Crash Kommunikation
Wie konnte das passieren - die Gemeinde der Sündenböcke wächst
München. Eine positive Fehlerkultur setzt eine Unternehmenskultur voraus, die akzeptiert, dass Fehler zum Arbeitsalltag dazugehören. Die Sündenböcke dafür sind schnell parat. Aber wieviel Anteil steckt in uns selbst? In Teil fünf erklärt Peter Klaus Brandl: „Blame Culture“ oder: „Warum Fehler vertuscht werden“

Gute "blame culture" fragt nicht: „Wer war das?“ sondern „Was können wir tun, damit das nicht wieder passiert?“
Ein (Beinahe-)Crash: Nordatlantik, Juli 1987
Zwei voll besetzte Passagierflugzeuge, die mitten über dem Atlantik ineinander rasen. Dieses Horrorszenario wäre im Sommer 1987 beinahe Wirklichkeit geworden. Nur einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass fast 600 Passagiere einem Crash um Haaresbreite entgingen. Was war passiert? Eine Maschine der Delta Air Lines und ein Jumbo-Jet der Continental waren am Nachmittag in London Gatwick gestartet. Durch einen Eingabefehler der Piloten in das Navigationssystem steuerte der Autopilot die Delta unbemerkt über 100 Kilometer vom vorgesehenen Kurs weg. Um 16:25 Uhr kreuzte ihr Flugzeug bei einer Geschwindigkeit von 900 Stundenkilometern die Route der Continental in einem Abstand von nur 20 Metern. Anstatt ihren Fehler zuzugeben, versuchte die Crew im Anschluss, den Fehler zu vertuschen: „Keiner außer uns weiß etwas davon, Ihr Idioten!“ Die Crew des Delta Fluges meldete den Zwischenfall nicht an die Luftraumkontrolle. Öffentlich wurde der Vorfall nur durch die Continental-Crew, weil aufgebrachte Fluggäste die Sicherheit der Route bezweifelten.
CRASH-WARNUNG: Wer zukünftige Fehler vermeiden will, muss über vergangene Fehler reden. Gibt es in Ihrem Unternehmen ein Non-Punishment Reporting System?
Weltwirtschaftskrise – Hauptsache, die Banker sind schuld
„Die gierigen Geldsäcke“, „Halbstarke, Pyromanen und Gangster“ – das sind nur einige der zahlreichenden zornigen Reaktionen der Medien, Politiker und Bankkunden auf die Lehmann-Pleite. So verständlich der Zorn ist, so leicht machen es sich Politik und Kunden, wenn sie die Verantwortung für Verluste ausschließlich auf die Gier und Glücksspielmethoden der Banker zurückführen. Statt Sündenböcke zu suchen und eilig milliardenteure „Rettungsschirme“ aufzuspannen, sollte man auch andere Fragen stellen: Ist es richtig, in Finanzprodukte zu investieren, die man selbst kaum oder gar nicht versteht? Ist es klug, sich blind auf Renditeversprechen zu verlassen? In Sachen Wirtschaftskrise haben viele Menschen Fehler gemacht: die US-Regierung, die US-Notenbank, die US-Hauskäufer, Investmentbanker, die Gesetzgebung in den USA, die deutschen Landesbanken, die deutsche Politik, die deutschen Bankkunden und und und. Sie alle verdrängen das eigene Versagen und schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Denn in die Opferrolle zu flüchten, ist allemal angenehmer, als sich den eigenen Fehlern zu stellen.
Fragen Sie also nicht: „Wer war das?“ sondern „Was können wir tun, damit das nicht wieder passiert?“
ANTI-CRASH-FORMEL: Eine positive Fehlerkultur (Gain-Culture) setzt eine Unternehmenskultur voraus, die von Offenheit, Fairness und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Und sie akzeptiert, dass Fehler zum Arbeitsalltag dazugehören.
(Redaktion)
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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Hans Snoek, Pixelio.de
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