19.07.2010  14:55 Uhr

Crash Kommunikation
Stress? Sagen Sie Ihrem Großhirn adé!

München. Unsere siebenteilige Serie zieht Parallelen zwischen der Fliegerei und dem Management großer Unternehmen. Peter Klaus Brandl stellt je einem verhängnisvollen Flugzeugcrash eine auf ihre Art ebenso gravierende Firrmenpleite gegenüber und deckt Kommunikationspannen auf. Teil eins: "Vergessen, die Landeklappen auszufahren“ oder: Wenn der Stress die Regie übernimmt“.

20. August 2008, Flughafen Madrid

Am 20. August 2008 stürzt eine Maschine der Spanair unmittelbar nach dem Start ab, 154 der 172 Passagiere sterben. Die Crash-Ursache: Die Landeklappen waren nicht ausgefahren. Eigentlich eine Routine, die jeder Pilot im Schlaf beherrscht. Wie konnte die Crew das einfach „vergessen“? Zwei Startabbrüche wegen blinden Alarms gingen dem Unglück voraus – verständlich, dass an Bord niemand mehr entspannt war. 162 ängstliche Passagiere, extreme Zeitnot, hoher Erfolgsdruck, die Anspannung der Crew steigt enorm – Stress!
So kurios es klingt, aber in vielen Unternehmen herrscht eine vergleichbare Situation.

KfW – eine Bank verschenkt 320 Millionen

Warum überweist eine deutsche Staatsbank 320 Millionen Euro an ein Pleiteunternehmen? Obwohl die Krise bei der US-Investmentbank Lehman Brothers schon in aller Munde war, zahlt die KfW noch am 15.09.2008 320 Millionen Euro an das insolvente Unternehmen. Die KfW stand zu diesem Zeitpunkt schon lange in der Kritik. Die Vorstandsvorsitzende Ingrid Matthäus-Maier entlassen, der neue Vorstand Ulrich Schröder erst zwei Wochen im Amt. Auch hier wieder: Stress! Der enorme Druck der Öffentlichkeit, ein neuer Vorstand, die Sorge um Posten auf allen Ebenen – kein Wunder, dass gravierende Fehler passieren.

Unter Stress: Großhirn ade!

Bei akutem Stress gibt das Stammhirn in unserem Kopf den Ton an. Das ist der Teil unseres Gehirns, in dem Vitalfunktionen und Grundemotionen lokalisiert sind. In dieser ältesten Gehirnregion dreht sich alles darum, das nackte Überleben zu sichern. Das Großhirn, der Sitz des Denkens und Planens, wird bei akutem Stress weitgehend ausgeschaltet. Und dann passieren gefährliche Fehler. Deshalb hier meine ultimative

ANTI-CRASH-FORMEL:
Fragen Sie sich in schwierigen Situationen gelegentlich: Wer führt Regie – Stammhirn oder Großhirn?


 

(Peter Klaus Brandl)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Gabal Verlag



 


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