Trendtag 2010
"Zukunft entsteht an den Rändern unserer Gesellschaft"
München. Orkane und Hurrikans entstehen fernab unserer Lebensräume, oft auf dem Meer. Sie gewinnen an Kraft und Geschwindigkeit, um sich schließlich mit Macht auf dem Land auszutoben. Sie sind ein Modell für die Zukunft. Keiner kann Stürme oder Zukunft machen. Man kann sie nicht vorhersagen, aber beobachten und nutzen.

Peter Wippermann ist Gründer des Trendbüro und Professor für für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität, Essen.
Peter Wippermann, Gründer des Trendbüros und Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität, Essen, schreibt auf der Homepage des Deutschen Trendtages 2010: "Die Zukunft entsteht an den Rändern unserer Gesellschaft. Sie hat die Kraft, alle Lebensbereiche zu verändern. Die Alltagskultur passt sich nur zögerlich den neuen Umweltbedingungen an. Das gibt dem aufmerksamen Beobachter die Chance, über mögliche Zukünfte nachzudenken. Sturmvorhersagen analysieren die Wechselwirkung von Hoch- und Tiefdruckgebieten. Zukunftsszenarien entstehen aus der Abschätzung von Innovationen und kultureller Akzeptanz und heißen Trends.
Trends unterscheiden sich von Moden durch langsame Verbreitung
Trends sind Arbeitsbegriffe der sich entwickelnden Zukünfte. Sie benennen gemeinsame Anpassungsstrategien an eine sich verändernde Umwelt. Sie sind Bindungsangebote ohne Institutionen und ersetzen Traditionen. Trends und Gegendtrends bieten widersprüchliche Alternativen auf dieselbe Herausforderung. Sie kennzeichnen eine Entwicklungsdynamik von sieben bis zehn Jahren. Trends unterscheiden sich von Moden durch ihre langsame Verbreitung. Moden sind die kurzlebigen Indikatoren für Trends. Mehr zu seinen Ansätzen für den sozialen, technischen, ökonomischen und kulturellen Wandel erfahren Sie hier.
Zudem gibt Wippermann Ausblick auf die modernen Analyse-Tools zur Trendermittlung: "Heute ist es möglich, den Wertewandel in der Gesellschaft über Social-Media-Analysen im Web 2.0 zu erfassen. Zum ersten Mal können Trends nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ erfasst werden. Die Trendforschung, die in den neunziger Jahren in den hoch entwickelten Konsummärkten Amerikas und Europa sinnvoll wurde, findet ihre eigene Zukunft in der Social-Media-Analyse des Internets. Die langjährige Praxis der analogen Mustererkennung von gesellschaftlichen Veränderungen ist dabei durch Computerprogramme automatisiert zu werden."
Was sind die Megatrends in zwei Jahren?
Wippermann interessieren Trends, ihre Entstehung, Verbreitung und Auswirkungen auf Menschen, Gesellschaft und Unternehmen. Seit 15 Jahren analysiert der von ihm organisierte Deutsche Trendtag den kommenden Wandel. Ziel ist es zu definieren, was er für die Unternehmen bedeuten könnte. Zwei Jahre bevor ein neuer Megatrend auf den Massenmarkt trifft, werden hier von internationalen Wissenschaftlern und Experten Szenarien für morgen durchdacht.
Der Deutsche Trendtag gibt diesen Megatrends einen Namen. Einige dieser Arbeitsbegriffe haben den Weg in den Duden oder in die Alltagssprache gefunden. Begriffe wie „Ich-AG“ für die kommende Ökonomisierung unserer Privatsphäre (2000), „Schwarmintelligenz“ für die mögliche Effizienz von Web 2.0 durch Blogs, Wikis und Social Media (2005), oder „Simplexity“ für die Sehnsucht nach einfacher Entscheidungsfindung bei wachsender Komplexität (2007).
Schwerpunkt des Trendtages am 15. September in Hamburg ist in diesem Jahr: die Phänomene von Informationsüberladung und Burn-out in der Gesellschaft. Wippermann: "Der neue Gesellschaftstrend heißt „Flow.Control.“ und setzt auf Selbstkontrolle statt Systemkontrolle."
(Redaktion)
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