Börsenkompass
Die tägliche Einschätzung der deutschen Börse
Frankfurt. Das Topthema des ist die Trendwende in der deutschen Industrie
Rentenmarkt / Konjunktur
Gespannt warteten die Finanzmärkte gestern auf Meldungen aus Griechenland. Bis zum Mittag sollte eine Einigung auf dem Tisch liegen. Als jedoch gemeldet wurde, dass die Gespräche bislang ergebnislos blieben, war die Überraschung gering, schließlich ist es nicht die erste Verzögerung und es geht um viel – vor allem für Griechenland aber auch für die Gemeinschaft der Eurozone.
Die Kurse von zehnjährigen Bundesanleihen waren am Freitag durch die guten US-Arbeitsmarktdaten unter Druck geraten. Gestern folgte eine leichte Kurserho-lung. Uneinheitlich verhielten sich die Kurse der Staatsanleihen aus den Periphe-rieländern: Die Kurse italienischer Anleihen legten zu; spanische und portugiesi-sche Anleihen notierten dagegen leicht schwächer.
In den USA aber auch in vielen anderen Regionen zieht das Expansionstempo seit der Delle in der zweiten Jahreshälfte 2011 wieder an. Davon profitiert auch die deutsche Wirtschaft: Die Auftragslage bessert sich wieder. Die gestrigen Da-ten dazu waren besser als erwartet, auch wenn die Probleme im Euroraum ebenfalls an den Bestellungen ablesbar sind (vgl. Topthema). Heute folgen die Produktions- und morgen die Exportdaten. Im Vergleich zum Sommer 2011 ist die Produktion derzeit etwa 3% schwächer. Unwahrscheinlich ist, dass sie sich im Dezember deutlich belebt hat. Auch der Rohstoffproduzent Australien profi-tiert von der Erholung. Die Notenbank verzichtet überraschend auf eine Zinssen-kung. Die vergleichsweise hohen Zinsen dürfte die Währung weiter stützen.
Aktienmarkt
Die europäischen Aktienmärkte nahmen sich gestern eine Verschnaufpause. Auch wenn die noch ausstehende Einigung über den Schuldenschnitt in Griechenland und die politische Weichenstellung für das neue Hilfspaket im Fokus standen, ging es an den Märkten gleichwohl bemerkenswert ruhig zu. In einem insgesamt leichteren Umfeld konnte der Dax outper-formen und schloss nahezu unverändert. Mehr Bewegung gab es auf Einzelwertebene. Douglas (+4,5%) profitierten von der Meldung, dass sich Großaktionär Müller weitere Anteile gesichert hat, GEA (+1,3%) von guten Zahlen und RWE (+2,6%) von positiven Analystenkommentaren. Glencore
(-4,5%) geriet im Zuge der anstehenden Fusion mit Xstrata unter Druck. Auf Branchenebene (Stoxx600) gehörten die Gewinner der vergangenen Wochen gestern zu den Verlie-rern. Finanzwerte und Grundstofftitel litten unter Gewinnmit-nahmen, während defensive Sektoren wie Telekoms (+0,8%) zulegen konnten Die Entwicklung an den US-Märkten unter-schied sich nicht großartig von der in Europa, auch hier drück-te die Sorge um die weitere Entwicklung in Griechenland auf die Stimmung. Gleichwohl hielten sich die Verluste bei rück-läufigen Umsätzen in engen Grenzen. Die Berichtssaison hatte keinen Einfluss auf den breiten Markt, im Einzelnen fielen aber u.a. Abercrombie&Fitch (+9,5%) auf, die mit über den Erwartungen liegenden Zahlen aufwarten konnten. Die asiatischen Märkte notieren angesichts der Vorgaben unein-heitlich. In China belasten Aussagen des Ministeriums für Industrie und IT, das eine Abschwächung der Produktion in 21012 sieht. Heute stehen fast keine Makrodaten an, so dass die Griechenlandthematik im Fokus stehen dürfte.
Topthema des Tages: Trendwende in der deutschen Industrie
Auch wenn auf Jahresbasis keine Veränderung verbucht wurde, konnten die Auftragseingänge der deutschen Industrie im Monatsvergleich im Dezember um 1,7% zulegen. Diese Gegenbewegung war nach einem starken Rückgang im No-vember zwar erwartete worden, wenngleich nicht so ausge-prägt. Für Deutschland mehren sich die Anzeichen, dass eine größere Rezession im Zuge der Eurokrise vermieden werden kann. Auch wenn die Auftragseingänge aus der Eurozone um 6,8% gefallen sind - die Sparmaßnahmen der Eurostaaten machen sich bemerkbar. Ebenso sanken die inländischen Auftragseingänge um 1,4%. Dagegen sind die Bestellungen von Ländern außerhalb der Eurozone um 12,3% gestiegen, nachdem diese zuletzt einen Rückgang um 10% verbuchen mussten. Dies entspricht auch den Erwartungen an die Welt-wirtschaft. Die beginnende Erholung in den USA, sowie die robuste Konjunktur in den Emerging Markets Ländern stützen den Welthandel. Davon profitiert auch die exportlastige deut-sche Wirtschaft.
Alles in allem fügen sich die jüngsten Daten zu einem positi-ven Gesamtbild der deutschen Industrie zusammen: Im Janu-ar berichtete im Rahmen der Ifo-Umfrage erstmals wieder eine Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen von steigen-den Auftragseingängen; die steigenden Bestellungen sollten sich spätestens im Frühjahr auch auf die Produktion auswir-ken; nach einem Schrumpfen des Bruttoinlandsproduktes im 4. Quartal 2011 sollten die deutsche Wirtschaft zu Beginn des neuen Jahres wieder ein leichtes Wachstum vorweisen.
(Commerzbank AG)
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