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Arbeit suchen in Bayern

Erste grenzüberschreitende Jobbörse für Hotellerie und Gastronomie im Erzgebirge fand großem Anklang

Dienstagmorgen in der Stadthalle im sächsischen Marienberg: Dicht an dicht drängen sich Jugendliche und Erwachsene in den Saal, wo die Arbeitsagentur Annaberg-Buchholz die erste grenzüberschreitende Jobbörse für Hotellerie und Gastronomie veranstaltet. Rund 40 Aussteller informieren über Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland, Tschechien und Österreich.

Zielstrebig steuern Heike und Katrin Ulbricht auf den Fachvermittlungsdienst Holzkirchen der Arbeitsagentur zu. "Mein Bruder arbeitet seit dem Frühjahr als Koch in Bayern", sagt Katrin Ulbricht. Da sie nach ihrer Ausbildung an der Hotelfachschule Pirna keine Stelle gefunden habe, wolle sie es nun auch dort versuchen. Ihre Mutter, seit kurzem als Produktionsarbeiterin arbeitslos, hat sich gleich mit als Hilfskraft beworben.

Nach kurzem Gespräch sind die Personalien notiert und in einer sich zusehends füllenden Mappe abgelegt. "Bei dem Andrang können wir
die Gesuche erst daheim sichten", sagt Susanne von Zimmermann. Die
bayerische Agentur sucht derzeit Arbeitskräfte für den Winter im Allgäu - etwa von Anfang Dezember bis Ostern. "Wir gehen dorthin, wo es nicht so viel Wintertourismus gibt. Viel versprechen wir uns auch von einer Werbetour in Berlin", sagt von Zimmermann. Das Problem in den deutschen Alpen sei die Nähe zu Österreich, wohin die einheimischen gelernten Kräfte abwanderten. Dort werde in der Regel besser bezahlt und die Arbeitgeber stellten auch die Unterkunft, was im Allgäu nicht gang und gäbe sei.

Eine ordentliche Unterkunft und gute Bezahlung ist auch für Bärbel Sittig und ihre Freundin wichtig. Die beiden sind extra aus Aue nach Marienberg gekommen und haben sich bei der bayerischen Vermittlung als Beiköchin und Zimmermädchen registrieren lassen. "Ich bin erst mal froh, wenn ich einen Job habe, egal wo. Geld brauche ich erst mal für den Führerschein", sagt die 21-jährige Bärbel. Eine Arbeit in Tschechien käme allerdings nicht infrage. Da fehlten ihr die Sprachkenntnisse und überhaupt wisse sie zu wenig über das Nachbarland.

Die Börse bringt erstmals Arbeits- und Ausbildungssuchende, Ermittler und Arbeitgeber von beiden Seiten des Erzgebirges zusammen. "Noch sind die gegenseitigen Möglichkeiten beschränkt, aber mit der Arbeitnehmer-Freizügigkeit voraussichtlich ab Mai 2011 öffnet sich der Markt. Darauf wollen wir die jungen Leute schon heute vorbereiten", sagt der Leiter der Arbeitsagentur Annaberg, Gerhard Rohde.

Nach seinen Angaben gibt es im erzgebirgischen Gastgewerbe derzeit 351 freie Stellen, auch wurden in diesem Jahr 217 Ausbildungsplätze bereitgestellt. Damit sieht es in der größten sächsischen Mittelgebirgsregion besser aus als im Durchschnitt der Branche, wo von 6,9 Prozent Umsatzeinbruch im ersten Halbjahr und drastischem Abbau fester Stellen die Rede ist.

Zwar schränkt Rohde ein, dass die Arbeitskräftesuche auch der bevorstehenden Wintersaison geschuldet sei, aber generell wolle man vor allem jungen Leuten mehr Perspektiven öffnen. Dadurch wird sich die touristische Qualität in der Region verbessern. Landrat Frank Vogel (CDU) sieht das ähnlich. Er hoffe natürlich, dass die Fachkräfte nach einer gewissen Zeit ins Erzgebirge zurückkehrten. Ein Fakt, den Heike Ulbricht im Fall ihres Sohnes schon verneint. Der habe beim letzten Besuch seine Sachen endgültig gepackt.

Die Personalchefin des Grandhotels Pupp in Karlovy Vary
(Karlsbad), Leona Prenkova, kann es sich schon vorstellen, dass bei
18 Prozent deutschen Gästen in ihrem Haus eines Tages deutsches
Personal eingestellt werde. Unbedingte Voraussetzung seien aber
tschechische Sprachkenntnisse. Aber momentan leide auch Tschechien
unter der Krise und es bestehe kein Bedarf. Und wie die tschechischen
Vertreter zugaben, ist der Verdienst dort deutlich schlechter.

So werden die jungen Köche und Kellner wohl weiter vorrangig in den Westen ziehen. Bei gerade mal 20 Prozent Tarifbindung im sächsischen Gastgewerbe spricht Michael Brunner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Chemnitz von ziemlich großer Ausbeutung. Doch die Arbeitgeber machen keinen Hehl daraus, dass für gutes Geld ordentlich gearbeitet werden müsse: "Ein Bewerber, der allen Ernstes eine Arbeit von Montag bis Donnerstag sucht, ist in unserer Branche falsch", sagt der Geschäftsführer des Panoramic-Hotels Bad Lauterberg, Matthias Seidel.

(ddp)


 


 

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