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Edmund Stoiber

Memoiren veröffentlicht - Edmund Stoiber bastelt am eigenen Mythos

So hatte Edmund Stoiber sich das nicht vorgestellt. Drei Jahrzehnte lang hatte der CSU-Politiker die bayerische und deutsche Politik entscheidend mitgeprägt und wollte sie auch weiter gestalten, als ihn die eigenen Parteifreunde aus den Ämtern drängten.

Genau fünf Jahre nach seinem Rückzug als CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident veröffentlicht er nun seine Erinnerungen: Heute erscheint sein Buch mit dem Titel "Weil die Welt sich ändert".

Mit Spannung erwartet wird insbesondere Stoibers Schilderung der Umstände seines Sturzes bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion 2007 in Kreuth. Dort war deutlicher Unmut über den Parteichef laut geworden. Als sich dann der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein und Wirtschaftsminister Erwin Huber einigten, Stoiber als Doppelspitze zu beerben, kündigte er seinen Rückzug an.

Keine schmutzige Wäsche waschen

Überraschenderweise trägt Stoiber allerdings wenig zum Verständnis der Ereignisse bei. Während Beckstein im vergangenen Jahr in einem Buch seine Sicht auf den Sturz dargelegt und sich gegen Darstellungen gewandt hatte, es habe einen "Putsch" gegeben, verzichtet Stoiber auf eine Schilderung seines Rückzugs. "Natürlich kenne ich die Erwartungen an dieses Buch, aus dem Kreuther Nähkästchen zu plaudern. Nur: Viel ist nicht drin in diesem Nähkästchen, war doch die Öffentlichkeit Zeuge und in diesen Tagen des Januar 2007 gewissermaßen live dabei", schreibt er. "Und im Interesse unserer Partei liegt es mit Sicherheit nicht, die damaligen Diskussionen noch einmal auf die Bühne zu holen."

Stoiber begnügt sich damit, seine eigene Interviewaussage von 2007 zu zitieren, dass er nicht von sich aus seine Ämter "zur Verfügung gestellt habe oder zur Verfügung stellen wollte". Weder geht er auf die Gründe für den damaligen parteiinternen Unmut über ihn ein, noch erwähnt er die frühere Fürther Landrätin Gabriele Pauli (damals CSU), deren Bespitzelungsvorwürfe seinen Sturz zumindest beschleunigt hatten.

Über seinen überraschenden Verzicht aufs Ministeramt

Seinen überraschenden Verzicht auf ein Ministeramt im Bundeskabinett im Jahr 2005 erläutert Stoiber ausführlicher, ohne jedoch wesentlich Neues zu schreiben. Am Ende habe sich bei ihm die Erkenntnis durchgesetzt, "dass ein CSU-Vorsitzender, der zugleich Bayerischer Ministerpräsident ist, nicht nach Berlin gehen sollte, sondern für die CSU und Bayern außerhalb der Kabinettsdisziplin mehr bewirken kann". Auf die Spekulationen, dass er verärgert über CDU-Chefin Angela Merkel gewesen sei, weil sie sich beim Tauziehen um den genauen Zuschnitt seines geplanten Superministeriums nicht gerade intensiv für ihn eingesetzt habe, geht Stoiber nicht ein.

Zumindest erfährt der Leser, was beim legendären Wolfratshausener Frühstück aufgetischt wurde, bei dem Merkel dem damaligen CSU-Chef die Kanzlerkandidatur angeboten hatte. "Ich muss zugeben, das war mir an diesem Morgen nicht besonders wichtig." Aber gemeinsam mit seiner Frau habe er rekonstruiert, "dass es wohl frische Semmeln, Butter, Marmelade, Honig sowie etwas Käse und Wurst gab".

Würdigung der eigenen Lebensleistung

Stoiber geht es bei seinem Buch nicht um Enthüllungen, er will keine schmutzige Wäsche waschen. Vielmehr steht die Würdigung seiner eigenen Lebensleistung im Vordergrund. "Unter dem Strich bin ich dankbar und zufrieden mit rund dreißig Jahren hoher und höchster politischer Verantwortung, mit meinem Beitrag zu überwiegend guten Entwicklungen in Bayern und Deutschland in dieser Zeit und mit großen Wahlerfolgen meiner Partei." Chronologisch schildert er seine politische Laufbahn: Landtagsabgeordneter, CSU-Generalsekretär und enger Mitarbeiter von Franz Josef Strauß, bayerischer Innenminister, Ministerpräsident, CSU-Vorsitzender, Kanzlerkandidat.

Immer wieder kurzweilige Anekdoten

Immer wieder streut er kurzweilige Anekdoten ein, charakterisiert Mitstreiter und Gegenspieler, beschreibt aber auch ausführlich politische Erfolge im Freistaat - was sich streckenweise wie eine Werbebotschaft der Staatskanzlei liest. Viel Platz widmet er seinen Auslandsreisen und -kontakten und lässt dabei das Who's Who der Weltpolitik aufmarschieren: George W. Bush, Wladimir Putin, Nelson Mandela, Jassir Arafat, Ariel Scharon, Li Peng, Nicolas Sarkozy.

Zugleich lässt Stoiber auch keinen Zweifel daran, dass er sich selbst längst nicht zum alten Eisen zählt und vor politischem Gestaltungswillen sprüht. So ist sein 320 Seiten starkes Buch kein reiner Erinnerungsband, vielmehr befasst sich der CSU-Ehrenvorsitzende ausführlich auch mit aktuellen politischen Themen und Zukunftsfragen: von der Euro-Krise über die Herausforderung der digitalen Welt bis hin zur Zukunft der Demokratie . Es ist ein Buch, mit dem der 70-Jährige am eigenen Mythos eines visionären Ausnahmepolitikers bastelt.

(Edmund Stoiber: "Weil die Welt sich ändert", Siedler Verlag, München, 320 Seiten, 22,99 Euro, ISBN: 978-3-8275-0005-2)

(dapd-bay)


 


 

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