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Bierzelt - Heimspiel beim politischen Frühschoppen für Guttenberg

Das Hofbräu-Zelt mit etwa 5000 Sitzplätzen muss wegen Überfüllung geschlossen werden: Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist auch beim traditionellen politischen Frühschoppen auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg ein Publikumsmagnet. Frenetischer Applaus begleitet den CSU-Politiker, beim Einmarsch schüttelt er so viele Hände, dass der Defiliermarsch wiederholt werden muss. Im wenige hundert Meter entfernten Jungbräu-Zelt muss sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) bei seinem Auftritt mit rund 2500 Zuhörern begnügen.

Insbesondere für Karl-Theodor zu Guttenberg ist es heute ein körperlich harter Arbeitstag. Temperaturen um 30 Grad im Bierzelt bringen den adretten Politiker aus Oberfranken mächtig ins Schwitzen. Mit rotem Kopf tritt er ans Rednerpult, wo er zunächst einmal ein Bier verlangt. "Im Gegensatz zu Rot und Grün auf dem Gillamoos steht hier heute wenigstens ein richtiger Bayer vor Ihnen", ruft er mit Blick auf die Auftritte von Steinbrück und des Grünen Fraktionschefs im Bundestag, Fritz Kuhn. Auch kritisiert er den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier dafür, dass der sich nicht getraut habe, auf dem niederbayerischen Volksfest anzutreten.

Stattdessen stellt sich Steinbrück für die Sozialdemokraten dem Bierzelt-Test: "So etwas hab ich an einem Montagmorgen um elf Uhr noch nicht erlebt", ruft er kopfschüttelnd mit Blick auf die Festzeltbesucher, die vor ihren Bierkrügen sitzen. Fast scheint es, als habe der Abstecher ins bayerische Bierzelt dem Minister aus dem hohen Norden etwas den Wind aus den Segeln genommen. So appelliert der SPD-Politiker an die Besucher, überhaupt zur Wahl zu gehen, für seine eigene Partei macht er nur bedingt Werbung: "Ich muss sagen, ich nehme es Euch nicht übel, wenn ihr vielleicht eine andere Partei wählt. Aber ich würde es Euch sehr, sehr übel nehmen, wenn ihr gar nicht wählen geht!"

Auch sein Angriff auf die schwarz-gelben Steuerpläne mutet wenig kämpferisch an. "Steuersenkungen, die CSU und FDP versprächen, gingen
zulasten der Sozialpolitik. Ich verspreche Euch nichts, also glaubt mir", macht Steinbrück ein wenig Werbung in eigener Sache.

Guttenberg hingegen greift den Koalitionspartner in Berlin scharf an. Er wirft der SPD vor, trotz gegenteiliger Beteuerungen nach der Bundestagswahl mit der Linkspartei auf Bundesebene koalieren zu wollen. Er verweist auf die Bundespräsidentenwahl, bei der die SPD ihre Kandidatin Gesine Schwan mit den Stimmen der Linkspartei ins Amt wählen lassen wollte: "Jemand der sagt, dass man mit denen nicht auf Bundesebene zusammengeht, dem trau ich noch nicht mal soweit, wie ich einen Konzertflügel schmeißen kann."

Beim Thema Wirtschaftskrise herrscht zunächst zwischen den beiden
Kabinettskollegen relative Einigkeit. Beide schimpfen auf Banker, die zunächst viel Geld verzockt hätten und sich dann noch mit Boni belohnen ließen. Doch Steinbrück und Guttenberg plädieren für unterschiedliche Konsequenzen. Guttenberg schlägt vor, eine Malusregelung einzuführen. Steinbrück hingegen kritisiert CDU und CSU, weil diese beispielsweise das Gesetz zur Begrenzung von Boni-Gehältern bei Managern gebremst hätten. "Wenn ihr etwas ändern wollt, müsst ihr SPD wählen. "Wir haben zwar nicht immer die richtigen Antworten, aber oft die besseren", argumentiert der Finanzminister spitzfindig.

Großen Beifall bekommt Guttenberg für seine Haltung im Fall von Opel und Arcandor, als er immer wieder mahnt, nicht Milliarden von Steuergeldern zu verbraten. Steinbrück hingegen verteidigt die staatlichen Eingriffe: Diese Unterstützung ist keine Gefälligkeit, sondern es geht darum, etwas zu stabilisieren. Die Realwirtschaft darf nicht zusammenbrechen.

Kritik am Wahlkampf von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lässt
Guttenberg nicht gelten: "Die Menschen haben die Schnauze voll, dass
man den Wahlkampf immer nur mit Drescherei austrägt." Für seine
kämpferische Rede wird Guttenberg nicht nur mit großem Applaus der
Besucher belohnt, sondern auch mit "Rock 'N Roll Train" und "Highway
to Hell" von seiner Lieblingsband AC/DC. Der bereits völlig durchgeschwitzte 37-Jährige wippt im Takt, klatscht begeistert und nimmt Krawatte und Sakko ab.

Weniger schwungvoll verläuft Steinbrücks Verabschiedung im Nebenzelt: Der Norddeutsche bekommt lediglich das Lied der Bayern zu hören und muss verlegen versuchen, den Text vom Blatt mitzusingen.

(Redaktion)


 


 

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