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Böllermadln

Münchnerin gründet Böllerverein nur für Frauen

Mit den Ersten Münchner Böllermadln hat die 65-jährige Ilse Franz-Murr den ersten Böllerschützenverein für Frauen in Bayern gegründet.

Beim Buchstaben F muss es knallen. "Gebt Feuer!" ist das Kommando, auf das alle Böllerschützen warten. Dann wird abgedrückt, das Schwarzpulver explodiert, es knallt und eine weiße Rauchwolke steigt nach oben. Auch Ilse Franz-Murr pflegt diese Tradition. Doch Sprengkraft hat nicht nur der Böller in ihrer Hand, sondern auch ihr Plan: Die 65-Jährige ist gerade dabei, eine Männerdomäne zu erobern und den bayernweit einzigen Böllerverein nur für Frauen zu gründen.

"Das ist sehr ungewöhnlich", sagt Julia Gebhard vom Bayerischen Sportschützenbund (BSSB). "Bei uns ist noch kein solcher Verein in Erscheinung getreten." Es ist eine kleine Revolution in der Szene der Böllerschützen, deren Salutschüsse zu Neujahr, Volksfesten und an kirchlichen Feiertagen gerade in Bayern Tradition haben.

Bislang sind es fast immer Männerhände, die die wuchtigen, pistolenähnlichen Böller aus Holz und Stahl halten. Nur wenige Vereine lassen Frauen schießen. "Jetzt drehen wir den Spieß um", sagt Franz-Murr stolz. Bei ihrem Verein, den Ersten Münchner Böllermadln, werden Männer nur als passive Mitglieder aufgenommen, schießen dürfen sie nicht.

Werner Kammermeier, einer der Bezirksreferenten für die Böllerer im BSSB, hat allerdings Bedenken, dass das diskriminierend und damit rechtswidrig sein könnte. "Das ist der gleiche Schmarrn wie reine Männervereine", kritisiert er. Sein BSSB-Kollege Sepp Hohenleitner ist da anderer Meinung. Die Satzung der Böllermadln sei geprüft worden und es habe keine Beanstandungen gegeben. "Das ist rechtlich in Ordnung", versicherte er. Er habe Franz-Murr in dieser Männerdomäne gern unterstützt. "Das ist ja ein Novum", sagte er.

Mitstreiterinnen gesucht

Deswegen ist die Gründerin, das bisher einzige aktive Vereinsmitglied, auch noch auf der Suche nach Mitstreiterinnen. Denn dann dürften die Böllermadln bereits in diesem Jahr die Wiesn mit "ausböllern" - sprich, das Oktoberfest am letzten Sonntag feierlich verabschieden. "Wie ein Sechser im Lotto" wäre das, findet die 65-Jährige.

Für Franz-Murr ist ihre Kunst etwas ganz Besonderes. "Böllern ist nicht einfach peng, peng, peng", sagt die Sportschützin. Die Tradition reiche bis ins Mittelalter zurück. "So wie ich jetzt aussehe, dürfte ich gar nicht böllern", verdeutlicht sie und zeigt auf ihre Jeans und ihr ärmelloses Top. Wenn dagegen Böllerschützen Aufstellung nähmen, sei das ein "fantastischer Anblick". Tracht ist Pflicht. Dieser Ansicht ist auch Franz-Murr, obwohl sie sonst "nichts mit Trachten am Hut" hat. In den Vereinsstatuten ist genau festgelegt, dass die Schützinnen weiße Kniestrümpfe, schwarzes Dirndl, weinrote Schürze, weiße Bluse und Hut mit violetter Schleife zu tragen haben.

Bei großem Busen gibt es schwarze Dekolletés

Genauso streng geht es beim Böllern selbst zu, ein Ritual mit fixen Kommandos: Die Böller werden geladen, das Pulver wird nach unten in den Lauf geklopft. Dann werden die Zündhütchen gesetzt und der Hahn gespannt. "Jetzt wird es gefährlich", sagt Franz-Murr. Sie hat schon erlebt, wie sich jemand betrunken ins Bein geschossen hat. Ist der Hahn gespannt, nehmen die Schützen die mehrere Kilo schweren Böller hoch. Dann folgt das Kommando "Gebt Feuer!"

Während weißer Rauch nach oben steigt, regnen die Reste von Schwarzpulver nach unten. "Bei Frauen mit großem Busen ist das Dekolleté dann immer rabenschwarz", sagt Franz-Murr. Der Grund, warum so wenige Frauen böllern, sei aber ein anderer, glaubt sie: "Es braucht Mut." Nicht des Lärms und der Gefahr wegen, sondern wegen der Männer. Ihr eigener sei übrigens "hellauf begeistert" gewesen. "Aber ich würde mich auch nie von einem Mann unterbuttern lassen."

(dapd-bay)


 


 

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