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Bonner Bombentasche

Die Polizei setzt all ihre Hoffnungen in diesen Zeugen!

Nach dem Fund der Bombentasche an einem Bahnsteig am Bonner Hauptbahnhof herrscht weiter Rätselraten über die Hintergründe. Auch die möglichen Verantwortlichen sind immer noch auf freiem Fuß. Nachdem klar ist, dass keinerlei Kameraaufnahmen aus dem Bahnhof zur Verfügung stehen, setzt die Polizei vorerst alle ihre Hoffnungen auf einen "alten Bekannten".

Die blaue Tasche soll am Montagmittag ein bislang Unbekannter im Beisein von wartenden Fahrgästen am Gleis 1 des Bonner Hbf. vor einem Abfallbehälter abgelegt haben. Doch schon kurz nach der Entschärfung der Bonner Bombentasche durch Experten der Bundespolizei am Gleis 1, kommt es zu Streitigkeiten unter den Ermittlern. Da der Bombenfund sich im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei im Bahnhof abspielt, direkt vor der Tür aber die Landespolizei NRW zuständig ist, für Terrorismus aber wiederum das Bundeskriminalamt (BKA), Wer überhaupt die Ermittlungen in Bonn führt, bleibt zunächst unklar.

Kölner Polizeipräsidium führt Ermittlungen

Unruhe verbreitet sich daraufhin auch unter den Ermittlern an der Einsatzstelle. Erst gegen 18:00 Uhr, also 5 Stunden nach dem Bombenfund und 3 Stunden nach der Entschärfung treffen Ermittler des Landeskriminalamtes aus Düsseldorf ein. Reguläre Fahrtzeit Bonn - Düsseldorf: eine gute Dreiviertelstunde - ohne Blaulicht. Zuvor hatten die Spitzen der Polizeien, der Generalbundesanwaltschaft und der Politik Argumente und Voraussetzungen für eine wirkungsvolle Zusammenarbeit ausgetauscht.

Der Fall wird schließlich der Landespolizei NRW überlassen. Die Ermittlungen führt seitdem das Polizeipräsidium Köln. Die Kölner Ermittler bei der Sonderkommission "BAO Anschlag Bonn" haben damit die Chance, sich nach den Pannen beim Nagelbombenanschlag der Rechtsterrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in der Kölner Keupstraße in diesem Fall erneut zu bewähren. Trotz Festnahmen in der Salafisten-Szene vermeiden sie es daher, sich auf einen bestimmten Täterkreis festzulegen. Nur eins ist klar: der Sprengsatz war gefährlich und hätte zahlreiche Menschen verletzten und töten können. Bislang ist allerdings unklar, ob der Sprengsatz über einen Zünder und eine zweite Abdichtung verfügte.

Doch schon am Anfang der Ermittlungen die nächste Panne: die Kameraüberwachung im gesamten Bahnhof ist für die Polizei nutzlos: Die Aufnahmen waren nicht gespeichert worden. Den Drahtziehern der Kölner Kofferbombenanschläge im Jahr 2006 war man erst durch die Kameraüberwachung im Kölner Hauptbahnhof auf die Spur gekommen. Detoniert waren die Sprengsätze aufgrund eines Konstruktionsfehlers damals glücklicher Weise nicht. Auswirkungen auf das benachbarte Bonn: offenbar keine.

Dabei hatten die damaligen Kofferbomber einen Sprengsatz in einem Zug deponiert, der auch die 300.000-Einwohner-Stadt passierte. In der UN-Stadt befinden sich zahlreiche Museen, Bundeseinrichtungen und diplomatische Vertretungen. Der Bahnsteig am Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs ist wegen der zahlreichen Pendler einer der stärksten frequentierten Bahnsteige in NRW.

Alle bisherigen Zeugenaufrufe blieben weitestgehend ergebnislos. Nicht einmal der Mann, der das Personal am Servicepoint im Bahnhofsgebäude über die verdächtige blaue Tasche informiert hatte, soll sich gemeldet haben.

Die Ermittler der BAO "Anschlag Bonn" müssen sich daher vorerst auf "die Augen" von Ronald McDonald verlassen. Denn in der McDonald´-Filiale direkt am Bahnsteig werden die Aufnahmen gespeichert. Pikant: bis vor wenigen Jahren gab es das betreffende Restaurant gar nicht. Hätte die Fast-Food-Kette die Fläche nicht belegt, stünden die Ermittler weitestgehend mit leeren Händen da. Die Kameraaufnahmen, die allenfalls gegen Burger-Klau und Co. gedacht sind, sollen nun dabei helfen, einen möglichen Terroranschlag aufzuklären!

Polizei landesweit in alarmbereitschaft versetzt

Doch die Ermittler im Kölner Polizeipräsidium geben nur scheibchenweise ihr Informationen preis. Das zieht Kritik auf sich, ist aber an sich korrekt. Die Polizeien von Bund und Ländern sind seit dem Bombenfund in alarmbereitschaft versetzt worden. Landesweit patroullieren Beamte an Bahnhöfen. Polizeihubschrauber führen zudem regelmäßige Kontrollflüge durch. In Essen sorgte zuletzt am Mittwochabend eine herrenlose Tasche für die Evakuierung des Hauptbahnhofs, auch in Bonn und Krefeld hatte es zuvor größere Polizeiaktionen gegeben. Mehrere Male handelte es sich um Fehlalarme, die allerdings für Absperrmaßnahmen, Verkehrsbehinderungen und erneute Verunsicherung unter Passanten sorgten.

Unklar ist weiter das Motiv der Beteiligten am Tattag und ihre Rolle im Zusammenhang mit der Bonner Bombentasche. Eine der spannendesten Fragen des Falls.

Ob die Bonner Bombentasche am Hauptbahnhof ein vereitelter Anschlag war oder nicht, lässt sich bislang nicht mit endgültiger Gewissheit sagen. Das zuständige Polizeipräsidium in Köln geht allerdings von einer komplexen Einsatzlage aus und hat sich frühzeitig entsprechend aufgestellt. Verbindungsbeamte aus Berlin, Bonn und Düsseldorf unterstützen vor Ort die Arbeit. Eingehende Spuren werden dort mit großem Engagement in stundenlanger Kleinarbeit nach und nach abgearbeitet. Das wiederum spült in kleinen Pausen auch einigen Kölner Fast-Food-Anbietern einige Euros mehr in der Kasse. Umso besser für den wichtigsten Zeugen in diesem spannenden Fall. Auch er kommt aus der Branche.

(Red. / oy)


 


 

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