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Das selbstbestimmte Unternehmen - Fünf Strategien für konsequenten (Unternehmer-)Erfolg

Wie man als David im Markt erfolgreich wird und bleibt. Ein Gespräch mit Jan Reuter über sein Buch - Das selbstbestimmte Unternehmen.

Sie kommen aus einer traditionsreichen Apotheker-Familie. War es schwierig für Sie, mit dem familieneigenen Unternehmen neue Wege zu beschreiten?

Im Gegenteil. Die Tatsache, dass mein Vater mich schon als Kind in alle wichtigen Dinge mit eingeweiht hat und ich quasi in der Apotheke aufgewachsen bin, hat es mir eher einfacher gemacht. Außerdem gehört mit meiner Frau eine weitere erfahrene Apothekerin vom ersten Arbeitstag an mit zum Team. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man Innovationen neben dem Tagesgeschäft alleine anschieben muss oder zu dritt in der Familie an einem Strang zieht. Dabei geht es im Endeffekt um das wichtigste Ziel: Dem Kunden den Besuch bei uns so angenehm wie nur irgendwie möglich zu gestalten.

In Ihrem Buch sprechen Sie vom „selbstbestimmten Unternehmer“. Was verstehen Sie darunter?

Alle Branchen leiden unter mehr und mehr Bürokratie und werden in ein enges Korsett von Regeln und Bestimmungen gefesselt. Selbstbestimmung ist für mich, mein Team so zu führen, dass ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit gegeben ist und ich meinen Mitarbeitern auf gleicher Augenhöhe begegnen kann. Darüber hinaus ist es mir wichtig, selbst zu entscheiden, welche Sortimente ich in meinem Unternehmen habe und welche nicht. Dass ich mit meinem Team dem Kunden die beste Lösung für sein Problem anbieten kann und nicht der Sklave von einem standardisierten Algorithmus bin. Dass ich mit Herzblut meinen Kunden beraten kann. Dass ich so aufgestellt bin, dass ich nicht auf Teufel komm raus verkaufen muss.

Sie fordern Mut zum Anderssein und Regelbrüche. Können Sie uns Beispiele aus Ihrer eigenen Erfahrung nennen?

Seit 2010 biete ich kostenlose Sprechstunden via Skype an. Auch Apple hat mit iTunes ein kostenloses und sehr gutes Produkt, mit dem die Firma einen bleibenden Eindruck beim zukünftigen Kunden hinterlässt. Darüber hinaus habe ich im Zweitstudium meinen Master in
„Komplementäre Medizin“ absolviert, gemeinsam mit sehr wenigen Apothekern und fast ausschließlich mit Ärzten. So bin ich übrigens auch zu meinem Lehrauftrag an der Viadrina gekommen und habe dabei nicht nur unzählige Apotheker, sondern auch Ärzte schulen dürfen. Von dem regen Austausch während der Seminare profitiere ich immer wieder.

Eine Ihrer ungewöhnlichen Maßnahmen zur Neupositionierung Ihres Unternehmens ist der Aufbau eines Youtube-Kanals. Wie passt die schnelllebige Social-Media-Welt zum seriösen Apotheker?

Diese Art der Schnelligkeit ist ein riesiger Vorteil für Einzelunternehmer, gleich welcher Branche. Wer keine Webseite hat und nicht in den Sozialen Medien vertreten ist, ist mittel- bis langfristig nicht relevant. Wir müssen als Dienstleister dorthin, wo der Kunde ist. Der Kunde
muss das Unternehmen auf Anhieb im Netz finden und Produkte und Dienstleistungen erkennen, mit denen man sich von der grauen Masse abhebt. Man muss als erste Anlaufstelle für ein Thema wahrgenommen werden. YouTube eignet sich dafür besonders, weil es nicht nur die jungen Leute, sondern auch Senioren erreicht, die sich nicht in die Sozialen Medien trauen, aber ständig auf der Suche nach relevanten Informationen sind. Im letzten Jahr habe ich mit der Videoserie #revolutionpharmacy etwas „Frecheres“ begonnen.
Ein Partner aus der Filmbranche, der sonst Schauspieler und Redner schult, hatte meine Erklärvideos auf Facebook gesehen und mir vorgeschlagen, Erklärvideos mit einer informativen Story und bunter, schriller Animation zu machen. Trotz anfänglicher Bedenken funktioniert das Format inzwischen so gut, so dass ich jede Woche wichtige Entscheider aus der Apothekenbranche interviewen darf.

BUCHEMPFEHLUNG:

Warum haben Sie das Buch geschrieben? Wer sollte Ihr Buch lesen?

Die meisten Unternehmer schauen viel zu selten über den Tellerrand hinaus. Sie sind zu sehr mit dem Tagesgeschäft beschäftigt, arbeiten gezwungenermaßen im statt am Unternehmen und nehmen so große Chancen nicht wahr. Deswegen ist es mir wichtig, mit meinen Kernbotschaften eine Art Kompass für Kleinunternehmer zu geben. So etwas hat mir persönlich zu Beginn meiner Selbständigkeit trotz aller Freiheiten und Vorteile gefehlt.

Überall herrscht akutes Apotheken-Sterben. Was empfehlen Sie Kollegen beispielsweise gegen die starke Konkurrenz der Versand-Apotheken? Lässt sich diese Strategie auch auf andere Branchen übertragen?

Neben der extrem schnellen Lieferfähigkeit und dem Vollsortiment, das die Apotheken vor Ort anbieten, zählt vor allem eines: Menschlichkeit. Trotzdem geben immer mehr Apotheken auf.
Warum? Einmal abgesehen davon, dass die Politik hier versagt und die Standesvertretung viel zu passiv ist, sind Apotheker nicht nur Heilberufler, sondern auch Kaufleute. Das vergessen viele leider komplett oder merken es zu spät. Am Ende geht es auch in der Apotheke um den Gewinn. Als Kaufmann muss man die Stellschrauben Absatz, Preis und Kosten immer im Auge behalten und gleichzeitig dem Kunden eine verdammt gute Beratung bieten. Bei den betriebswirtschaftlichen Punkten greife ich gerne auf Profis zurück, damit unser Team sich fachlich und menschlich weiterentwickeln kann und sich auf die Kunden und die Kernkompetenzen
konzentrieren kann. Diese Strategie lässt sich so auch in andere Branchen übertragen.

Hinter einem gesunden Unternehmen steckt ein gesunder Unternehmer. Welche Gesundheitstipps sollten Unternehmer Ihrer Meinung nach unbedingt beherzigen?

Ich bewundere Unternehmer wie Elon Musk, die oft im Büro schlafen und 24/7 am Arbeiten sind. Gleichzeitig verachte ich die Art und Weise, wie diese hochgelobten Business-Rockstars ihr Personal behandeln. Neben einem fairen Lohn ist die Anerkennung der Mitarbeiter ein ganz entscheidender Punkt. Das gelingt, wenn man ihnen zuhört, sich in sie hineinversetzt und sie nicht als Kosten, sondern als wertvolles Privileg betrachtet. Das ist Chefsache. Wenn es den Angestellten gut geht, geht es dem Unternehmer auch gut. Dann hat der Unternehmer auch mehr Zeit für sich und seine Familie, Sport und ausreichend Schlaf.

Zum Abschluss: Was ist Ihr persönliches Warum, der Grund, aus dem Sie Unternehmer geworden sind?

Menschen sind für mich keine Ware. Jeder Mensch muss merken, dass es um ihn geht. Das ist mein wichtigster Glaubenssatz, mein WARUM. Ich will anderen helfen und Ihnen zeigen, dass es jemanden gibt, der sich kümmert.

Jan Reuter ist Inhaber einer Apotheke, die er mit unternehmerischem Engagement und cleverem Marketing zu einem überregionalen Anziehungspunkt entwickelte und damit in einem hart umkämpften Marktumfeld überdurchschnittlich erfolgreich aufstellte. Er ist für mehrere Unternehmen, insbesondere der Pharmabranche, als Berater tätig, war Dozent an der Europa-Universität Viadrina sowie an der Steinbeis-Hochschule Berlin. Vorträge für Apotheken wie auch für andere Branchen hält er zu den Themen Positionierung, Social- Media-Marketing und Branding sowie zu medizinischen und naturheilkundlichen Themen.
www.jan-reuter.com
YouTube-Channel: http://bit.ly/ApothekerJanReuter

(Redaktion)


 


 

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