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Energiewende

Im Landkreis Hof entsteht der größte Windpark Bayerns

Bernd Hering liebt den Wind. Der 66-jährige SPD-Politiker ist nicht nur leidenschaftlicher Segler - im Landkreis Hof hat er als Landrat in den vergangenen zwei Jahrzehnten so viele Windräder wie nirgendwo in Bayern genehmigt. "Aktuell sind es 55.

 Das entspricht rund 10 Prozent aller Anlagen in ganz Bayern überhaupt", sagt Hering stolz. Mit dem Windpark Trogen, der derzeit im nördlichsten Zipfel des Landkreis direkt an der Grenze zu Sachsen und Thüringen entsteht, setzt der Landkreis nochmals neue Maßstäbe. 24 Räder sollen sich dort bis 2014 drehen und Strom für 150.000 Haushalte liefern. "Damit kann sich Hof in Sachen Energiewende wirklich sehen lassen", sagt Hering.
Aus Kleinsibirien wird größter Windenergie-Lieferant Bayerns

Der Energiewende schon jetzt weit voraus

Die Region Oberfranken schafft es normalerweise nur mit negativ behafteten Nachrichten in die Schlagzeilen. Einstiger Zonenrand, demografischer Wandel, Strukturschwäche und der Ruf als klimatisches Kleinsibirien sind die Assoziationen, die die waldreiche Region regelmäßig begleiten. Seit Jahren kämpft Hering gegen diese Vorurteile, mit bescheidenem Erfolg. "Die Region hat viel zu bieten. Eine moderne mittelständische Industrie, zentrale Lage in Europa und die Nähe zu Tschechien", sagt Hering. Und auch bei der Energiewende, dem jüngsten deutschen Großprojekt, sieht sich der Landkreis eigentlich seit Jahren schon dort, wo andere erst hinwollen. "Vor 18 Jahren gab es bei uns die ersten Anlagen. Also lange bevor die Energiewende überhaupt ein Thema war", sagt Hering.

Als Vorreiter wahrgenommen werden dürfte der Landkreis allerdings erst mit dem Einstieg der Regensburger Fronteris AG. Über 100 Millionen Euro will die Unternehmensgruppe bis 2014 in den Windpark bei Trogen stecken. "Wenn alle Räder am Netz sind, werden wir jährlich rund 140 Millionen Kilowattstunden kohlendioxidfreien Strom in das bayrische Netz einspeisen. Das gibt es ist in dieser Größenordnung bislang in Bayern noch nicht", sagt Andreas Böhm, Geschäftsführer des Projektes.

Aufschluss zu anderen Regionen

Damit schließt Oberfranken auf zu jenen Gegenden in Brandenburg oder Sachsen-Anhalt, wo schon vor Jahren unzählige Windräder aus dem Boden gewachsen sind. Dass seine Firma der Region jetzt erst den Anschluss zu den großen Windkraftnutzern ermöglicht, erklärt Böhm mit den lange Zeit fehlenden technologischen Möglichkeiten im Windkraft-Anlagenbau. "Um in Bayern die Windkraft nutzen zu können, brauchten wir hohe Räder. Und die gab es bis vor wenigen Jahren noch gar nicht", sagt Böhm.
Bürger-Windpark geplant

Bevölkerung früh und sanft mit eingebunden

Gerade ihrer Größe wegen waren die Räder in Trogen und den benachbarten Gemeinden nicht unumstritten. Mit 140 Meter Höhe überragen die Anlagen immerhin die Kirchtürme in der Region. "Da gab es natürlich hier und da Widerstand", sagt Landrat Hering. Dass sich dennoch keine einzige Bürgerinitiative zusammenfand, die aufbegehrt hätte, ist aus Herings Sicht einer bürgernahen Vorgehensweise geschuldet. "Das Projekt wurde sehr früh und sanft an die Bevölkerung herangetragen. Ohne eine vorherige Diskussion mit den Betroffenen hätten wir kein einziges Windrad genehmigt", sagt Hering.

Und auch die Betreiber haben sich in der vierjährigen Planungsphase an die gleichermaßen basisdemokratische wie erfolgreiche Strategie gehalten. "Im Unterschied zu anderen Konzernen sind wir nicht einem Rechtsanwalt gekommen, sondern haben mit den Leuten diskutiert", sagt Manager Böhm. Darüber hinaus will Fronteris die Bevölkerung am Wind in ihrer Region mitverdienen lassen. "Teile des Park werden als Kommanditgesellschaften finanziert. Wenn die Leute Anteile kaufen, könnte das dann quasi ein Bürger-Windpark werden", sagt Böhm.

(dapd-bay)


 


 

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