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Microsoft-"Streetside"

Datenschützer droht Microsoft mit Verfügung

Der Streit um den geplanten Internet-Straßendienst "Streetside" von Microsoft zieht sich bis nach Ostern. Die Gespräche mit dem Konzern sollten erst nach den Feiertagen fortgesetzt werden, sagte der Chef des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht, Thomas Kranig, am Dienstag der Nachrichtenagentur dapd in Ansbach.

"Wir bestehen weiter bei 'Streetside' auf einem Vorab-Widerspruch - so wie Google das mit 'Street View' auch gemacht hat." Sollte der Konzern nicht einlenken, will Kranig das Veröffentlichen per Verfügung stoppen.

Microsoft will am 9. Mai damit beginnen, für seinen Konkurrenten von "Street View" Fassaden deutscher Städte zu fotografieren - zunächst in Nürnberg, Erlangen und Fürth. Mehr als 50 weitere Städte sollen folgen. Anders als Google plant Microsoft nicht, den Betroffenen vor Veröffentlichung die Möglichkeit einzuräumen, ihre Wohnungen und Häuser verpixeln zu lassen. Das will Microsoft nur nachträglich ermöglichen. Microsoft gab am Dienstag auf Anfrage an, dies sei "mit Veröffentlichung" des Materials und "ohne eine Zeitraumbefristung" möglich. "Streetside" soll in Deutschland noch im Sommer starten.

"Kamerafahrten nicht das Problem, aber Veröffentlichung"

"Betroffene müssen die Möglichkeit haben, die Veröffentlichungen vor dem Start des Produkts zu verhindern", forderte hingegen Kranig. Er sei an einer einvernehmlichen Lösung interessiert: "Unser Ziel ist es nicht, 'Streetside' zum Scheitern zu verurteilen." Kranig betonte jedoch, er werde darauf achten, dass die Interessen der Betroffenen gewahrt würden. "Wenn Microsoft das nicht macht, dann müssten wir eine Verfügung erlassen, die Microsoft untersagt, seine Aufnahmen ins Netz zu stellen." Das Unternehmen müsste dann dagegen vorgehen. Eine solche Verfügung wäre bundesweit bindend, sagte Kranig.

"Die Kamerafahrten sind nicht das Problem, aber die Veröffentlichung im Internet, solange Betroffene nicht vorher widersprechen können", sagte Kranig weiter. Er bedauerte zugleich, dass es unterschiedliche Rechtsauffassungen gebe. "Nach unserer Auffassung ergibt sich aus dem Bundesdatenschutzgesetz ein Vorab-Widerspruch. Microsoft sieht das anders." Dass für die geplante Erweiterung der Suchmaschine "Bing" Gesichter, Namensschilder und Kennzeichen verpixelt werden müssten, sei jedoch unstrittig: "Das macht Microsoft", sagte Kranig.

Auch Kamerafahrzeuge von Google wieder unterwegs

Ein Vorab-Widerspruch ist aus Sicht des bayerischen Datenschützers zwingend, da sonst die Gefahr bestehe, dass die ungewollten Bilder von Häusern und Wohnungen für immer und ewig im Netz blieben. "Wenn etwas im Internet veröffentlicht ist, dann ist es da. Dann kann auch niemand garantieren, dass das wieder gelöscht wird: Andere können es zwischengespeichert haben und immer neu veröffentlichen", sagte Kranig.

Google hat im Herbst 2010 Panorama-Ansichten für die Straßennetze von 20 deutschen Städten in "Street View" veröffentlicht, das wiederum eine Erweitung des Kartendienstes "Google Maps" ist. In diesem Frühjahr fahren neben Kamerawagen von Microsoft auch wieder Fahrzeuge von Google durch Deutschland. Diese Aufnahmen will Google nach eigenem Bekunden allerdings ausschließlich dafür nutzen, um die Navigationssysteme in "Google Maps" und seinem Handy-Betriebssystem "Android" zu verbessern und wertet dazu etwa Straßenschilder aus.

Internetnutzer ersetzen Verpixeltes mit eigenen Fotos

Die Aufnahmen von etwa 32 Millionen weiteren deutschen Haushalten, die Google bereits bei seinen ersten Fahrten abgedreht hat, will der Konzern zunächst nicht veröffentlichen. Internetnutzer arbeiteten unterdessen daran, die verpixelten Flächen in "Street View" wieder durch Originalaufnahmen zu ersetzen: Die Seite findedaspixel.de gibt Nutzern die Möglichkeit, Verpixeltes in "Street View" zu markieren und eigene Fotos von diesen Orten hochzuladen. Technisch nutzen die "Entpixler" den Dienst "Panoramio", der ebenfalls zu Google gehört. Das Portal listete am Dienstag bereits 50.000 verpixelte Häuser auf.

(dapd-bay Daniel Bouhs)


 


 

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