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Erfolgsfaktor - DIGITAL #1

Sascha Zöller im Interview mit Bernd Hilgenberg zum Thema Erfolgsfaktor DIGITAL – Teil 2

Digitalisierung ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Doch, jeder von uns hat eine eigene Definition was genau Digitalisierung bedeutet. Sascha Zöller möchte Menschen vorstellen, die durch den „Erfolgsfaktor DIGITAL“ beruflich erfolgreicher geworden sind. Dies können kleine persönliche, aber auch große unternehmensübergreifende Themen sein. Es geht nicht um eine lehrbuchhafte Bebilderung. Es geht um reale Menschen, die von Ihren Erfahrungen berichten und eventuell Andere ermutigen es Ihnen gleich zu tun.

Lesen Sie heute in Teil 2, warum Bernd Hilgenberg der Meinung ist, dass die Digitalisierung kein Trend ist und wie Unternehmen damit umgehen sollen.

Sascha Zöller: Welche Veränderungen mussten in der Organisation durch die eigenen Maßnahmen hinsichtlich der Digitalisierung unternommen werden?

Bernd Hilgenberg: Digitalisierung muss bei den Topmanagern ankommen. Dies ist in vielen Unternehmen leider immer noch nicht der Fall. Der Unternehmer bzw. das Topmanagement sind immer noch zu sehr mit der Old Economy und dem daraus resultierenden Denken verbunden. Dies führt gerade im Mittelstand dazu, dass viele Unternehmen jetzt anfangen, den Anschluss an die digitale Welt verlieren.


Sascha Zöller
: Werden aktuell Geschäftspartner, Kunden und Lieferanten systematisch und automatisiert in den Wertschöpfungsprozess integriert?

Bernd Hilgenberg: Die Integration von Geschäftspartnern ist z. B. im Handel ein Thema, was bereits seit Jahrzehnten läuft. Leider nur begrenzt erfolgreich. Themen wie z. B. EDI sind immer noch kein Standard in jedem Bereich des Handels. Dies liegt daran, dass die Vernetzung der Prozessketten bei vielen kleinen Unternehmen nicht im Fokus liegt. Hier fehlt schlichtweg das Knowhow. Der Druck für eine stärkere Integration externer Partner und Prozesse kommt meist von den großen Unternehmen Diese erhoffen sich durch eine stärkere Vernetzung und eine bessere Automatisierung eine höherer Wertschöpfung innerhalb der Prozesse. Eine weitere Erwartung ist zusätzliche Geschwindigkeit und eine Verbesserung der Qualität.

Sascha Zöller: Wie wird der Erfolgsfaktor DIGITAL die Fortbildung und auch die Qualifikationen von Mitarbeitern beeinflussen?

Bernd Hilgenberg: Digitale Kompetenz wird ein entscheidender Faktor für beruflichen Erfolg der Zukunft sein. Ganz so wie die Beherrschung von Fremdsprachen gehört heute ausreichende digitale Kompetenz zu den Basics einer modernen Ausbildung. Aus diesem Grunde wird sich das Thema Fortbildung zum einen immer stärker dem Thema Digitalisierung widmen. Zum anderen werden in der Fortbildung auch immer mehr die modernen Techniken der Digitalisierung zur Basis für das Lernen werden. Angefangen von virtuellen Schulungsräumen bis hin zum gemeinsamen konstruieren an verteilten Standorten. Mitarbeiter, die sich gut in den digitalen Themen auskennen, werden zukünftig nicht nur besser bezahlt werden. Sie werden auch schneller Karriere machen.

Sascha Zöller: Datengetriebene Entscheidungen sind ein Teil der Digitalisierung. Betreibt Dein Unternehmen bereits systematische Datensammlung/Auswertung und werden diese Daten als Entscheidungsgrundlage hinzugezogen?

Bernd Hilgenberg: Datengetriebene Entscheidungen sind nicht neu. Vor der Zeit der Digitalisierung basierten diese Daten auf manueller Erhebung. Heute werden mehr Daten schneller automatisch erhoben. Die Notwendigkeit zur Analyse und der daraus folgenden Entscheidungsfindung ist dadurch an vielen Stellen einfacher geworden. In den Grundzügen hat allerdings nichts geändert. Aus diesem Grunde sehr ich beim Thema datengetriebene Entscheidungen lediglich eine Ausweitung des Entscheidungsraumes und keine grundlegende Innovation

Sascha Zöller: Sind verschiedene Systeme wie ERP, CRM, etc. bereits mit einander vernetzt oder existieren noch getrennte Silo-Datenhaltung?

Bernd Hilgenberg: In vielen Unternehmen sind diese Systeme immer noch mehr schlecht als recht miteinander verbunden. Dies liegt zum einen an der der Komplexität der Systeme verbunden mit den hohen Kosten bei der Ablösung. Zum anderen haben viele Unternehmen keine ausreichenden Kompetenzen an Board, die eine optimale Integration dieser Systeme nach vorne treiben können. So wird aus der Not heraus ein nicht optimaler Status quo aufrechterhalten.

Sascha Zöller: Wie sehen die mittelfristigen Investitionen im Bereich der Digitalisierung aus? Wird es eine Verschiebung oder eine Aufstockung sein?

Bernd Hilgenberg: Es wird klar eine Verschiebung in Verbindung mit einer Aufstockung in Richtung Digitalisierung geben. So ist z. B. im Handel aktuell immer noch ein Großteil der Werbeausgaben auf Print konzentriert. Dieser Anteil wird in der kommenden Zeit abschmelzen und in den Bereich Online transferiert werden. Zudem werden zusätzliche Budgets notwendig, um den erweiterten Möglichkeiten der Digitalisierung Rechnung tragen zu können. So, wie in diesem Beispiel wird es in vielen Branchen eine klare Verlagerung von analog nach digital geben.

Sascha Zöller: Was war Dein Treiber die Digitalisierung in Deinem Unternehmen einzuführen/umzusetzen?

Bernd Hilgenberg: Ich persönlich habe die Einführung von Digitalisierung immer dann erlebt, wenn unternehmerisches Handeln eingeschränkt war. Mit den Möglichkeiten der Digitalisierung sollte dann diese Handbremse gelöst werden. Ein proaktives Handeln, um sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen, habe ich in meinem Berufsleben leider eher selten erlebt.

Sascha Zöller: Besteht oder bestand die Gefahr des Arbeitsplatzverlust durch die Digitalisierung? Wie bist Du und Deine Kollegen im Unternehmen damit umgegangen?

Bernd Hilgenberg: Digitalisierung wird auf der einen Seite ganz klar Arbeitsplätze kosten. Dies ist eine Tatsache, die nicht beschönigt werden sollte. Die Arbeitsplätze werden primär in Bereichen wegfallen, die durch Digitalisierung automatisiert werden. Allerdings werden auch neue Arbeitsplätze geschaffen. Digitalisierung wird zudem neue Berufsbilder schaffen, die es vorher nicht gegeben hat. Allerdings wird bei der Digitalisierung eine Verlagerung von Qualifikationen stattfinden. Gering qualifizierte werden durch die Digitalisierung das Nachsehen haben. Ich selbst habe erlebt, wie die Digitalisierung Kollegen neue interessante Aufgaben geben konnte

Sascha Zöller: Wenn Du heute an den Erfolgsfaktor DIGITAL denkst, was hat aus Deiner Sicht die Menschen und die Welt bereits heute stark verändert, verbessert?

Bernd Hilgenberg: Die Vernetzung der Menschen ist in einem Maße besser geworden, wie das vor 10 Jahren noch nicht vorstellbar war. Heute können Informationen in Sekundenschnelle global verteilt werden. Auf diese Weise ist das Verteilen von Wissen viel einfacher geworden. Innovationen haben so die Möglichkeit, viel schneller eine große Reichweite zu erzielen. Zudem können sich Experten viel schneller vernetzten. Aus diesem Grunde wird es durch die Digitalisierung zukünftig viel schneller und viel mehr Innovationen geben.

Sascha Zöller: Was würdest Du heute anders machen und welchen Empfehlungen kannst Du den Lesern geben?

Bernd Hilgenberg: Ich würde mich zu Beginn noch viel intensiver mit den Möglichkeiten der sozialen Medien auseinandersetzen. Ich meine damit allerdings nicht die Freunde auf Facebook. Es geht darum Kontakte für das eigene Geschäft zu knüpfen. Reichweite ist heute ein wichtiger Faktor für Erfolg. Auf diese Weise erfahren nicht nur viele von neuen Ideen, man lernt auf diese Weise auch viele neue interessante Menschen kennen. Ich empfehle daher die für das Geschäft relevanten sozialen Netzwerke aufmerksam zu pflegen und damit nachhaltig am Leben zu halten

Sascha Zöller: Bernd, welche Frage wurde noch nicht gestellt, sollte aber unbedingt gestellt werden und an Wen?

Bernd Hilgenberg: Eine für mich wichtige Frage ist, wie wir es schaffen Unternehmenslenker und Mitglieder des Topmanagements mehr für die Digitalisierung zu interessieren. Digitalisierung wird heute vielfach noch in der Technikecke verordnet. Dort gehört sie schon lange nicht mehr hin. Ich plädiere dafür in den Managementkreisen verstärkt das Thema Digitalisierung zu diskutieren. Ein weiterer für mich wichtiger Aspekt ist die mangelnde digitaler Kompetenz in Aufsichtsräten und Beiräten. Diese Gremien haben die Aufgabe, die Unternehmensleitung zu überprüfen. Da das Thema Digitalisierung immer wichtiger für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen wird, erscheint es mir folgerichtig zu sein, diese Gremien mit digitaler Kompetenz zu verstärken. Ganz so, wie es z. B. in den Bereichen Finanzen und Vertrieb heute schon der Fall ist.

Sascha Zöller: Vielen Dank für das ausführliche Interview und weiterhin viel Erfolg.

Fazit von Bernd Hilgenberg:
Unternehmen müssen sich den digitalen Herausforderungen unserer Zeit immer schneller stellen. Hierzu bedarf es einer intelligenten Strategie. Digitalisierung ist kein Trend, der vorüber geht. Unternehmen sollten sich diesem Thema proaktiv stellen. Dabei ist darauf zu achten, dass dies nicht primär durch die IT erfolgt. Digitalisierung ist Chefsache.

Bernd Hilgenberg ist zentraler Ansprechpartner für Unternehmen, die ihre Unternehmensstrategie mit den Anforderungen der Digitalisierung intelligent verknüpfen wollen. Seit über 25 Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Digitalisierung. Lange bevor der Begriff der Digitalisierung die Medienlandschaft prägte, hat er mit Hilfe von Informationstechnologie Unternehmensprozesse und -strategien optimiert. Für diese Arbeit ist er mehrfach ausgezeichnet worden.
www.digitalanpassen.de

(Sascha Zöller)


 


 

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