auch finanziell im Stich gelassen. "Nach distanzierter Betrachtung muss ich sagen, ich habe mich von Herrn Schumacher komplett instrumentalisieren lassen", sagt er.

Auch vonseiten der Staatsanwaltschaft wird Schneider heftig angegriffen. "Sie werden hier massiv in die Mangel genommen werden", droht Staatsanwalt Markus Koppenleitner. Erst nach dieser Mahnung erklärt sich Schneider bereit, seine früheren Anwälte von ihrer Schweigepflicht zu entbinden, um seine aktuellen Aussagen für die Staatsanwaltschaft nachprüfbar zu machen.

Schumacher selbst muss sich von der Staatsanwaltschaft Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr in acht Fällen, Untreue, versuchten Betrug und Steuerhinterziehung vorwerfen lassen. Um herauszufinden ob sich die Anklagepunkte bestätigen, oder ob Zeuge und Angeklagter doch noch die Plätze tauschen, bleibt dem Gericht viel Zeit: Es sind bereits vorläufige Verhandlungstermine bis ins nächste Jahr hinein reserviert.

(ddp)


 


 

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