15.08.2011  15:32 Uhr

10 Fragen an...Dr. Michael Kerkloh
"Die Inbetriebnahme der dritten Startbahn ist im Winter 2015 möglich"

München. business-on.de sprach mit Dr. Michael Kerkloh, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH, über die dritte Startbahn im Münchner Flughafen.

business-on.de: Was sagen Sie zum positiven Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern?

Dr. Michael Kerkloh: Mit dieser Entscheidung hat die Genehmigungsbehörde nach intensiver Prüfung sämtlicher Aspekte dieses wichtigen Ausbauvorhabens den von der FMG dargelegten Bedarf ebenso wie die eingereichten Planungen für die dritte Bahn ausdrücklich bestätigt. Das freut uns als Flughafenbetreiber natürlich.

business-on.de: Was sind die größten Vorteile der Flughafenerweiterung?

Dr. Michael Kerkloh: Mit der dritten Bahn wird sich die Bewegungskapazität in München auf 120 planbare Starts und Landungen pro Stunde erhöhen. Dem Münchner Flughafen, aber auch den hier operierenden Luftverkehrsgesellschaften, verschafft die geplante Kapazitätserweiterung damit die nötige Planungssicherheit, um das Verkehrsangebot schrittweise auszubauen und so der steigenden Nachfrage auch langfristig gerecht werden zu können.

business-on.de: Was bedeutet die dritte Startbahn für den Münchner Flughafen?

Dr. Michael Kerkloh: Ich sehe diese Entscheidung als die wichtigste Weichenstellung für den Luftverkehrsstandort München seit der Verlagerung des Riemer Flughafens. Damit sind die genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen für eine langfristige Fortsetzung dieser bayerischen Erfolgsgeschichte geschaffen. Vom bedarfsgerechten Ausbau des Münchner Flughafens und der dadurch ermöglichten Ausweitung des Flugangebotes werden insbesondere die Bevölkerung und die heimische Wirtschaft profitieren

business-on.de: Und für die regionale Wirtschaft?

Dr. Michael Kerkloh: Das prosperierende Münchner Luftverkehrsdrehkreuz leistet schon heute einen maßgeblichen Beitrag zu Konjunktur und Beschäftigung im Freistaat Bayern. Seit der Eröffnung des Flughafens im Jahr 1992 ist das Verkehrsaufkommen massiv gewachsen. Rund 35 Millionen Passagiere und 390.000 Starts und Landungen wurden im Jahr 2010 registriert, damit hat sich das Fluggastaufkommen gegenüber dem Eröffnungsjahr 1992 etwa verdreifacht und die Anzahl der Flugbewegungen nahezu verdoppelt. Heute bietet der Flughafen München regelmäßige Verbindungen zu über 220 Zielen in 68 Ländern der Erde. Damit hat Bayern einen schnellen und direkten Zugang zu den wichtigsten Märkten und Metropolen in aller Welt. Mit insgesamt 30.000 Beschäftigten auf dem Flughafengelände ist der Münchner Airport zudem eine der größten Arbeitsstätten Süddeutschlands.

business-on.de: Was sagen Sie Gegnern der dritten Startbahn?

Dr. Michael Kerkloh: Wir verstehen selbstverständlich, dass unsere unmittelbaren Anrainer weiterhin gegen den Bau einer neuen Bahn sind. Deshalb ist es uns auch ein wichtiges Anliegen, den intensiven Dialog, den wir mit unseren Nachbarn zu diesem Thema führen, fortzusetzen und hier insbesondere durch die Arbeit im sogenannten Nachbarschaftsbeirat - in dem übrigens die Vertreter der betroffenen Gemeinden sitzen - zu Lösungen beizutragen, mit denen auch die Anwohner leben können.

business-on.de: Welche Belastungen könnten tatsächlich auf die Region zukommen?

Dr. Michael Kerkloh: Durch den Nachbarschaftsbeirat, der ja von Anfang an den gesamten Planungsprozess begleitet hat, ist es gelungen, bei diesem Ausbauvorhaben ein Maß an Transparenz herzustellen, das es bisher meines Wissens nach bei keinem vergleichbaren Infrastrukturprojekt in unserem Land gegeben hat. Gegenwärtig geht es im Nachbarschaftsbeirat unter anderem um die Verwendung der Mittel aus dem sogenannten Umlandfonds in Höhe von insgesamt 100 Millionen Euro, den die FMG freiwillig zur Verfügung gestellt hat, um Infrastrukturprojekte in der Region voranzubringen und besondere Härten im Zusammenhang mit der dritten Bahn auszugleichen. Auch dies ist ein absolutes Novum. Dass wir im Übrigen alle im Planfeststellungsbeschluss enthaltenen Auflagen, mit denen mögliche negative Auswirkungen einer dritten Bahn minimiert werden sollen, in vollem Umfang einhalten und erfüllen werden, versteht sich für mich von selbst.

business-on.de: Schützen die Auflagen und Schutzansprüche im Planfeststellungsbeschluss die Anwohner ausreichend?

Dr. Michael Kerkloh: Die im Planfeststellungsbeschluss enthaltenen umfassenden Auflagen und Schutzansprüche wurden nach erster Sichtung zugunsten der Lärmbetroffenen weit über das gesetzliche Maß hinaus ausgedehnt. Die FMG wird circa 100 Hausbesitzern in Attaching ein Kaufangebot machen. Das bedeutet aber nicht, dass die Eigentümer gehen müssen, sondern sie können sich auch für Schallschutzmaßnahmen und eine Entschädigung für die Außenwohnbereiche, wie Terrassen und Balkone entscheiden. Wir werden mit jedem Betroffenen einzeln reden und nach der optimalen Lösung suchen. Die FMG leistet ihren Beitrag dazu, mögliche Belastungen im Zusammenhang mit dem Bau und Betrieb der dritten Start- und Landebahn auf ein unvermeidliches Maß zu reduzieren.

business-on.de: Drohen in München auch Proteste wie bei Stuttgart 21?

Dr. Michael Kerkloh: Unseres Erachtens sind die beiden Projekte nicht miteinander zu vergleichen. Der bereits seit langem geführte Dialog mit den Flughafenanrainern wird von uns konsequent fortgesetzt. Die FMG wird die berechtigten Anliegen der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Diskussionen im Nachbarschaftsbeirat in bestmöglicher Weise berücksichtigen. Hierzu hat die FMG, wie bereits erwähnt, freiwillig und ohne gesetzliche Verpflichtung einen Umlandfonds in Höhe von 100 Millionen Euro eingerichtet, mit dem Härten und Belastungen, die im Zusammenhang mit der Ausbaumaßnahme stehen, ausgeglichen werden sollen.

business-on.de: Welche Hürden gibt es nach dem positiven Planfeststellungsbeschluss zu meistern?

Dr. Michael Kerkloh: Mit der genehmigungsrechtlichen Weichenstellung durch die Regierung von Oberbayern ist ein Sofortvollzug der Baumaßnahme verbunden. Da davon auszugehen ist, dass dieser Sofortvollzug beklagt wird, soll erst nach einer gerichtlichen Klärung mit den Baumaßnahmen begonnen werden. Die Entscheidung über den konkreten Baubeginn werden die Gremien der FMG treffen.

business-on.de: Für welchen Zeitpunkt schätzen Sie den Baubeginn ein?

Dr. Michael Kerkloh: Wir rechnen damit, dass der im Planfeststellungsbeschluss enthaltende Sofortvollzug vor Gericht angefochten wird. Diese Entscheidung wollen wir abwarten. Möglicherweise besteht bis zum Herbst 2012 Klarheit, sodass die Bauarbeiten dann beginnen können. Nach heutigem Stand ist also eine Inbetriebnahme der Startbahn im Winter 2015 möglich.


 

(Kathrin Hollmer)

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  • Dr. Michael Kerkloh
  • Flughafen München GmbH
  • Planfeststellungsbeschluss
  • Flughafenerweiterung
  • Startbahn
  • Baubeginn

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Dr. Michael Kerkloh



 


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3 Kommentare »

16.08.11 16:01 Uhr
BI Attaching
Betroffene werden ignoriert
Die Attachinger werden von den Auswirkungen der geplanten 3. Startbahn stärker betroffen sein, als irgendjemand sonst in den Landkreisen Freising und Erding. Täglich werden mehr als 500 Überflüge in 50 bis 80 m Höhe direkt über Attaching stattfinden. Der „gefühlte“ Lärm in Attaching erhöht sich durch die 3. Startbahn um das 4-fache. Bis zu 71 db (A) Dauerschall und weitaus lautere Einzelschallereignisse sowie Wirbelschleppen bis Windstärke 6 bei Starts und Landungen machen den Aufenthalt im Freien weitgehend unmöglich.

Dem Freisinger Stadtteil Attaching wird mit der 3. Startbahn die Zukunft entzogen. Der prognostizierte Fluglärm im gesamten Dorfgebiet verbietet eine weitere Wohnbebauung.

Mit dem Entschädigungsgebiet gem. Planfeststellungsbeschluß wird Attaching geteilt. Ein Teil der Attachinger kann der Lärmhölle von ca. 500 Überflügen in 50 bis 80 m Höhe entkommen, ein Teil nördlich und südlich des Entschädigungsgebietes muß bleiben.
Beide verlieren Ihre Heimat!

• Die, die gehen, verlieren Ihr Umfeld, Ihre Nachbarn und einen großen Teil der Kontakte.

• Die Rest-Attachinger, die bleiben (müssen), verlieren die Möglichkeit sich im Freien aufzuhalten (Lärm, Wirbelschleppen etc.); sogar die Kinder im Kindergarten in Attaching müssen sich zukünftig nur noch in geschlossenen Räumen aufhalten.
Eine soziales Leben wird nicht mehr stattfinden, da unsere Sportanlage nicht mehr betrieben werden darf.
Die jungen Attachinger werden gezwungen, weg zu gehen. Attaching, ein Dorf das es seit 790 n. Chr. gibt wird STERBEN.

Bisher wurden unsere Schreiben von Hr. Dr. Kerloh nicht beantwortet. Von Dialog mit den Betroffenen kann KEINE Rede sein.
17.12.11 16:11 Uhr
Robin
Fragenicht beantwortet
Leider hat Herr Kerkloh folgende Frage
business-on.de: Welche Belastungen könnten tatsächlich auf die Region zukommen?
Nicht beantwortet. Was sind denn nun die konkreten Belastungen, nicht nur für Attaching, sondern auch für Freising? Wird die Lärmbelästigung in Lerchenfeld steigen? Um welches Mass?
13.05.12 18:20 Uhr
Roland Wittmann
3. Startbahn
Die 100 Millionen, die die FMG als Lärmsc hutz bereitstellt, können Sie vergessen, wenn Sie damit eingesperrt werden, um Ruhe zu haben. Das ist doch für die Betroffenen keine Lösung!
Man macht mit der 3. Startbahn den Menschen die Heimat kaputt.

Roland Wittmann
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