27.08.2010  11:16 Uhr

Crash Kommunikation
Wenn Killerphrasen den Ton angeben

München. Wenn in einem Unternehmen sachliche Diskussionen unmöglich gemacht, wenn Einwände und Bedenken abgewürgt, neue Ideen ausgebremst und Mitarbeiter mundtot gemacht werden, ist das sehr gefährlich. Peter Klaus Brandl schreibt in Teil sieben über: „Crash Kommunikation“ oder: „Wenn Killerphrasen den Ton angeben“.

Das Crash-Beispiel: Dawson, Texas, Mai 1968

BUCHEMPFEHLUNG:

1980er Jahre, im Cockpit einer MD 82 – etwa zwei Minuten vor der Landung warnt der Kopilot den Kapitän: „Wir sind zu hoch und zu schnell. Antwort des Kapitäns: „Das kriegen wir schon hin.“ Eine Minute noch einmal das Gleiche: „Wir sind zu hoch und zu schnell.“ 20 Sekunden vor der Landung will der Kopilot erneut etwas sagen. In diesem Moment stupst der Flugingenieur den Kapitän an und fragt: „Was ist der Unterschied zwischen Enten und Kopiloten? Enten können fliegen.“ Eine halbe Minute später sind alle Insassen der Maschine tot, denn: Sie waren zu hoch und zu schnell – das Flugzeug schoss über die Landebahn hinaus und geriet in Brand.

CRASH-WARNUNG: Wenn die Kommunikation nicht klappt, klappt bald so einiges nicht mehr. Kommen in Ihrem Unternehmen Mitarbeiter zu Wort? Werden Ihre Hinweise ernst genommen?

Ein Unternehmensbeispiel: Grundig – der Niedergang einer Traditionsmarke

„Wofür können Sie denn schon Verantwortung tragen? Vielleicht für Ihr Einfamilienhaus, aber nicht für den Konzern. Der gehört doch mir.“ Das ist nur eines von zahlreichen Zitaten von Max Grundig, Gründer des einst größten Herstellers von Rundfunkgeräten in Europa, die seinen herrischen Charakter nur allzu deutlich widerspiegeln. Diese Überheblichkeit ist ihm irgendwann aber wohl vergangen: Nach vielen überaus erfolgreichen Jahren überschwemmten plötzlich günstige Produkte aus Japan den Markt – der Niedergang des Grundig-Imperiums begann. Nach einer gescheiterten Fusion mit Philips musste Grundig 2003 Insolvenz anmelden. Heute werden unter dem Namen „Grundig“ in der Türkei Flachbildfernseher produziert.

Die Billigkonkurrenz aus Fernost war mit Sicherheit ein wichtiger Grund, doch wenn die in der Presse kolportierten Zitate stimmen, war der herrische Kommunikationsstil des Gründers zumindest Mitursache dafür, dass das Unternehmen wie ein unbeweglicher Tanker unaufhaltsam auf die Pleite zutrieb. Wie viele Ideen, wie viel Engagement kann man noch von Vorständen erwarten, denen man ruppig sagt, sie könnten allenfalls für ihr Häuschen daheim Verantwortung tragen? Wie mutig müssen Mitarbeiter sein, um in einem solchen Klima noch vor Gefahren zu warnen und Verbesserungsvorschläge einzubringen? Wie viel Widerspruch kann ein Vorgesetzter dann wohl erwarten, selbst wenn er sich in wichtigen Unternehmensfragen völlig verrannt hat? Wenn in einem Unternehmen sachliche Diskussionen unmöglich gemacht, wenn Einwände und Bedenken abgewürgt, neue Ideen ausgebremst und Mitarbeiter mundtot gemacht werden, ist das sehr gefährlich – wie das Beispiel Grundig gezeigt hat.

ANTI-CRASH-FORMEL: Führen Sie gezielt Routinen und Spielregeln ein, die verhindern, dass Mitarbeitereinschätzungen und –warnungen voreilig abgebügelt werden oder untergehen.

Peter Klaus Brandl ist Managementcoach und Berufspilot. Seit 1993 berät und trainiert er Unternehmen in den Bereichen Kommunikation, Verhandlungstechniken und Konfliktmanagement. Zu seinen Kunden zählen Commerzbank AG, Credit Suisse AG, Logica Deutschland, Fresenius Medical Care u.a.


 

(Redaktion)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Reiner Schneider, Pixelio.de



 


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