24.10.2011  16:52 Uhr

Erfindermesse in Nürnberg
Häuser im Legoprinzip und Navi für den Supermarkt

München. Auf der Erfindermesse in Nürnberg werden ab Donnerstag 750 Neuheiten aus aller Welt gezeigt.

Im Supermarkt verzweifelt herumirrende Verbraucher könnten bald den Schülern der Gewerblichen Schule Crailsheim dankbar sein. Sie entwickelten in einem Seminarkurs ein Navigationssystem zum Einkaufen. Es funktioniert über sogenannte RFID-Tags im Boden und kann den Verbraucher zielgerichtet zu den gewünschten Waren lotsen. Bei etwaigen Unverträglichkeiten gegen bestimmte Lebensmittelzusätze warnt das kleine Kästchen am Griff des Einkaufswagens. "Wenn man ein Produkt hinzufügt, das dies enthält, kommt eine Meldung", erläutert Felix Quäßner, einer von acht jugendlichen Tüftler aus Crailsheim die Funktionsweise.

Sie und viele andere stellen ihre Entwicklung bei der Internationale Fachmesse "Ideen - Erfindungen - Neuheiten" (iENA) in Nürnberg vor. 750 Erfindungen aus 30 Ländern werden dort ab Donnerstag zu sehen sein.

Dirk Müller-Conrady und Jack Müller aus Geldern in Nordrhein-Westfalen entwickelten ein Reinigungssystem für Tablet-PCs, die sich in eines der herkömmlichen Cover integrieren lässt und doppelt so dick ist wie etwa ein iPad. Beide hatten bei Präsentationen die Erfahrung gemacht, dass sich immer wieder unschöne Fingerabdrücke auf der Oberfläche finden. "Das Ding putzt jeder fast jeden Tag", kommentiert Müller. Mittels eines Mikrofasertuches, der sich auf einem Kunststoffrahmen bewegt, soll das künftig automatisiert werden. "Wenn man das Cover zumacht, wird das iPad gereinigt", erklärt er das System. Interesse bei Coverherstellern sei schon vorhanden, eine entsprechende Hülle könne für 60 Euro in den Handel kommen, schätzt Müller.

Ebenfalls schon auf reges Interesse ist die Erfindung von Gunther Plöttner aus dem thüringischen Gehlberg gestoßen. Er entwickelte über 15 Jahre Bausteine aus Polymerbeton und Wüstensand, die sich im Legoprinzip zu Häusern und ganzen Siedlungen zusammensetzen lassen. Haupteinsatzgebiet sind Übergangs- und Notunterkünfte. "Ein Haus mit einer Wohnfläche von 37 Quadratmetern ist von drei ungelernten Leuten in zwei Tagen aufgebaut", gibt er Auskunft. Fixiert werden die Elemente mit Gewindestangen und sie seien so auch wieder demontierbar. Anfragen kamen bereits aus Namibia, Bangladesch, Nigeria und Indien, sagt Geschäftsführer Gerhard Dust.

Zwölfjähriger entwickelt undurchtrennbares Stromkabel

Einer der jüngsten Erfinder ist der zwölfjährige Alexander Wilke vom Apian-Gymnasium in Ingolstadt. Er hat ein undurchtrennbares Stromkabel entwickelt. Es steckt in einer Schutzhülle, die so dick ist, dass sie etwa nicht von den Schneidezähnen einer Heckenschere erfasst werden. Das Ganze entstand im Erfinderclub in der Schule. "Ich hatte am Anfang die Idee, was zu machen, damit man nicht mehr über das Staubsaugerkabel stolpert. Dann ist halt das Heckenscherenkabel dabei rausgekommen", erzählt er. Wobei es einen realen Bezug gibt: Der Nachbar durchtrennte beim Heckenschneiden tatsächlich das Stromkabel.

Wie Wilke hoffen alle Tüftler, dass Industrie und Lizenznehmer bei der Schau vom 27. bis 30. Oktober auf ihre Exponate aufmerksam werden. Beispiele aus der Vergangenheit gibt es genügend: So wurde in Nürnberg etwa erstmals der Rollenkoffer, die aufrollbare Hundeleine und die Katzenklappe gezeigt. Und auch das "Dixi-Klo" war hier erstmals zu sehen.

Weitere Neuheiten bei der Erfindermesse in Nürnberg

  • Bahnübergangsfunkwarnsystem
  • Drucklufbetriebenes Rettungsgerät zur Bergung von Personen im Eis oder an Abhängen.
  • Elastische Bade- und Wellnesswannenliege
  • Geländegängiger Rollstuhl
  • Weitenverstellbarer Eierbecher und Kerzenhalter
  • Therapeutische Bandagen für Vierbeiner

 

(dapd-bay/ Ralph Bauer)

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