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Viele Bewertungen und Testberichte sind gefälscht

Käufer vertrauen auf Erfahrungsberichte in Online-Shops: Produkte mit vier oder fünf Sternen kommen in den Warenkorb, Geräte mit weniger als drei Sternen werden meist verschmäht. Doch Branchenkenner schätzen, dass rund 20 bis 30 Prozent der Bewertungen gefälscht sind.

Nach Recherchen der Fachzeitschrift AUDIO VIDEO FOTO geben spezielle Agenturen massenweise gefälschte Bewertungen in Online-Shops wie Amazon ab.

Als Hersteller getarnt, beauftragte die Redaktion zwei Agenturen, Kundenbewertungen für populäre Internet-Shops zu verfassen. Der Paketpreis für die ersten 35 Bewertungen betrug rund 190 beziehungsweise 299 Euro - zahlbar im Voraus per Überweisung.

Ergebnis: Keine der rund 100 Bewertungen, die die Agenturen in
Internet-Shops abgaben, wurde als Fälschung erkannt.

Generell gilt: Einige Agenturen verfassen die Bewertungen selbst,
andere rekrutieren in Texterbörsen günstige Schreiber für bis zu 1
Euro pro Rezension. Aus Pressemitteilungen der Hersteller und aus
bereits vorhandenen Kundenbewertungen holen sich die Texter ihre
Informationen. Die Fälscher haben Datenbanken mit Tausenden
Benutzerkonten und können innerhalb weniger Minuten weitere Konten
anlegen.

Damit niemand Verdacht schöpft, veröffentlichen die Agenturen in
den überprüften Shops maximal eine Bewertung pro Tag. Mit bis zu 1000
Bewertungen im Monat liegt ihre Kapazität aber deutlich höher. Das
Themenspektrum reicht von Fernsehern über Handys bis zu
Hi-Fi-Anlagen.

Auch Bewertungen zu Restaurants, Hotels, Reisen oder
Versicherungen werden gefälscht, etwa auf Bewertungsportalen wie
Dooyoo, Ciao, Holidaycheck oder Qype. Macht ein unliebsamer
Konkurrent oder Kunde die eigenen Produkte schlecht, versuchen die
Agenturen, negative Bewertungen mit gefälschten Kommentaren und
positiven Rezensionen zu entkräften. Solche "Monitoring"-Verträge
gibt es als Rundum-Sorglos-Paket für eine Pauschale ab 199 Euro im
Monat.

Die Fälscher-Mafia hebelt die Sicherheitsmaßnahmen der Shops
leicht aus: Zur Registrierung reicht eine gültige E-Mail-Adresse.
Internet-Shops wie Otto, Redcoon, Saturn und Notebooksbilliger.de
erwecken zwar den Eindruck, dass sie Bewertungen vor der
Veröffentlichung prüfen, nach einer Wartezeit von 24 bis 48 Stunden
standen jedoch alle fingierten Kommentare auf der Website.

Kein Wunder, lassen sich doch Tausende neuer Bewertungen täglich kaum kontrollieren. Dass Amazon Rezensionen seit Kurzem mit dem Hinweis "von Amazon bestätigter Kauf" kennzeichnet, wenn der Rezensent das Produkt tatsächlich gekauft hat, bringt auch nicht viel: Die
Agenturen bestellen das Produkt, bewerten es und schicken es dann
innerhalb von zwei Wochen kostenlos zurück.

Nicht immer lassen sich gekaufte Bewertungen erkennen, es gibt
aber einige Indizien: So verwenden Fälscher häufig statt ihres Namens
ein Pseudonym, beispielsweise "Alex1969". 

Schreibt jemand in kurzer Zeit viele Bewertungen, handelt es sich dabei wahrscheinlich um Fälschungen - denn wer hat so viel Zeit, Rezensionen zu schreiben?

Ebenfalls verdächtig ist es, wenn die Produktbewertung sehr kurz ist
oder mehrere Bildschirmseiten mit Herstellerangaben füllt. Fälscher
versuchen außerdem gezielt, Mängel zu entkräften, die in der
Fachpresse oder von anderen Testern ausdrücklich kritisiert wurden.

Darüber hinaus verwenden sie oft Floskeln aus den PR-Texten der
Hersteller, häufig gewürzt mit Attributen wie "großartig" oder
"einmalig". Rechtschreibfehler sollen Echtheit vortäuschen.

(Redaktion)


 


 

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