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Seitenwechsel - Tippgeber nun selbst wegen Betrugs verurteilt

Das Landgericht Ulm hat den Börsenbriefanbieter Bernd Otto wegen gewerbsmäßigen Betrugs an zwei Anlegern in besonders schwerem Fall zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Otto war früher dadurch aufgefallen, dass er selbst Missstände bei Börsenbriefen angeprangert hatte.

Wie in der Financial Times Deutschland nachzulesen ist, hatte er seinerzeit den berühmtesten aller Börsentippgeber, Markus Frick, angezeigt. Frick wurde im Frühjahr in Berlin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er bei Empfehlungen wirtschaftliche Interessen verschwiegen hatte.

Ein augenscheinlich erfolgreicher Börsenprofi

Otto stellte sich selbst als erfolgreichen Trader dar. Er berichtete dem Gericht, er habe im ersten Halbjahr 2007 aus 4000 Euro mehr als 500.000 Euro gemacht. Für den Börsenbrief seiner Investment24 AG in der Schweiz zahlten in der Spitze 450 Abonnenten je 99 Euro im Monat.

Neben konkreten Kauftipps sprach Otto auch Warnungen aus. So zerpflückte er in einer Analyse drei Rohstoffwerte, die Frick seinerzeit empfohlen hatte. Als die "Zeit" 2007 in dem Fall berichtete, sagte er: "Ich will gute Aktien finden und damit oben sein und zugleich an einem ethischen Grundgerüst festhalten." Vor Gericht erklärte er, die Strafe für Frick sei "viel zu niedrig" ausgefallen, sagte aber, es sei "gut, dass die Sache überhaupt geahndet wurde".

Giernerv der Anleger gereizt

Aktiv sei er auch im Skandal um das einstige Telekommunikationsunternehmen Amitelo und im Fall des windigen Börsenbriefs "Deutscher Investment Report" gewesen. Zudem warnte er vor Aktienabzocke in Spamfaxen. "Vermutlicher Betrug", überschrieb er etwa seine Verkaufsempfehlung für die Aktie Mainland Resources.

Daher schloss er vor Gericht: "Ich habe also auch viele gute Dinge getan." Doch er reizte den Giernerv der Anleger. So hatte er zwei Porsche und residierte zeitweise für 16.000 Euro Monatsmiete in einem Anwesen an einem See in der Schweiz. Mehrere Investoren vertrauten ihm daher Geld an. Im November 2008 überwies einer 120.000 Euro.

Dann kam alles anders

Eine "Mischung aus Pech und falschen Investmententscheidungen" habe 2009 zum Totalverlust geführt, berichtete Otto. Mit "Panik und Scham" habe er reagiert: "Ich hatte große mentale Probleme, damit klarzukommen." Den Anleger habe er in der Hoffnung hingehalten, die Verluste irgendwie wieder wettzumachen. Er zeigt sich wenig selbstkritisch: "Es ist kein persönliches Versagen von mir gewesen, mittlerweile sind ganze Staaten pleite."

Er räumte aber Fehlverhalten bei einem zweiten Anleger ein, von dessen 20.000 Euro er 2010 die Hälfte an den ersten Anleger ausgezahlt hatte. Der Richter warf Otto in seiner Urteilsbegründung vor, auch den ersten Anleger mit falschen Angaben getäuscht zu haben. Zudem sei er einschlägig vorbestraft. Bei drei Anklagepunkten forderte der Richter die Staatsanwaltschaft zu weiteren Ermittlungen auf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger deutete in seinem Plädoyer an, Rechtsmittel einzulegen, unter anderem weil er die Zuständigkeit des Landgerichts Ulm anzweifelte.

(Redaktion)


 


 

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