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Auszeiten sind wichtig

Dauer-Online vermindert Effizienz

Seit dem Siegezug der smartphones und des mobilen Internet ist man privat als auch beruflich allzeit erreichbar. Aber gerade diese ständige Erreichbarkeit, vor allem der Druck durch geschäftliche E-Mails, vermindert die Effizienz. Experten raten nun zu gezielten Auszeiten, in denen einfach mal abgeschaltet wird.

Die Harvard Business School-Forscherin Leslie Perlow hat ein Buch veröffentlicht, das ihre gesammelten Forschungsergebnisse zu den Nebenwirkungen der Ständig-Online-Kultur enthält, wie der Guardian berichtet. "Sleeping with Your Smartphone" liefert auch gleich Ansätze, wie Menschen im Berufsalltag mit der Anforderung, ständig erreichbar zu sein, umgehen können, um negativen Konsequenzen entgegenzuwirken.

Ihre Forschungen haben ergeben, dass das Kappen der Verbindung zum Internet zu sehr guten Resultaten führt, selbst wenn es sich nur um einige Stunden pro Woche handelt. Solche Maßnahmen greifen allerdings nur in der Gruppe und nicht für Einzelne.

"Kommunikation ist immer ein Ping-Pong-Spiel. Für Einzelne ist es gut, wenn sie ein Problem erkennen, Gegenmaßnahmen funktionieren aber immer nur, wenn alle mitziehen. In Zukunft wird es ein Teil der unternehmerischen Verantwortung sein, den Online-Druck einzudämmen. Der VW-Betriebsrat beispielsweise hat hier schon Regelungen durchgesetzt", sagt Expertinn Anitra Eggler.

E-Mails abrufen am Wochenende soll künftig als Zeichen schlechten Zeitmanagments gelten und nicht als vorbildlich, sagt die Autorin.

Immer verfügbar

Mit der Einführung der Smartphones haben E-Mails ihren Weg in unsere Hosentasche gefunden. Dadurch steigt für viele Menschen auch beruflich der Druck, rund um die Uhr erreichbar zu sein. Workaholics beantworten sogar mitten in der Nacht E-Mails aus anderen Zeitzonen.

Das liegt auch an der Angst, im Vergleich zu den Kollegen als unproduktiv zu gelten. Die Menschen betrachten ihre Unfähigkeit mit ihrem Mailverkehr Schritt zu halten als persönliches Problem. Laut Perlow liegt genau hier das Problem. Die E-Mail-Problematik ist laut der Expertin ein systemisches Problem, kein persönliches.

"Durch proaktives Herangehen können die Firmen hier viel erreichen. Verbote sind nicht der richtige Weg. Am Anfang muss hinterfragt werden, was gesundes Kommunikationsverhalten ist. Immer Online zu sein, ist gesund. Das geht vielleicht einige Jahre gut, aber kein Unternehmen will seine besten Leute in kurzer Zeit ausbrennen", so Eggler.

Schwierige Umstellung

Jemand, der in einer Firma beschäftigt ist, in der übermäßig viele Mails verschickt und angenommen werden, ist als Individuum machtlos. Kein Maß an Aufwand und Disziplin führt hier zum Erfolg, schreibt Perlow. Ihre Experimente haben der Forscherin allerdings gezeigt, dass es für ganze Gruppen sehr wohl einen Ausweg aus dieser Klemme gibt. Ihr "Predictable Time Off"-Ansatz (PTO) liefert gute Ergebnisse. Dabei nehmen sich Teams oder Abteilungen jede Woche zu vorbestimmten Zeiten einige Stunden Urlaub vom Internet. Die Verbindung via Smartphone und Computer wird einfach gekappt.

"Abhängig vom Berufsfeld sollten sich Menschen einige Stunden oder gar einen ganzen Tag pro Woche Zeit für die analoge Welt nehmen. Das ist gar nicht so leicht, da viele erst wieder lernen müssen, wie schön es ist, nicht immer erreichbar zu sein. Der Kopf muss eben auch manchmal defragmentiert werden. Wer ständig alles gleichzeitig macht, macht nichts mehr richtig", erklärt Eggler.

Die Untersuchungen wurden inzwischen auch auf größerem Maßstab wiederholt. Die Ergebnisse sind immer die gleichen: Die Offline-Genießer sind motivierter und zufriedener mit ihrer Arbeit und der Verteilung von Job und Freizeit. Außerdem berichteten die Versuchskaninchen, dass sie mit PTO effizienter, effektiver und gemeinschaftlicher arbeiten als ohne. Die Arbeit legt nahe, dass es gegen den Druck, immer erreichbar zu sein, tatsächlich Mittel gibt, wenn kollektiv an einem Strang gezogen wird.

"Online-Stress wird ein bestimmendes Thema bei Produktivitätssteigerungen werden. Für Unternehmen ist das schwierig, da eine Verhaltensänderung bei Mitarbeitern schwer zu erreichen ist. Die Verantwortlichen schaffen oft lieber neue Software an, statt die nötige Arbeit zu investieren", so Eggler.

(Redaktion)


 


 

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