Sie sind hier: Startseite München Lokale Wirtschaft
Weitere Artikel
Export

Exporte in Bayern eingebrochen

Wirtschaftsminister zeigt sich für 2010 "verhalten optimistisch" - Opposition fordert Umdenken

Die weltweite Wirtschaftskrise hat in Bayern zu deutlichen Exporteinbrüchen geführt. Die Ausfuhren sanken im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2008 um 20,4 Prozent auf 124 Milliarden Euro, wie Wirtschaftsminister Zeil (FDP) am Montag in München sagte. Das Bruttoinlandsprodukt brach im Freistaat real um fünf Prozent ein. "Der Sturz war tief", resümierte Zeil. Für das laufende Jahr zeigte sich der FDP-Politiker "verhalten optimistisch" und prognostizierte einen moderaten Anstieg der Wirtschaftsleistung um real gut 1,5 Prozent. Zugleich warnte er vor "voreiliger Euphorie". Die Grünen im Landtag sowie der DGB forderten von der Staatsregierung ein "Umdenken in der Wirtschaftspolitik".

Am stärksten betroffen vom Exporteinbruch waren die Ausfuhren nach
Russland (minus 44,3 Prozent), Schweden (minus 26,6 Prozent), Spanien (minus 26,3 Prozent) und in die USA (minus 25,2 Prozent). Ein
"Lichtblick" war hingegen der Export nach China, wie Zeil betonte. Die Ausfuhren in das Land stiegen um 6,8 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro.

Kräftige Einbußen hatte auch die Industrie mit einem Minus von 17,4 Prozent zu tragen. Es gebe jetzt viel aufzuholen, betonte Zeil. Bayern müsse jetzt alles daran setzen, eine neue Wachstumsdynamik anzustoßen. Die massiven Umsatzeinbrüche von 2009 und schwach
ausgelastete Kapazitäten bei hohem Personalstand zehrten an der
Substanz der Betriebe. Zögen die Aufträge nicht bald nachhaltig an, sei ein deutlicher Anstieg der Insolvenzen und Arbeitslosenzahlen zu befürchten. Den Aufschwung bezeichnete der Minister als "nach wie vor
labil".

Der Wirtschaftsexperte der SPD-Fraktion, Paul Wengert, betonte, er teile den vorsichtigen Optimismus des Ministers. Nun müsse allerdings alles vermieden werden, "was die Stimmungslage beeinträchtigt".

Die Landtags-Grünen sowie der DGB forderten hingegen von der
Staatsregierung als Konsequenz aus der Wirtschaftslage ein Umdenken. "Angesichts der Krise muss endlich umgesteuert werden hin zu einem nachhaltigen Wirtschaften", sagte Grünen-Wirtschaftsexperte Martin Runge. Die ökologische Modernisierung müsse vorangetrieben werden, zudem müssten eine ökologisch und sozialverträgliche Infrastruktur geschaffen und ein leistungsfähiges, hochwertiges und gerechtes Bildungssystem gestaltet werden.

Bayerns DGB-Vize Christiane Berger machte ferner "die durch die
Staatsregierung betriebene einseitige Ausrichtung der bayerischen
Industrie als 'global player' " mitverantwortlich dafür, dass die Krise die Industrie besonders hart getroffen habe. Drei Faktoren hätten 2009 die Folgen der Krise abgefedert: der private Konsum, eine vergleichsweise stabile Beschäftigung in kleinen und mittleren Unternehmen sowie die deutlich ausgeweitete Möglichkeit zur Kurzarbeit.

Dies zeige, in welche Richtung es gehen müsse, betonte Berger. Der
DGB verlangt daher vom Wirtschaftsministerium "Konzepte für eine
Wiederbelebung binnenwirtschaftlicher Kreisläufe mit einer starken
ökologischen Komponente".

Auch die Freien Wähler mahnten, die Rahmenbedingungen für eine
starke Wirtschaft in Bayern müssten verbessert werden. Dies gelte
besonders für die Ausbildungsfähigkeit jugendlicher Schulabgänger,
sagte Fraktionschef Hubert Aiwanger. Zudem müssten strukturschwache Gebiete gezielt gestärkt werden.

Aiwanger kritisierte zudem den "zunehmenden Verfall" der Wirtschaftsethik in Bayern. Vor dem Hintergrund zunehmender
Arbeitsplatzverlagerungen von Bayern ins Ausland sei es "kein Wunder,
dass die Wirtschafts- und Exportzahlen einbrechen". Aiwanger bezog
sich in seiner Kritik auf die Lage im unterfränkischen Bad Neustadt, wo mehr als 800 Siemens-Arbeitsplätze nach Tschechien verlagert werden sollen.

(ddp/Antje Pöhner)


 


 

Exporte
Bayern
Ausfuhren
Paul Wengert
Martin Runge
Christiane Berger
Hubert Aiwanger
Wirtschaftsexperte
Martin Zeil
Krise
Siemens
Arbeitsplätze

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Exporte" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: