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Telekommunikationsanbieter

Wie schaffen sie den Sprung von der Bit Pipe zur Smart Pipe?

Die Telekommunikationsbranche in Westeuropa und Nordamerika hat durch den Markteinstieg von sogenannten Over-The-Top-Playern – also Betreibern von Diensten, die von der Telekomunikations-Netzinfrastruktur unabhängig sind – in den letzten Jahren eine völlig neue Dynamik erfahren. Diese Entwicklung zeigt sich heutzutage deutlich im Mobile-Business der Telekommunikationsanbieter.

Die sich immer mehr im Markt etablierenden Smartphones füllen auf der einen Seite zwar die Leitungen der Carrier, da ihre Nutzer vermehrt das mobile Internet nutzen. Auf der anderen Seite führt aber gerade die IP-Befähigung dieser Geräte dazu, dass die Carrier in ihrem Hauptgeschäft Einbußen durch neue Konkurrenz drohen.

Telefonie und SMS bekommen mehr und mehr App-basierte Konkurrenz

Den ehemaligen Zugpferde SMS und Telefonie stehen nun alternativen Wettbewerbern gegenüber, die den Markt durch kostengünstigere, teils sogar kostenfreie App-basierte Kommunikationslösungen neu formen. Die Wandlung der Marktlandschaft vom traditionellen Kommunikationsmodell zu IP-basierten Services ist nicht mehr aufzuhalten und wird begünstigt durch die geringen Eintrittsbarrieren für neue Anbieter (denn der Neuaufbau einer Netzinfrastruktur ist eben nicht notwendig). Was ein Nutzer früher noch über SMS versendete, wird heutzutage einfach per WhatsApp oder iMessage getextet, und Telefonie im konventionellen Verständnis wird dieser Tage kurzerhand über Skype erledigt. 

Kommunikation im Internet hat eigene Regeln

Wie finanzieren sich diese Modelle? Die Geschäftsmodelle von Freemium SMS Diensten zum Beispiel sind quersubventioniert und ausgerichtet auf die Generierung von Umsatz durch Werbung oder zusätzliche Premium-Dienste, anstatt die Bereitstellung des Zugangs und den Datenverbrauch in Rechnung zu stellen. Diese Angebote setzen sich aber nicht nur am Markt durch, weil die Kunden preissensitiv sind und die Angebote günstiger als diejenigen der traditionellen Telekommunikationsanbieter, sie bieten dem Kunden vielmehr eine der heutigen Zeit adäquate Form der Kommunikation: Kommunikation entsteht oftmals im Internet in einem bestimmten Kontext (bspw. auf sozialen Netzwerken) oder ist Teil des Austauschs von Inhalten (bspw. Versenden von Videos oder Musik). Die neuen IP-befähigten Kommunikationslösungen bieten den Kunden gerade diese Möglichkeit: Versende Deine SMS doch mit der Google-Maps Angabe wo ein bestimmtes Restaurant ist, oder telefoniere direkt per Video-Konferenz, wenn es darum geht, Dich mit Deinen Freunden zu verabreden.

Verkommen Telekommunikationsanbieter zu reinen Bit Pipes?

Vor diesem Hintergrund müssen sich die alteingesessenen Anbieter in bestimmtem Maße neu erfinden, um nicht zur reinen Bit Pipe, also zum reinen Anbieter für Telekommunikationsleitungen, zurückgestuft zu werden. Es gibt mit Sicherheit noch infrastrukturelle Vorteile, die die Telekommunikationsanbieter an dieser Stelle zu ihren Gunsten nutzen können. Einerseits besteht aufgrund ihrer Bekanntheit und ihrer Billing-Kapazitäten beispielsweise die Möglichkeit, sich als „Trusted Party“ (im Sinne von einer anerkannten Marke, der vertraut wird) im Markt zu etablieren und somit Anteile an den Umsätzen zu erwirtschaften. Diese bringen OTT Wettbewerber in verschiedenen Bereichen wie Services, Content oder Applikationen hervor. 

Über den Mehrwert einer vertrauenswürdigen Marke

In der zuvor beschriebenen veränderten Kommunikationswelt integriert der Kunde immer mehr persönliche Informationen. Hier wird zukünftig der Mehrwehrt einer vertrauten und vertrauenswürdigen Marke entscheidend sein. Andererseits spielt der Begriff „ Yield Management“ in diesem Zusammenhang eine zunehmend bedeutende Rolle. Dahinter steckt der Ansatz, ungenutzte Netzkapazitäten zu günstigeren und flexibleren Tarifen anzubieten, womit wiederum relevante Umsätze erwirtschaftet werden können. Geeignet sind hierfür neue Tarifstrukturen wie Bündel-Tarife, die dem Kunden die Nutzung mehrerer Endgeräte für einen Preis in Aussicht stellen. Hier geht es also vor allem darum, sich als Telekommunikationsanbieter auf das Kerngeschäft – das Netz nämlich – zu konzentrieren und dieses zu nutzen, um die Umsätze zu erhöhen.

Ein weiterer entscheidender Aspekt zur Stärkung der zukünftigen Rolle der Carrier ist eine Zusammenarbeit mit anderen Netzbetreibern hinsichtlich der Schaffung von Standards, wie zur Zeit bei der Entwicklung der Rich Communications Suite extended (RCSe). Hierbei handelt es sich um eine Carrier-übergreifende IP-basierte Telefonie und Messaging-Lösung, die über sämtliche Komfortfeatures aktueller Konkurrenzprodukte (wie iMessage oder Skype) verfügt. Sie strebt an, der neue Standard auf Mobiltelefonen (aber auch anderen Geräten wie PCs) zu werden. Auf diese Weise würde eine Basis geschaffen, die allen Telekommunikationsanbietern bei der Bindung ihrer Kunden helfen kann und den Angriff auf OTT-Seite abwehren könnte.

Ausschlaggebend für den weiteren Erfolg der Telekommunikationsanbieter wird die Bereitschaft sein, die neuen Marktgegebenheiten als Anlass zur eigenen Weiterentwicklung zu nehmen und die Fähigkeit auf diese neuen Umstände flexibel und kurzfristig reagieren zu können.

Die 4-advice | Change & Innovation Consulting in Bonn hat sich unter anderem spezialisiert auf Change Management und Innovation Management.

(Redaktion)


 


 

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