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Salatfelder werden umgepflügt

EHEC-Erreger bringt bayerische Gemüsebauern in Schwierigkeiten

Nachdenklich wiegt Gemüsebauer Wolfgang Asbeck einen erntefrischen Salatkopf in seinen Händen. Dieser Eichenblattsalat wird niemals auf einem Teller landen. Stattdessen muss der Landwirt das ganze Feld mit Salatköpfen unterpflügen. "Die Leute haben Angst. Da können wir nichts machen." Seit der Welle von EHEC-Infektionen bleibt Asbeck auf seiner Ware sitzen.

Der 53-Jährige bewirtschaftet mit Frau und Sohn einen 80-Hektar-Hof in Haingersdorf im Landkreis Dingolfing-Landau. Seinen Salat liefert er normalerweise palettenweise an Kliniken und Gaststätten. Seit das Robert-Koch-Institut wegen der EHEC-Infektionen vor dem Verzehr von Tomaten, Gurken und Salat gewarnt hat, geht nichts mehr.

Asbeck erzählt: "Ich war heute in einem Altenheim. Die haben mich gleich wieder heimgeschickt. Auf Anordnung der Heimleitung wird kein frisches Gemüse mehr eingekauft."

Der Agrarberater Thomas Wirth bekommt die Verzweiflung der Gemüsebauern in diesen Tagen hautnah zu spüren. Der Gartenbauingenieur berät 200 niederbayerische Landwirte, sie sich in der Erzeugergemeinschaft für Obst und Gemüse Straubing zusammengeschlossen haben.

"Die Stimmung ist natürlich katastrophal", sagt Wirth. Alleine am Montag und Dienstag dieser Woche seien die Ordermengen für Frischgemüse bei den niederbayerischen Landwirten um 60 bis 90 Prozent zurückgegangen. "Die Bauern sind jetzt dabei, den ungeernteten Salat unterzupflügen", beschreibt der Berater die Situation auf den Feldern.

Einer dieser Landwirte ist Stefan Winetsdorfer aus Osterhofen im Landkreis Deggendorf. Normalerweise erntet er um diese Jahreszeit pro Woche 250.000 Salatköpfe der unterschiedlichen Sorten. "Wenn wir Glück haben, kommen wir in dieser Woche gerade einmal auf 20.000 Köpfe", beschreibt der Bauer das Ausmaß seines Verlusts.

Ein Hektar Salatfeld kostet 7.000 Euro

Dabei verliert der Landwirt nicht nur die Einnahmen aus dem Verkauf. Der finanzielle Verlust ist weitaus höher. Denn Salatanbau ist teuer. Die Bestellung von nur einem Hektar Ackerfläche schlägt nach Winetsdorfers Berechnungen mit 7.000 Euro für Setzlinge, Dünger und Arbeitszeit zu Buche. Sind die Pflanzen dann reif, bleibt nur ein Zeitfenster von drei Tagen für die Ernte. Danach ist der Salat unverkäuflich und muss untergepflügt werden. Die Zahlen lassen den Salatbauern resignieren: "Sie können sich ja ausrechnen, dass man das nicht unbegrenzt weitermachen kann."

Der Gemüsehandel in den großen Verbrauchermärkten sei im Zuge der EHEC-Krise völlig zusammengebrochen, sagt Fachberater Wirth. "Zugenommen hat zwar die Direktvermarktung, der Verkauf ab Hof oder auf Wochenmärkten." Der Fachmann schätzt jedoch, dass allenfalls fünf Prozent des in Bayern gehandelten Gemüses direkt vermarktet werden. Den Absatzeinbruch in den Supermärkten kann das nicht aufwiegen.

"Der Schaden durch die EHEC-Krise für Bayerns Gemüsebauern beträgt jeden Tag mehrere Millionen Euro", sagt der Geschäftsführer des Bayerischen Feldgemüseverbandes in München, Theo Däxl. Der Verbandssprecher hadert in den Tagen der EHEC-Krise vor allem mit der Politik. "Da werden allgemeine Befürchtungen gestreut", kritisiert Däxl. Die Verbraucher seien derart verunsichert, dass sie mittlerweile praktisch alle Gemüsesorten meiden würden.

Hilft mehr Regionalvermarktung?

Der Verbandsfunktionär fordert Konsequenzen aus der EHEC-Krise: "Wir müssen die Herkunft unserer Produkte künftig besser herausstellen", sagt Däxl. Die Großabnehmer im Handel seien an einer "möglichst austauschbaren Ware" interessiert. Dem müsse man mit einer gezielten regionalen Vermarktung entgegentreten. Däxl: "Ich hoffe, dass wir alle etwas aus dieser Krise lernen."

Gemüsebauer Asbeck setzt als Sofortmaßnahme lieber auf das kurze Gedächtnis der Verbraucher: "Ich glaube, in vier Wochen ist alles vergessen und die Leute kaufen wieder unseren Salat."

(dapd-bay Uli Scherr)


 


 

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