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Bildungssystem

Immer mehr Schüler in Bayern besuchen eine Privatschule

Mit mehr als 1.000 Schülern zählte es in den 1990er Jahren zu den größten Gymnasien Würzburgs: Doch dann wurden der Stadt die Personalkosten zu teuer - und aus dem kommunalen Mozart-Schönborngymnasium wurde schließlich das private "Dag Hammarskjöld Gymnasium", getragen von der Evangelischen Kirche.

Das war vor einem Jahr. Nach anfänglichem Zögern verzeichnet die Schule inzwischen regen Zulauf, wie Direktor Hermann Berst berichtet. Das Konzept der Privatschule setze darauf, dass "die Schüler mehr zum Manager des eigenen Lernens werden", sagt er.

Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums erhöhte sich in den vergangenen zehn Jahren der Anteil derjenigen, welche eine allgemeinbildende Privatschule besuchten, von 9,2 auf 11,5 Prozent. Im Schuljahr 2011/12 waren es insgesamt 153.000 Schüler, etwa 19.000 mehr als zehn Jahre zuvor. Die Zahl der privaten Schulen stieg in dem Zeitraum um 95 auf 585. Ihr Anteil im bayerischen Schulsystem liegt damit bei 12,7 Prozent. Bei Wirtschafts- und Berufsschulen sowie den Sonderschulen gibt noch mehr Einrichtungen in privater Trägerschaft.

Individuelle Förderung der Kinder

Rund 160 Schulen unterhält die evangelische Kirche, dort unterrichten 2.900 Lehrkräfte rund 25.000 Schülerinnen und Schüler. "Der Zuspruch ist enorm groß", erklärt der zuständige Oberkirchenrat Detlev Bierbaum. Ein wichtiger Grund sei das Wissen um die individuellere Förderung der Kinder. "Viele, die an anderen Schulen gescheitert sind, kommen bei uns zu Abschlüssen", konkretisiert er. Die Auswahl werde per Losentscheid getroffen oder nach "sehr intensiven" Elterngesprächen. Er stellt allerdings klar, dass man nicht in Konkurrenz zu staatlichen Schulen treten wolle.

"Wichtige Ergänzung"

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sieht die privaten Schulen als "wichtige Ergänzung des qualitätsvollen staatlichen Schulwesens". Heute profitierten die privaten und die staatlichen Schulen gegenseitig voneinander. "So haben viele Elemente reformpädagogisch beeinflusster Schulen ihren Weg in die staatlichen Schulen gefunden", stellt der Minister fest. Umgekehrt verwende der weitaus größte Teil der privaten Schulen, vor allem die kirchlichen Schulen, die staatlichen Lehrpläne, mitunter geringfügig modifiziert.

Dagegen sieht Klaus Wenzel, Präsident des bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV), Elemente der Privatschulen "nur sehr sparsam" ins staatliche System übernommen. Wenn überhaupt, dann nur in der Grundschule. "Wir stoßen immer wieder an Grenzen", sagt er anspielend auf das Notensystem und den Auslesedruck in der Grundschule.

"Armutszeugnis für die Politik"

Generell betrachtet er die steigende Zahl von Privatschülern mit Sorge: Es sei ein "Armutszeugnis" für die Politik, wenn sie es nicht schaffe, dass die Eltern ihre Kinder gern und bewusst auf staatliche Schulen schicken, unterstreicht er. Es bestehe die Gefahr, dass diejenigen, die es sich leisten können, zunehmend anspruchsvollere Bildungsangebote wahrnehmen. "Und es ist in einer demokratischen Gesellschaft immer gefährlich, wenn die Spreizung zu groß wird", fügte er an.

Die evangelische Kirche will sich als Träger gerade bei Schulgründungsinitiativen weiter engagieren. "Wir sind im Moment auf Expansionskurs. Allerdings wird es hier irgendwann auch Grenzen geben", sagt Bierbaum. 2011 ließ sich die evangelische Kirche in Bayern ihre Schulträgerschaft mehr als 8,2 Millionen Euro kosten.

(dapd-bay)


 


 

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