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Aktienjahr 2011:

Privatanleger agierten an der Börse alles andere als übervorsichtig

Auf Basis von 5 Millionen Depots nahm die dwpbank die größte Datenerhebung zum Verhalten deutscher Privatanleger im schwachen Börsenjahr 2011 vor. Auffällig sei, dass das Verhalten der Privatanleger in der Eurokrise konträr zu dem der institutionellen Investoren war.

Privatanleger haben das schwache Aktienjahr 2011, in dem der Deutsche Aktienindex (DAX) rund 15 Prozent an Wert verloren hat, überwiegend zu Käufen an der Börse genutzt. Besonders während des Börsenabsturzes ab August übertrafen die Aktienkäufe der Privatinvestoren die Verkäufe sehr deutlich.

Dies ist ein Ergebnis der bisher größten Datenauswertung zum Verhalten von Privatanlegern in Deutschland, welche die Deutsche WertpapierService Bank AG (dwpbank) auf Basis von rund 5 Millionen Wertpapierdepots vorgenommen hat. In die hochaggregierte Erhebung wurden sämtliche Transaktionen einbezogen, welche die insgesamt 160 Aktien des
DAX 30, MDAX, TecDAX und SDAX betrafen.

Käufe überwogen

Im Gesamtjahr 2011 ergibt die Datenauswertung für die Privatanleger einen Kaufquotienten von 1,14, das heißt, der Wert der Käufe überstieg den der Verkäufe um 14 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres, in denen der DAX sich unter dem Strich etwa seitwärts bewegte, wies auch der Kaufquotient insgesamt einen neutralen Wert von 1,01 auf. Besonders hoch jedoch lag er dann in der Periode des DAX-Absturzes im Zuge der Eurokrise ab Anfang August 2011. Allein im Crashmonat August, als der DAX nahezu 21 Prozent einbüßte, überstiegen die Käufe der Privatinvestoren deren Verkäufe um 91 Prozent.

Favoriten der Privatanleger: ausgerechnet Bankaktien

Von August bis Dezember insgesamt lag der Wert bei plus 44 Prozent (Kaufquotient 1,44). Zu den Favoriten der Privatanleger in diesem Zeitraum zählten die durch die Eurokrise stark unter Druck geratenen Bankaktien: Die Käufe bei Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank zusammen überstiegen die Verkäufe um 64 Prozent (Kaufquotient 1,64).

Karl-Martin im Brahm, Vorstand der dwpbank: „Die Auswertung unserer Daten zeigt, dass Privatanleger in der Eurokrise 2011 alles andere als ängstlich an der Börse agiert haben. Sie haben im Crash zugekauft und dabei besonders bei Banktiteln zugegriffen. Die angeblich “schwachen Hände“ der Privatanleger lassen sich auf dieser Basis in keiner Weise bestätigen.“

Verhalten der Anleger deutlich antizyklisch

Das Verhalten der Privatanleger während des Börsenabsturzes ab August 2011 war, das ergibt die Datenanalyse, deutlich antizyklisch. Dies zeigte sich auch im Oktober 2011, als der DAX eine deutliche Zwischenerholung erlebte und um mehr als 15 Prozent stieg. Privatanleger hingegen reduzierten ihre Aktienengagements in diesem Monat deutlich und verkauften 26 Prozent mehr Aktien als sie kauften. Karl-Martin im Brahm: „Privatanleger haben in der Eurokrise so gehandelt, wie es den institutionellen Investoren häufig unterstellt wird, gegen den Trend. Das zeigen die Daten für Schwäche- und Erholungsphasen gleichermaßen.“

Im Zuge der kurzen Japankrise im März 2011 mit Erdbeben, Tsunami und Atomunfall im Kernkraftwerk Fukushima hingegen folgten die Privatanleger dem allgemeinen Börsentrend. Als der DAX vom 11. bis 16. März nahezu 10 Prozent seines Wertes einbüßte, waren die Privatinvestoren bei hohem Volumen auf der Verkäuferseite. Allein vom 14. bis 16. März war das durch sie gehandelte Volumen teilweise über 500 Prozent höher im Jahresdurchschnitt. In diesem Zeitraum wurden mehr als 5 Prozent aller 2011 von Privatinvestoren überhaupt ge- oder verkauften Aktien durch sie gehandelt. Massive Verkäufe wurden während der Japankrise bei Versorgeraktien und Versicherungsaktien getätigt (Kaufquotient 0,23), Titel aus dem Bereich der erneuerbaren Energien hingegen waren stark gefragt (Kaufquotient 1,71).

Karl-Martin im Brahm fasst die Untersuchung 2011 zusammen: „Wir haben in hochaggregierter Form den größten Datenbestand ausgewertet, der in Deutschland zum tatsächlichen Privatanlegerverhalten an der Börse verfügbar ist. Das schlechte Börsenjahr 2011 war für Privatanleger unter dem Strich ein Aktienkaufjahr. Damit wiederholt sich ein Muster, das wir bereits in vorangegangenen Untersuchungen zur Börsenkrise zwischen Oktober 2008 und März 2009 festgestellt haben. In den längeren Börseneinbrüchen der vergangenen Jahre war der Privatanleger ebenfalls als Käufer unterwegs.“

Die Deutsche WertpapierService Bank AG (dwpbank) ist Marktführer in der deutschen Wertpapierabwicklung. Ihre Eigentümerstruktur setzt sich gleichberechtigt aus Instituten der genossenschaftlichen FinanzGruppe sowie aus der Sparkassen-Finanzgruppe zusammen.
Mit 390 direkten Kunden und insgesamt fast 1.600 angeschlossenen Instituten nutzen drei Viertel aller Banken in Deutschland die Prozess- und Systemdienstleistungen rund um die Wertpapierabwicklung.

(Redaktion)


 


 

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