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Unternehmensgründer

Ist Existenzgründung nur was für Narzisten?

Mit Ihrem Song „Du musst ein Schwein sein“ scheint die deutsche Pop-Band „Die Prinzen“ zumindest in Bezug auf Unternehmensgründungen Recht zu haben. Wie Wissenschaftler der Universität Hohenheim, der Hochschule Reutlingen und der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster nun in einer Studie herausgefunden haben, haben selbstverliebte Persönlichkeiten eine höhere Neigung Unternehmen zu gründen.

Hochwertige Businesspläne stammen dagegen eher aus der Feder von Machiavellisten, wie die Forscher heraus fanden. Sie untersuchten bei ihrer Arbeit den Einfluss der sogenannten „Dunklen Triade der Persönlichkeit“ in der Phase vor der Unternehmensgründung. 

Jährlich Milliardenschäden durch kontraproduktive Mitarbeiter

Deutschen Unternehmen entstehen jährlich Schäden in Milliardenhöhe durch kontraproduktive Verhaltensweisen ihrer Mitarbeiter. Zur Erklärung und Prognose von Integrität und kontraproduktiven Verhaltensweisen werden drei Konzepte aus der klinischen und differentiellen Psychologie herangezogen, die als „Dunkle Triade der Persönlichkeit“ bezeichnet werden: Narzissmus, Psychopathie sowie Machiavellismus. Einige der Kernmerkmale der „Dunklen Triade“ werden jedoch von zukünftigen Mitarbeitern, insbesondere solchen in Führungspositionen, erwartet und deshalb im Rahmen der Personalauswahl ganz gezielt gesucht. 

Die „Dunkle Triade der Persönlichkeit“

Narzissmus, Machiavellismus und unterschwellige Psychopathie: Verbunden werden diese Eigenschaften meist mit einer Reihe unbeliebter Merkmale wie Härte, Rücksichtslosigkeit, übersteigertes Selbstbewusstsein oder emotionaler Kälte. Gleichzeitig aber haben sie Merkmale wie etwa Risikoneigung, Machtstreben und den Drang nach Selbstbestätigung, die in Führungspositionen oft anzutreffen sind. In der Studie untersuchten die Wissenschaftler, wie sich diese „Dunkle Triade der Persönlichkeit“ auf die Gründungseignung und Leistung bei der Erstellung von Businessplänen auswirkt.

Beate Cesinger, Mitarbeiterin am Stiftungslehrstuhl für Unternehmensgründungen und Unternehmertum (Entrepreneurship) der Universität Hohenheim, und Petra Gelléri von der Deutschen Hochschule der Polizei, erläutern: „Bisherige Forschungsarbeiten haben sich immer nur mit positiven Charakterzügen beschäftigt. Unsere Ergebnisse zeigen: Auf den ersten Blick können negative Persönlichkeitseigenschaften wie Narzissmus und unterschwellige Psychopathie bei der Überlegung, selbst eine Firma zu gründen, förderlich sein.“ 

Anfangserfolge sind nicht unbedingt nachhaltig

Der Grund: Narzissten und unterschwellige Psychopathen verfolgen wohl eher Geschäftsideen, da sie einerseits stärker nach Geld, Macht und Status streben als andere Menschen, und sie andererseits ihr stark übersteigertes Selbstbewusstsein an eigene, scheinbar überragende Fähigkeiten und Erfolg bei der Unternehmung glauben lässt. 

Machiavellisten sind „manipulative Machtmenschen“?

Problematisch ist das deshalb, weil diese Fähigkeiten in der Realität nicht unbedingt immer vorhanden sind, warnen die Wissenschaftler. Vergleicht man die Leistungen von Narzissten und unterschwelligen Psychopathen etwa bei der Erstellung eines umfassenden Businessplans nämlich mit Machiavellisten, den „manipulativen Machtmenschen“, dann schneiden Narzissten signifikant schlechter ab. Während sich Machiavellisten durch eine eher realistische Weltsicht auszeichnen und sich auf ihr Ziel fokussieren, geben sich Narzissten keine sonderlich große Mühe, denn sie halten sich ohnehin für die Besten und meinen, im Wettbewerb keine großen Anstrengungen aufbringen zu müssen. 

Vor allem Investoren sollten das Motiv für das Gründungsinteresse kennen

Die Untersuchungsergebnisse haben eine ganz konkrete Bedeutung für die Praxis: Gerade in der Beratung und Betreuung von Gründungsinteressierten oder bei Investmententscheidungen von Gründungsfinanziers ist es wichtig zu wissen, ob das Gründungsinteresse echtes Interesse oder nur die Ausprägung einer narzisstischen Persönlichkeit ist. Die Universität Hohenheim hat daher ein berufsbezogenes Verfahren zur Diagnostik der Dunklen-Triade-Eigenschaften entwickelt. Dominik Schwarzinger, Mitarbeiter am ehemaligen Lehrstuhl für Psychologie der Universität Hohenheim, erläutert in einer Pressemitteilung:
„Das Verfahren soll Organisationen dabei unterstützen, die richtigen Menschen für die Positionen zu identifizieren, bei denen Chancen oder Risiken dunkler Persönlichkeitseigenschaften für den späteren Erfolg eine Rolle spielen.“ 

Quelle: Universität Hohenheim

Weitere Informationen zu dem Thema gibt es bei www.business-wissen.de.

(Redaktion)


 


 

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