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Schlau statt perfekt - Wie Sie der Perfektionismusfalle entgehen und mit weniger Aufwand mehr erreichen

Dr. Stefan Fourier ist Unternehmer, Autor, Business Consultant und Mentor aus Hannover. Er entwickelte praxistaugliche Modelle zum Umgang mit Komplexität, die Organisationen und Menschen erfolgreich und das (Arbeits-)Leben entspannter machen. Soeben ist sein neustes Buch „schlau statt perfekt. Wie Sie der Perfektionismusfalle entgehen und mit weniger Aufwand mehr erreichen“ bei BusinessVillage erschienen.

business-on: Herr Fourier, Sie haben ein neues Buch geschrieben, „schlau statt perfekt“. Wieso ist perfekt nicht gut, wieso muss man dem etwas entgegensetzen?

Dr. Stefan Fourier: Perfekt ist prima. Leider ist perfekt nie zu erreichen. Es geht namlich immer noch besser. Perfektion ist ein Phantom, dem man hinterherrennt, und es nie erreicht. Dann kann aus dem Streben nach Perfektion leicht Perfektionismus werden. Und das ist dann nicht mehr so prima.

business-on: Wieso? Was ist der Unterschied zwischen Perfektionsstreben und Perfektionismus?

Dr. Stefan Fourier: Perfektionsstreben ist ein gesunder Antrieb, leistungsfähig zu sein. Manche setzen es gleich mit Gewissenhaftigkeit, Genauigkeit, Fleiß und Umsicht. Perfektionismus dagegen ist zwanghaft. Er entsteht aus der Angst zu versagen.

business-on: Und was ist die Konsequenz dieser Zwanghaftigkeit?

Dr. Stefan Fourier: Perfektionisten sind einem erhöhten Distress ausgesetzt. Sie leiden unter Angststörungen, Appetitlosigkeit, Bulimie, Depressionen, sexuellen Funktionsstörungen und mitunter Alkoholismus. Also alles keine feinen Sachen. Um es mal ganz salopp auf einen Punkt zu bringen: Der Burnout lauert überall!

business-on: In Ihrem Buch schreiben Sie, man könnte mit 80% der eigenen Ressourcen 100% Leistung bringen. Was heißt das denn?

Dr. Stefan Fourier: Man muss sich zunächst einmal von der Vorstellung lösen, immer perfekt sein zu müssen. Das geht sowieso nicht und ist definitiv das falsche Ziel. Da wir alle im Beruf und auch im privaten Umfeld ziemlich unter Druck stehen, schlage ich vor, ein neues Paradigma auszuprobieren. Und das ist eben genau dieses 80-Prozent-Konzept. Mit 80 Prozent der Ressourcen 100 Prozent Leistung zu bringen, oder mehr.

BUCHEMPFEHLUNG:

business-on: Wie soll das gehen?

Dr. Stefan Fourier: Allein schafft man das nicht. Man muss sich Hilfe organisieren. Anders ausgedrückt: man muss sein soziales System so gestalten, dass die Arbeit, die Erledigung unserer Aufgaben mit weniger Aufwand läuft, Überflüssiges verschwindet, Doppelarbeit vermieden wird und Zusammenarbeit besser funktioniert.

business-on: Aber das ist doch ein alter Hut! Das stand doch in jedem Unternehmen immer schon auf der Agenda. Was hat es eigentlich gebracht?

Dr. Stefan Fourier: Naja, da müssen wir uns mal anschauen, was unter diesen Überschriften von Rationalisierung, Ablaufoptimierung, Lean Management und so weiter tatsächlich gemacht wurde. Alle diese Aktivitäten setzen bei den konkreten Prozessen an. Das heißt, man beschäftigt sich mit den Symptomen. Man versucht, Standards einzuführen, Abläufe zu automatisieren, Prozesse zu beschreiben, Leute zu trainieren, neue PCs anzuschaffen und die verschiedensten Tools zur Arbeitsorganisation einzusetzen. Sie haben Recht, das wird immer schon gemacht und hat genau bis zu dem Punkt geführt, an dem wir heute sind. Am Punkt permanenter Überlastung, für viele jedenfalls. Wenn wir dasselbe weitermachen, oder einfach nur mehr davon, wird sich nicht viel ändern.

business-on: Was schlagen Sie vor?

Dr. Stefan Fourier: Wir müssen auf einer anderen Ebene ansetzen, die der Komplexität unserer sozialen Systeme Rechnung trägt. (Das klingt ja ziemlich abstrakt!) Konkret heißt das zum Beispiel, dass wir uns mit den wirklichen Erfolgsfaktoren beschäftigen, die Menschen tatsächlich berühren. Jeder kann in seinem Umfeld nach Sinn, Vertrauen, Offenheit und Verantwortung schauen und überlegen, wie er oder sie, gemeinsam mit den Menschen seiner Umgebung an der Verbesserung dieser Werte arbeiten will. Jeder kann die Bedingungen und Regeln untersuchen, die sein Leben bestimmen, sie in Frage stellen und verändern. Jeder kann prüfen, ob die Rollen, in denen er täglich unterwegs ist, eigentlich wirklich zu ihm oder ihr passen und Veränderungen vornehmen. Natürlich wird dadurch nicht alles sofort perfekt, aber es wird besser. Man wird mit weniger Aufwand, also mit 80 Prozent eigener Ressourcen, die erforderlichen Leistungen bringen können. Manchmal in kleinen Schritten. Gemeinsam mit anderen gelingt es mit der Zeit aber immer besser. Deshalb heißt mein Buch „schlau statt perfekt“. Darin mache ich eine ganze Menge praktischer Vorschläge, was der Einzelne tun kann und schildere viele Beispiele, wie es von vielen tatsächlich gemacht wurde.

Herr Fourier, vielen Dank für das Gespräch.

(Redaktion)


 


 

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